Mittelstandsprojekt Rechenzentrum

Outsourcing oder In-house-Betrieb?

Der Anstoß für ein Rechenzentrumsvorhaben ist meist eine in die Jahre gekommene IT-Infrastruktur die an ihre Grenzen stößt und nicht mehr ausbaufähig ist. Doch jetzt gilt es eine Entscheidung zu treffen: Soll das neue Rechenzentrum (RZ) selbst gebaut und betrieben oder mithilfe eines Dienstleisters ausgelagert (Outsourcing) werden?

Rechenzentrum: Selbst investieren oder auslagern?

Oft führen die Auffassung „Meine Daten ge-hören mir“ und das schlechte Gefühl, unternehmenskritische Informationen in externe Hände zu legen, zum RZ-Bau und -Betrieb in Eigenregie. Dabei ist der physikalische Besitz des Gebäudes und der IT-Infrastruktur nicht per se sicherer. Denn Datenklau findet heute fast ausschließlich auf digitalem Weg statt und nicht durch unbefugten physischen Zugriff. Genauso wichtig wie die Systeme zur Zutrittskontrolle und Videoüberwachung sind also Firewalls und Passwortsysteme.

Viele Argumente sprechen für das komplette Outsourcing der benötigten RZ-Infrastruktur. Zunächst liegt die Kernkompetenz des Outsourcingpartners genau in der abgefragten Leistung. Er besitzt aktuelles Fachwissen und vielfältige Erfahrungen. Im eigenen Unternehmen werden Ausbau und Sicherung der IT-Infrastruktur teils eher als nötiges Übel gesehen. Ein weiterer zentraler Pluspunkt: Im Outsourcing liegen Verantwortung für den Betrieb und ggf. Bau beim Dienstleister. Dies ist in Hinblick auf die rasanten technischen Entwicklungen relevant. Ein Data Center wird heute für mindestens 15 Jahre geplant, um wirtschaftlich zu sein. Diese Zeitspanne ist in der IT-Welt unüberschaubar lang. Die steigenden Energiekosten führen zu immer neuen Entwicklungen und Trends wie der „Warmwasserkühlung“ oder dem RZ-Betrieb mit Niederspannung mit nur 48 Volt. Kein Spezialist kann heute sicher sagen, wie ein RZ in 15 Jahren aussehen wird. Heutige Bauten können zu überdimensionierten Energiefressern werden. Im Outsourcing hat ein Unternehmen schneller die Möglichkeit, im Laufe dieses Prozesses nach einer besseren Lösung zu suchen.

Kostenüberblick beim Outsourcing

Ein weiterer Vorteil: Werden die Leistungen an ein bereits bestehendes RZ ausgelagert, erhält das Unternehmen schnell einen Kostenüberblick. Ein eigener Neubau ist im Vergleich hierzu ungleich aufwendiger – Planung und Kostenkalkulation können Jahre dauern. Zudem sind die Sicherheitslevel im Gebäude des Anbieters evtl. sogar höher, als sie in einem Selbstbau sein können. Eine Vergleichskalkulation zwischen der Outsourcing-lösung und dem Selbstbau zeigt, welcher Weg kostengünstiger ist und mehr Einsparpotentiale bietet. Der Vergleich sollte über mindestens fünf Jahre erstellt werden. Dabei sind auch die kompletten Betriebs-, Wartungs- und Energiekosten miteinzurechnen.

