Datenhoheit in der Cloud

Pandemie als Hoffnungsträger?

Laut Matthias Bollwein, Mitgründer des IT-Start-ups Uniki, wird absolute Datenhoheit vor allem auch dann erlangt, wenn Unternehmen eine eigene Cloud vor Ort betreiben. Gerade für den Mittelstand sei das ein empfehlenswerter Ansatz und weit unkomplizierter als es zunächst klinge.

Pandemie als Hoffnungsträger?

Laut Matthias Bollwein geht die größte Gefahr immer noch vom Faktor „Mensch“ aus.

ITM: Herr Bollwein, laut dem Cloud-Monitor 2020 speicherten 2019 bereits 76 Prozent der befragten deutschen Firmen ihre Daten in einer Cloud. Inwieweit haben mittelständische Unternehmen im Rahmen der Corona-Pandemie Cloud-Projekte in Angriff genommen?
Matthias Bollwein: Die Skepsis und Angst vor dem Verlust sensibler Informationen, die noch vor ein paar Jahren in Verbindung mit Cloud-Lösungen geäußert wurde, scheint heute wie weggeblasen – auch wenn es leider nach wie vor Sicherheitsrisiken gibt. Die Verlagerung hin zur Cloud ist ein längst überfälliger Fortschritt für unsere Arbeitsweisen. Denn Cloud-Projekte umfassen bekanntlich weit mehr, als nur Dokumente online zu speichern. So hat auch der Mittelstand festgestellt, dass Vor-Ort-Meetings wunderbar durch eine Videokonferenz in der Cloud ersetzt werden können und ein Unternehmens-Chat schnelle Absprachen ermöglicht – das wird auch in der Zukunft Zeit sparen und Prozesse beschleunigen. Viele Unternehmen mussten jedoch sehr kurzfristig eine effektive Lösung finden, um ihren Mitarbeitern die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen – da übersieht man durchaus Risiken. VPN-Netzwerkverbindungen waren dennoch kaum eine Alternative. Sie sind aufwendig, unzuverlässig und sicherheitskritisch, sodass viele mittelständische Unternehmen gezielt auf Cloud Computing setzten. Für 84 Prozent der Teilnehmer einer Bitkom-Studie hat die Digitalisierung im Unternehmen durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. 61 Prozent der Befragten sehen die Pandemie als Hoffnungsträger für einen Innovationsschub in Sachen Digitalisierung.

ITM: Was müssen Unternehmen grundsätzlich beachten, wenn sie sich dazu entschließen, sensible Daten in der Cloud zu speichern?
Bollwein: Zuallererst gilt es, sich für einen Cloud-Anbieter zu entscheiden, der DSGVO-Konformität garantiert. Das ist zum einen eine rechtliche Grundlage, die kein Unternehmen außer Acht lassen sollte, zum anderen wird der Schutz sensibler Daten gewährleistet. Seit dem Wegfall des „Privacy Shield“-Abkommens können etwa US-amerikanische Cloud-Anwendungen kaum noch rechtskonform genutzt werden. Auf der sicheren Seite ist man daher mit einem europäischen Anbieter. Absolute Datenhoheit wird vor allem auch dann erlangt, wenn das Unternehmen eine eigene Cloud vor Ort betreibt. Gerade für den Mittelstand ist das ein empfehlenswerter Ansatz und weit unkomplizierter als es zunächst klingt. Außerdem sollte auf eine ausführliche Benutzerrechteverwaltung geachtet werden. Dort wird festgelegt, wer auf welche Daten, Ordner und Anwendungen zugreifen kann. Zudem sollte die Cloud eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten und die individuellen Wünsche des Unternehmens abbilden, z.B. Cloud-interne Chatprogramme zum Kommunikationsaustausch und Projektmanagement-Tools. Es ist zudem empfehlenswert, sicherzustellen, dass bei Ausfall der Serversysteme von Seiten des Anbieters keine Daten verloren gehen können. Zusätzlich sollten Unternehmen darüber informiert sein, ob bei Vertragsende sensible Unternehmensdaten endgültig vom Server gelöscht werden können und es eine kompatible Übertragung zurück an das Unternehmen gibt.

