„Das größte Risiko für eine erfolgreiche Transition ist ein fehlender Beendigungs-vertrag mit dem alten Provider“, gibt Joachim Ebenthal, Business Development Executive bei CGI, zu bedenken.
ITM: Herr Ebenthal, im Bereich Outsourcing findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt: Unternehmen wagen einen Wechsel des Outsourcing-Partners. Wie lässt sich diese Entwicklung erklären?
Joachim Ebenthal: Viele Unternehmen waren lange Zeit an Outsourcing-Verträge gebunden, in denen die Services nach Menge, Art und Güte fest vereinbart sind. Das heißt, der Kunde erhielt einen Service, der über die Jahre so gut wie festgeschrieben war. Heute dagegen ist es unabdingbar, dass in den Verträgen flexible Mengen mit Unit-Preisen vereinbart werden.
ITM: Welches sind die häufigsten Gründe für einen Partnerwechsel und welchen Herausforderungen sehen sich Mittelständler dabei konfrontiert?
Ebenthal: Meines Erachtens ist der häufigste Grund eines Partnerwechsels die nicht realisierte Kostensenkung während der Vertragslaufzeit, aus der fehlende Investitionen in neue Technologien resultieren.
CGI beispielsweise ist bei einem langfristigen Outsourcing-Vertrag in der Lage, die Kosten für den IT-Betrieb um 30 bis 40 Prozent zu reduzieren. Dies ergibt sich aus optimierten Planungs- und Governance-Prozessen, transparenten Soll-Ist-Kontrollen sowie einem weltweiten Liefermodell (Blended Delivery Model).
ITM: Wie lassen sich die Ängste eines Wechsels minimieren und worauf sollten Mittelständler bei der Partnerwahl achten?
Ebenthal: Das größte Risiko für eine erfolgreiche Transition ist ein fehlender Beendigungsvertrag mit dem alten Provider. Zudem ist die Planung des Übergangs zum neuen Provider häufig zu optimistisch. In jeder Transition müssen Systeme aufgebaut, Applikationen implementiert und getestet werden. Dies kann aber nur gut funktionieren, wenn der Provider ein standardisiertes Transitions-Modell hat und dieses über einen standardisierten Knowledge-Transfer-Prozess verfügt.
Ein weiterer Punkt ist die zu späte Installation einer Governance- bzw. Kommunikationsstruktur. Schon zu Beginn der Transformation müssen Verantwortlichkeiten definiert und Governance-Strukturen installiert werden. Denn nur wer eine klare Kommunikation und eindeutige Verantwortlichkeiten vereinbart, lebt später eine faire Partnerschaft.
ITM: Wie kann ein Outsourcing-Spezialist hier helfen?
Ebenthal: Ein Outsourcing, bei dem der Kunde kein IT-Know-how im eigenen Unternehmen mehr hat, kann nicht erfolgreich sein, da er die Services und zukünftigen Projekte nicht bewerten kann.
Der Mittelstand zeichnet sich durch Schnelligkeit, Flexibilität, Innovation im Kerngeschäft und Kundennähe aus. Auch der Provider muss diese Attribute mitbringen. Neben einem optimalen Service-Modell möchte jeder Mittelständler eine offene und objektive Beratung. Dies kann ein Provider nur leisten, wenn er hard- und software-unabhängig ist.
ITM: Welche Vorteile ergeben sich für Mittelständler durch derartige Partnerschaften?
Ebenthal: Aufgrund der Vielfältigkeit und Schnelllebigkeit in der IT-Branche ist kaum ein mittelständisches Unternehmen in der Lage, das komplette IT-Know-how im eigenen Unternehmen vorzuhalten, anders als der Dienstleister. Zudem gehören neue Technologien zum Alltag des Dienstleisters, so können diese Techniken schnell beim Kunden transformiert werden und den Erfolg stärken.