Im Internet ist der nächste Shop nur einen Klick weit entfernt.
In den USA beginnt der große Sturm auf die Onlineshops schon mit Thanksgiving am vierten Donnerstag im November und dem darauf folgenden Black Friday. Dann räumt der Einzelhandel seinen Kunden traditionell große Rabatte ein. Das war schon in der analogen Zeit so. Am Montag danach hat sich mittlerweile der sogenannte Cyber Monday als Onlinependant zum Black Friday etabliert. Für den Handel liefern diese Tage einen wichtigen Stimmungsindikator.
Und weil die Marketingmaschinerie längst global funktioniert, etabliert sich der Cyber Monday zunehmend auch in anderen Teilen der Welt. Mittlerweile planen Händler mit diesem Datum und dem damit einhergehenden Geschäft, das bis zu 80 Prozent des Online-Jahres-Umsatzes ausmachen kann. Dieser Tatsache tragen viele Unternehmen Rechnung, indem sie ihre Shops optisch für den anstehenden Ansturm herausputzen. Beschränkt man sich jedoch allein darauf, ohne die darunter laufende Technik ins Visier zu nehmen, kommt das einem Vabanquespiel gleich. Für dieses Risiko bezahlen manche Onlinehändler mit Ausfällen.
Für die zahlungswilligen Kunden äußern sich überlastete Websites nicht immer nur mit einer Fehlermeldung. Oft passiert es in solchen Fällen auch, dass die Benutzer eine Transaktion anstoßen, sie aber nicht vervollständigen können, weil ihnen unbeschreiblich lange Ladezeiten einen Strich durch die Rechnung machen. Parallel steigt natürlich das Verlangen der Kunden, solche Transaktionen einfach abzubrechen – und zwar selbst dann, wenn sie ein Produkt unbedingt haben wollen.
Zieht man in Betracht, dass sich Shopbetreiber für Spitzen wie das Weihnachtsgeschäft mit Marketingaktivitäten rüsten, wirft das Fragen auf. Denn obschon solche Anstrengungen natürlich gerechtfertigt sind, wäre ein ebenso hohes Bewusstsein für die Notwendigkeit von technischen Wartungen wünschenswert. Sprich: Auch in die Technik muss Budget fließen. Denn die Funktionalität einer Website ist keineswegs ein naturgegebenes Kontinuum.
Missliche Situationen lassen sich in aller Regel vermeiden, wenn die Verantwortlichen im Vorfeld die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und z.B. gezielt nach Schwachstellen auf der eigenen Website suchen. Eine Lektion, die selbstverständlich für alle Unternehmen gilt, die mit einem erhöhten Besucheraufkommen rechnen müssen oder dürfen. Denn im Internet ist der nächste Shop nur einen Klick weit entfernt, und die Benutzer verzeihen durchaus nicht jeden Fehltritt. Umso wichtiger ist es deshalb, einen Test aus Sicht der Benutzer aufzusetzen, wenn man will, dass die Kunden ihre Einkäufe schnell und einfach erledigen können.
Entscheidend für die Benutzersicht sind zunächst die sogenannten „Uptime“-Werte. Sie geben Aufschlüsse über die grundsätzliche Verfügbarkeit einer Website sowie die Zeit, die vergeht, bis eine Seite nach einer Anfrage an den Server antwortet. Diese Antwortzeit entspricht dabei jedoch nicht etwa der Zeit, bis ein Kunde eine Seite benutzen kann. Maßgeblich für Letzteres ist vielmehr der „Full Page Load“-Wert. Er macht Aussagen darüber, wie lange es dauert, bis eine Seite von Anfang bis zum Ende lädt.
Natürlich werden derlei Werte von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Dennoch gilt, dass der „Uptime“-Wert einer Seite immer gegen 100 Prozent gehen und die durchschnittlichen Antwortzeiten unter einer Schwelle von 500 MS liegen sollte. Shopbetreiber sollten darüber hinaus mit einem Belastungstest feststellen, welche Last ihre Website abwickeln kann. Dazu spielt man virtuelle Benutzer auf die Site, die dann gleichzeitig Transaktionen vornehmen oder Anwendungen ausführen, bis die Belastungsgrenze erreicht ist. Problemverursachende Elemente können so leicht identifiziert werden.
Ein Web-Load-Test lässt sich etwa mithilfe cloudbasierter Angebote wie Monitis aufsetzen – und zwar zeitunabhängig. Natürlich sollte man einen derartigen Test nur dann durchführen, wenn keine absehbaren Belastungsspitzen anstehen. Mithilfe eines Scripts kann man einen Lasttest zudem automatisiert wiederholen. So lässt sich z.B. die Wirksamkeit der neu eingeleiteten Optimierungsmaßnahmen überprüfen. Der Web-Load-Test bleibt jedoch nur ein Baustein – Shopbetreiber sollten insbesondere ihre Laufzeit kontinuierlich aus Anwendersicht überprüfen und auch eine Routine für die anderen Testtypen entwickeln. Denn letztendlich hängt es allein von der richtigen Vorbereitung ab, ob sich Tage wie der Cyber Monday als Verkaufsschlager oder Tiefschlag erweisen.
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