Internet der Dinge: Interview mit Stefan Strobel, Cirosec

Neue Bedrohungen und Schwachstellen

Im Interview geht Stefan Strobel, geschäftsführender Geselleschafter der Cirosec GmbH, auf die Frage ein, warum mit dem Internet verbundene Haushaltsgeräte so leicht angreifbar sind, und erläutert, welche IT-Sicherheitsmaßnahmen zukünftig sinnvoll sind.

Stefan Strobel, Cirosec

„Da die Attacken auf ‚intelligente’ und vernetzte Geräte nicht auf den zunächst betroffenen Geräten enden, kann die gesamte IT-Infrastruktur oder die Produktion betroffen sein“, warnt Stefan Strobel, geschäftsführender Geselleschafter der Cirosec GmbH.

ITM: Herr Strobel, inwiefern haben mittelständische Unternehmen anno 2014 die Themen „Cyberkriminalität“ und „IT-Sicherheit“ auf dem Schirm?
Stefan Strobel:
Bedingt durch die Aktualität des Themas in den Medien haben deutlich mehr mittelständische Unternehmen diese Themen auf dem Schirm. Leider beschränkt sich die konkrete Umsetzung aber meist auf offensichtliche Ansätze. Ein echtes Risikomanagement, in dem die für das eigene Unternehmen relevanten Bedrohungen erfasst und bewertet werden, findet immer noch viel zu selten statt.

ITM: Die technologischen Entwicklungen schreiten immer weiter voran und bieten gleichzeitig neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Welche Technologien/Bereiche stehen aktuell als Einfallstore im Mittelpunkt?
Strobel:
Die größten Einfallstore sind nach wie vor die PC-Arbeitsplätze der Mitarbeiter, dort insbesondere der Webbrowser, sowie auf Serverseite die Webserver.

ITM: Welches Gefahrenpotential birgt hier das „Internet der Dinge“?
Strobel:
Das „Internet der Dinge“ bringt zahlreiche neue Bedrohungen und Schwachstellen, allerdings sind diese im Vergleich zu den dominanten Themen rund um das Websurfen eher zweitrangig.

ITM: Inwiefern kommen „intelligente, vernetzte Geräte“ bereits im Mittelstand zum Einsatz?
Strobel:
Solche Geräte findet man immer häufiger, sowohl bei der Gebäudesteuerung/Überwachung und der Telefonie als auch bei fast schon allen Geräten der Unterhaltungselektronik, die nicht nur in Privathaushalten, sondern oft auch in Besprechungsräumen verwendet werden. Auch in der Produktion werden die Geräte immer stärker mit IP vernetzt und damit angreifbar.

ITM: Warum sind die mit dem Internet verbundenen Geräte wie Heimnetzwerkrouter, Fernseher oder Kühlschrank so leicht angreifbar?
Strobel:
Oft werden die „intelligenten“ Funktionen dieser Geräte mit einem kleinen auf Linux basierenden Computer realisiert, wobei meist alte und ungesicherte Versionen zum Einsatz kommen, da die Hersteller bisher nur auf Kosten und Funktionalität schauen. Sicherheit ist bisher keine Eigenschaft, für die die Kunden mehr Geld ausgeben.

ITM: Wie werden die Geräte missbraucht bzw. wozu werden sie von Cyberkriminellen benutzt?
Strobel:
Smart-TVs können beispielsweise Teil von Botnetzen werden, die mit eingebauten Mikrofonen/Kameras das Wohnzimmer überwachen oder eine Brücke vom Internet in das Heimnetzwerk bauen.

ITM: Welchen Schaden können IoT-basierte (Internet of Things) Attacken (in einem Unternehmen) anrichten?
Strobel:
Da die Attacken auf „intelligente“ und vernetzte Geräte nicht auf den zunächst betroffenen Geräten enden, kann die gesamte IT-Infrastruktur oder die Produktion betroffen sein. Produktionsausfälle sind damit ebenso realistisch wie eine Kompromittierung der internen Mailserver oder Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP).

ITM: Wie ließe sich ein Angriff auf bzw. über vernetzte Geräte nachweisen?
Strobel:
Der Nachweis von Angriffen über solche Geräte ist oft schwer, da die Geräte meist keinen eigenen Speicherplatz für Protokolle und auch keine Schnittstelle zu zentralen Log-Management-Systemen besitzen. Ohne zusätzliche Analyse des Datenverkehrs im Netz ist man daher in vielen Fällen blind.

ITM: Wie kann der Anwender laufende Manipulationen seiner Geräte selbst erkennen?
Strobel:
Dafür gibt es leider keine allgemeinen Regeln. Ein guter Angreifer wird kaum verdächtige Signale erzeugen. Man kann nur hoffen, dass der Angreifer Fehler macht und der Angriff somit anhand von ungewöhnlichem Verhalten oder an Störungen des Geräts erkannt werden kann.

ITM: Welche IT-Sicherheitsmaßnahmen sind zukünftig sinnvoll – von Seiten der Gerätehersteller, aber auch von Seiten der Anwender, die letztlich auf die vernetzten Geräte vertrauen?
Strobel:
Zunächst einmal müssen die Gerätehersteller ihre Hausaufgaben machen und die Sicherheit der eingebauten Computersysteme deutlich erhöhen. Die Verwendung aktueller und gehärteter Betriebssysteme wäre dabei eine wesentliche Grundforderung.

ITM: Welchen Beitrag können IT-Sicherheitsanbieter an dieser Stelle leisten?
Strobel:
Sicherheitsanbieter können beispielsweise mit Penetrationstests helfen, die Gefahren sichtbar zu machen und bei der Erstellung von Sicherheitskonzepten unterstützen.

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