Eine einfache Weiterbildung nach Schema F reicht vielerorts nicht mehr aus, um erfolgreich zu sein. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
Sich verändern, adaptiv agieren, aufgeschlossen sein – das werden entscheidende Kompetenzen sein“, sagt Ulli Schmäing. ((Bildquelle: IHK Nord Westfalen))
„Upskilling ist ein absolutes Muss für Mitarbeiter, die up-to-date in ihrem Beruf bleiben wollen“, hebt Claudia Geier hervor. ((Bildquelle: Integrata Cegos))
„Der Arbeitsmarkt verändert sich fortlaufend“, betont Lukas Lewandowski. ((Bildquelle: Coursera))
Es wird immer offensichtlicher: Die derzeitige Situation am Arbeitsmarkt stellt Führungskräfte und Mitarbeiter vor zahlreiche neue Herausforderungen, vor allem bedingt durch die aktuelle Krise. Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, wird es für Unternehmen – egal, ob klein oder groß – immer wichtiger, auf IT-Weiterbildung zu setzen. Nicht nur, dass die Schlagworte „Re- und Upskilling“ wichtiger denn je sind – auch für die Zufriedenheit der Mitarbeiter und Fachkräfte nimmt die Fortbildung eine besondere Stellung ein.
Wie eine Studie des Project Management Instituts zeigt, ist für 40 Prozent der Arbeitnehmer die berufliche Weiterentwicklung ein entscheidender Faktor für ihre Zufriedenheit und Motivation. Eine fehlende fachliche Weiterbildung wiederum ist für viele ein Hauptgrund, den Arbeitsplatz zu wechseln. Das belegt eindeutig, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern die richtigen Fähigkeiten mitgeben und Schulungen anbieten müssen, um nachhaltig erfolgreich sein zu können.
Eine einfache Weiterbildung nach Schema F reicht vielerorts nicht mehr aus, um erfolgreich zu sein. Führungskräfte und Mitarbeiter müssen vielmehr Trends voraussehen und sich auf kommende Herausforderungen einstellen können. Wie wichtig ist also dieser Reskilling-„Notfall“?
„Die Daten des Weltwirtschaftsforums aus dem Bericht ‚2020 Future of Jobs‘ belegen, dass bis 2025 85 Millionen Arbeitsplätze wegfallen werden, während sich 40 Prozent der Kernkompetenzen der Arbeitnehmer im gleichen Zeitraum ändern werden“, informiert Lukas Lewandowski, Country Manager DACH bei Coursera. Vor diesem Hintergrund würden diejenigen, die über die erforderlichen Kompetenzen für die immer stärker nachgefragten Berufsfelder verfügten, auf dem sich wandelnden Arbeitsmarkt hoch im Kurs stehen. Zu den besonders gefragten Kompetenzen zählt der Experte Data Analysis, Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) sowie Digital Marketing, Cloud Engineering und Cybersicherheit. „Wird auf dem Arbeitsmarkt eine Karriere in den sich schnell verändernden Bereichen ‚Technologie‘ und ‚Data Sciences‘ angestrebt, liegt ein besonderes Augenmerk auf dem lebenslangen Lernen“, betont er.
„Weiterbildung, Updates und Upgrades für die Mitarbeiter in Unternehmen werden zu einem Must-Have und entscheiden zukünftig maßgeblich über den Erfolg eines Unternehmens“, ist sich auch Ulli Schmäing, Leiter der Abteilung Weiterbildung der IHK Nord Westfalen, sicher. Klassische Berufsbilder werden zwar seiner Ansicht nach nicht abgelöst, aber das erworbene Wissen habe eine immer kürzere Halbwertszeit. „Dies gilt insbesondere für Berufsbilder, die in klassische unternehmerische Transaktionsprozesse eingebunden sind – eben dort, wo die Digitalisierung am disruptivsten zuschlägt“, hebt er hervor. Grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse eines Berufsbildes würden dabei eher gestärkt. „Tools und Anwendungsgebiete verändern sich massiv, aber grundlegende Methoden und Fähigkeiten sind solide in der Berufsausbildung verankert.“ Für den Erfolg jeder Digitalen Transformation, die vor keinem KMU Halt mache, seien Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter für die Ausführung von grundlegender Bedeutung. „Je nach Geschäftslage, ob kurz vor der Insolvenz bis hin zur Expansion in die völlig neuen Geschäftsfelder, ist es unterschiedlich, wie dringend ein Reskilling erforderlich ist“, erklärt er. Über die aktuellen Studienlagen zur Digitalisierung im deutschen Mittelstand sei jedoch bekannt, dass „eine gewisse Dringlichkeit“ nicht allzu schlecht wäre.