ITM: Gibt es die eine vollkommen sichere Cloud bzw. das eine vollkommen sichere Cloud-Szenario für sensible Daten?
Bollwein: Nein, diese Lösung gibt es nicht. Anfangs war die Skepsis vor dem Cloud Computing groß, doch mittlerweile haben die Nutzer verstanden, dass auch ein Netzwerkserver keine vollständige Sicherheit liefert, im Gegenteil. Allein im Jahr 2019 gab es laut dem BSI-Lagebericht 2020 117,4 Millionen entdeckte Schadprogramme, welche versuchten, in Unternehmens IT-Infrastrukturen einzudringen. Die Cloud hat den Vorteil, dass sie zentral Sicherheits-Updates fährt, so können Risiken minimiert werden. Private-Cloud-Lösungen treffen noch zusätzliche Vorkehrungen, um Datenverlust und Ausfallzeiten zu vermeiden. Gute und moderne On-Premise-Cloud-Server gewährleisten mit sogenannten System-Snapshots eine lückenlose Versionierung der Daten. Da Virenscanner und Firewalls keinen ausreichenden Schutz vor Ransomware bieten, ist dies essentiell – im Fall einer Zerstörung der Daten durch Ransomware kann das Unternehmen den Schaden sofort rückgängig machen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Was für Sicherheitsmechanismen kommen in der Cloud i.d.R. zum Einsatz, um es Hackern schwer zu machen?
Bollwein:Eine der wichtigsten und meistgenutzten Methoden, um für die Sicherheit in der Cloud zu sorgen, ist der Autorisierungsprozess. Dazu gehören starke Passwörter, Passwort-Manager zur Verwaltung und Kontrolle der Zugangsdaten und die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Bei Public-Cloud-Systemen können die Daten nur durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Ohne diese muss dem Anbieter und seinen Mitarbeitern vertraut werden. Mithilfe eines On-Premise-Cloud-Servers kann die Anzahl an Schwachstellen und Angriffspunkten also erheblich reduziert werden. Außerdem sollte die Unternehmens-Cloud selbstständig und mehrmals am Tag Backups des Systems anfertigen, um diese nach einem Ausfall oder Sicherheitsvorfall wieder herstellen zu können.

ITM: Wie sehen die Cloud- und zugleich Cybersecurity-Prognosen für 2021 aus?
Bollwein:Laut Statista betrug der Cloud-Computing-Umsatz in Deutschland im Jahr 2020 10,1 Mrd. Euro und soll laut Prognose im Jahr 2021 bei 12,1 Mrd. Euro liegen. Immer mehr Unternehmen werden demnach in diesem und den nächsten Jahren auf Cloud Computing setzen. Ein Trend ist die Entwicklung weg von der Public hin zur Hybrid Cloud. Öffentliche Clouds, wie z.B. der Google Server mit seinem Dokumenten- oder Präsentationsprogramm, werden als Public Cloud bezeichnet. Private On-Premise Clouds sind geschützte Server, die bei Unternehmen selbst stehen. Die Hybrid Cloud verbindet die beiden Systeme. Der Nutzer profitiert von den einfachen und schnellen Datei-Sharing-Lösungen in Verbindung mit einer sicheren Infrastruktur, die vor Datenverlust schützt. Die Sicherheit des Cloud Computing wird auch im Jahr 2021 das Lieblingswort der IT-Verantwortlichen sein, denn neue Entwicklungen bringen auch neue Schlupflöcher für Hacker. Doch die größte Gefahr geht immer noch vom Faktor „Mensch“ aus, vor allem in Zeiten des Homeoffice und Remote Working. Deshalb sollten Mitarbeiter regelmäßig sensibilisiert werden und nur Zugriff auf sensible Daten erhalten, wenn dies wirklich nötig ist.

Bildquelle: Uniki

 

 

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