Prüfen des Outsourcing-Partners

Hat sich das Outsourcing als sinnvollere Lösung ergeben, ist die Wahl des Partners oft davon bestimmt, ob zuvor bereits eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung bestand. Auch die lokale Nähe spielt gerade für Mittelständler eine Rolle. Diese eher „weichen“ Faktoren sind nicht zu unterschätzen, dennoch sollten sie in der Abwägung aller Argumente nicht allein ausschlaggebend sein. Um schlechte Erfahrungen mit unbekannten Anbietern zu vermeiden, sollten mehrere Angebote miteinander verglichen und die Rechenzentren hinsichtlich Verfügbarkeit und Sicherheit geprüft werden. Auskunft hierüber gibt der Zertifizierungslevel der Data Center, u.a. nach Iso, TÜV, Uptime oder BSI IT-Grundschutz. Auch eine Begehung des Gebäudes ist sinnvoll. Dort lässt sich etwa erkennen, inwieweit die angebotenen Verfügbarkeits- und Sicherheitsanforderungen tatsächlich umgesetzt werden. Der Anbieter sollte vor Ort zeigen, welche Mechanismen genau bei einem Stromausfall greifen. Auch die erforderlichen Maßnahmen zum Aufrechterhalten von Betrieb und Sicherheit des RZ bei Wartungen sollten vorab erklärt werden. Ein zentraler Punkt ist immer die Sicherheitsanlage: Vor Ort lässt sich besser erkennen, ob sich die Mitarbeiter an die beschriebenen Prozesse halten. Zur Prüfung der Angebote und der Rechenzentren empfiehlt es sich auch, einen externen Dienstleister hinzuzuziehen.

Eingegrenzt wird die Wahl des Outsourcingpartners bei einem geplanten Backup-RZ. Hier kommen nur Anbieter innerhalb eines bestimmten geografischen Radius in Betracht. Denn die beiden Gebäude müssen aufgrund der geltenden Sicherheitsvorgaben mindestens 3,5 Kilometer auseinanderstehen, sollten höchstens aber nur 10 bis 15 Kilometer voneinander entfernt liegen. Andernfalls ist bei der Datenübertragung aufgrund der Latenz nicht mehr gewährleistet, dass die Daten zugleich an beiden Orten gespeichert werden oder dies nur mit hohem technischem und finanziellem Aufwand möglich ist.

Teil-Outsourcing der RZ-Infrastruktur

Wer sich zwischen Outsourcing und Selbstbau sowie -betrieb nicht entscheiden kann, dem bieten sich Zwischenlösungen an. Die niedrigste Form des RZ-Outsourcings (Housing) liegt darin, nur die externe Fläche zu nutzen inklusive der Sicherheits-, Kühlungs- und Wartungsleistungen. In einer höheren Stufe leistet der Outsourcingpartner auch die Auswahl und Bereitstellung der Racks inklusive der Verkabelung. Von einem vollständigen Outsourcing spricht man, wenn der Partner auch IT-Infrastruktur-Dienstleistungen wie die Implementierung von Hardware und Software übernimmt. Wer sein RZ an einem bestimmten Ort errichten will, etwa auf dem Unternehmensgrundstück, kann dennoch Bau und Betrieb je nach individuellen Ansprüchen auslagern. Er kann, z.B. durch Virtualisierung, speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen und Speicherkapazitäten wählen.

Falls doch der Selbstbau gewählt wird, sollte ein RZ-Planer hinzugezogen werden, da sich die Anforderungen von denen an ein normales Gebäude unterscheiden. Die Ausschreibung einzelner Gewerke spart zwar Kosten, hier ist aber bei Problemen die Gewährleistung schwieriger zu klären. Sicherer ist die Ausschreibung von „Paketen“, wie aller Elektro- oder Klimainstallationen. Die größte Sicherheit bietet die Beauftragung eines Generalunternehmers für den Bau, vorausgesetzt die Inhalte der Ausschreibung sind gut auf das eigentliche Objekt abgestimmt.



Argumente pro Outsourcing der IT-Infrastruktur

  • Konzentration auf das eigene Kerngeschäft
  • IT-Infrastruktur liegt beim Spezialisten
  • Anbieter trägt Verantwortung
  • Mehr Transparenz
  • Eigenes RZ kann zum „Klotz am Bein“ werden
  • Weniger Ressourcenbindung beim Bau
  • Schnellerer und höherer Sicherheitslevel als beim Selbstbau erreichbar



Argumente contra Outsourcing der IT-Infrastruktur

  • Befürchteter „Verlust“ der eigenen Daten
  • Know-how-Verlust
  • Eventuelle Probleme mit Datenschutz
  • Abhängigkeit vom Dienstleister
  • Missverständnisse wegen unklar formulierter Service Levels
  • Eigene IT-Mitarbeiter verlieren bisheriges Aufgabenfeld
  • Kann Probleme im Betriebsklima erzeugen

Quelle: Akquinet AG

 

Bildquelle: © Thinkstock/iStockphoto

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