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Claudia Geier, Head of Innovation & Development bei Integrata Cegos, bezeichnet Up-skilling als „absolutes Muss“ für Mitarbeiter, die up-to-date in ihrem Beruf bleiben wollen. Auch Reskilling sei ein Muss – vor allem für Mitarbeiter, die künftig neue Jobprofile besetzen werden und über neue Fähigkeiten verfügen müssen. „Derzeit befindet sich der Arbeitsmarkt im großen Umbruch, bekannte Berufsbilder werden durch neue Berufsbilder ersetzt. Wir haben bereits jetzt die Situation, dass Mitarbeiter in Multirollen eingesetzt sind“, erläutert die Expertin.
Gerade im Mittelstand, dem nachgesagt wird, dass er gerne an der Weiterbildung spart, ist es also dringend erforderlich, eine offenere Lernkultur zu implementieren. „Neue Technologien und Vorgehensmodelle sind erfolgskritische Businessfaktoren, denkt man etwa an 5G-Campusnetze, Cloud Computing, Data Analytics, etc.“, betont Claudia Geier. Weiterbildung finde aufgrund der Pandemie heute zum großen Teil online statt, sodass sich die Kostenfaktoren wie Spesen, Reisekosten oder Ausfallzeiten stark reduziert hätten und als Argument gegen Weiterbildungsmaßnahmen entkräftet seien.
Auch Lewandowski hebt die Kosteneffizienz und Flexibilität von Online-Lernplattformen für kleine und mittelständische Unternehmen hervor: „Diese lassen sich schnell und umfangreich implementieren. Wenn Arbeitnehmer Bildungswege eröffnet bekommen, für die sie sich nicht räumlich verändern müssen, schafft dies Anreize und verbessert das Lernpotenzial“, ist er sicher. Das Gleiche gelte für rollenbasiertes, kompetenzorientiertes Lernen, „das eine klare Kopplung zwischen Bildungsinhalten und Karrieremöglichkeiten herstellt“.
„Eine neue Lernkultur wird von einer neuen Generation an Führungskräften etabliert werden“, sagt Schmäing mit Blick in die Zukunft. Diese hätten die Vorteile kontinuierlichen Lernens z.B. über Learning-Flatrates oder auch DiY-Videos kennengelernt und würden sie sicherlich im eigenen Unternehmenskontext nicht mehr missen wollen. „Weiterbildung ist dabei grundsätzlich ein Thema, was durch die Chefs vorgelebt werden und auch budgetiert werden muss“, betont er. Dazu gehöre auch, die Weiterbildungsbedarfe strategisch und im Dialog mit den Mitarbeitern zu ermitteln. „Ein weiterer wichtiger Erfahrungswert: Sparzwang ist nicht der entscheidende Faktor für oder gegen eine Weiterbildung. Eher ist es die Orientierung, für welche Weiterbildung ich mich entscheide und welcher Güte sowie Praxiswertigkeit diese entspricht – und welchen Mehrwert es somit für das Unternehmen bietet.“ Nur damit und mit der Eigenmotivation der Mitarbeiter ließen sich entsprechende Investitionen in die Weiterbildung rechtfertigen.
Auf welche Mehrwerte und Qualifikationen sollten Unternehmen also setzen, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Schmäing fasst zusammen: „Sämtliche Umfragen, Studien der einschlägigen Institute wie OECD Future Skills, aber auch die Erfahrungen aus der Weiterbildungspraxis sowie die Kompetenzbedarfserhebungen zeigen, dass Anpassungsfähigkeit eine wesentliche Zukunftsfähigkeit ist. Oder wie es ein gestandener Mittelständler ausgedrückt hat: Change.“ Sich verändern, adaptiv agieren, aufgeschlossen sein – das werden seiner Meinung nach entscheidende Kompetenzen sein. „Nichts ist so stetig wie der Wandel, das wissen wir alle“, betont er. Neu sei, dass die Geschwindigkeit der Veränderung sowie damit symbiotisch verbunden die Digitalisierung der Prozesse exponentiell zugenommen haben. Als weitere Top-Five-Kompetenzen gelten für den IHK-Experten Kollaborationsfähigkeiten, Kreativität und „etwas schwammig vollmundig formuliert: ‚komplexe Problemlösungsfähigkeiten‘“.
„Unternehmen, die in eine beständige Weiter- und Fortbildung investieren, können sich am schnellsten an die neuen Marktanforderungen anpassen und somit erfolgreich sein“, erklärt Coursera-Experte Lewandowski. Auch er hebt die Wandelbarkeit des Arbeitsmarkts hervor. Dieser verändere sich fortlaufend. Dennoch erforderten alle zu besetzenden Positionen ein ausgewogenes Verhältnis von Soft Skills und technischen Fähigkeiten. „Unternehmen können und sollten die verfügbaren Daten über die Entwicklung von Qualifikationen nutzen, um in Zusammenarbeit mit den einzelnen Geschäftsbereichen eine Lern- und Entwicklungsstrategie zu planen und umzusetzen.“