Colin Buechler, Lifesize

„Persönliches Klima fördern“

Im Interview mit Colin Buechler, CEO von Lifesize, u.a. über die Bedeutung von Videokonferenzen und deren Sicherheit

Colin Buechler

Colin Buechler ist CEO von Lifesize und Senior Vice President bei Logitech.

ITM: Herr Buechler, Sie sind seit Anfang 2012 neuer CEO von Lifesize, welche neuen Akzente wollen Sie in der Unternehmensstrategie setzen?
Colin Buechler:
Als CEO will ich verstärkt in folgenden drei Bereichen Innovationen vorantreiben: mobiles Arbeiten, Cloud Computing und neudefinierte Infrastruktur – immer unter den Gesichtspunkten Vereinfachung und Kostenersparnis. Hier sehe ich das größte Marktpotential.

ITM: Welches Marktpotential sehen Sie in der Business-Videokommunikation?
Buechler:
In Zukunft werden immer mehr Unternehmen Videokonferenzsysteme als Alternative zu Geschäftsreisen einsetzen. Firmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Reisekosten zu senken. Mit dem Einsatz von Videokonferenzen gelingt ihnen dies – ohne dass die Effektivität der Gespräche darunter leidet. Im Gegensatz zu Telefon oder E-Mail kommt Videokommunikation einem persönlichen Gespräch am nächsten. Die größten Marktchancen sehe ich in qualitativ hochwertigen Lösungen zu vernünftigen Preisen.

ITM: Für welche Unternehmen lohnen sich aus Ihrer Sicht Videokonferenzsysteme?
Buechler:
Die Investition in Videokommunikation rentiert sich für Firmen jeder Größe. Videokonferenzsysteme haben gegenüber E-Mail und Telefon viele Vorteile. Sie sind nicht nur eine gute Alternative zu Geschäftsreisen: Auch im Tagesgeschäft können Firmen vom Austausch über Bild und Ton profitieren. Videokonferenzen fördern ein persönliches Klima in Unternehmen. Darüber hinaus sind Absprachen über Videokommunikation einfacher zu treffen. Des Weiteren erhöhen sie die Effektivität mobilen Arbeitens. Die Investitionshöhe für die Anschaffung von Videokonferenzsystemen können Firmen selbst bestimmen. Es ist nicht notwendig, ein komplettes Raumsystem zu kaufen. Bei cloud-basierten Systemen wie Lifesize Connections müssen Unternehmen lediglich eine Desktop-Lizenz erwerben, um die Lösung in Betrieb zu nehmen.

ITM: Warum sollten sich gerade Mittelständler für eine Videokommunikationslösung entscheiden?
Buechler:
Viele Mittelständler wollen auch im Ausland präsent sein. Begrenzte Budgets hindern sie jedoch daran, häufig auf Geschäftsreise zu gehen. Videokonferenzsysteme sind hier eine Lösung: Sie helfen ihnen, im Ausland zu agieren und gleichzeitig finanzielle Ressourcen zu schonen. So können Mittelständler auch auf dem globalen Markt mit Großkonzernen Schritt halten.

ITM: In den letzten Wochen wurde viel über die Sicherheit von Videokonferenzen diskutiert: Gibt es abhörsichere Systeme und woran können potentielle Kunden diese erkennen?
Buechler:
Da stets Menschen mit verantwortlich sind für die Sicherheit einer IT-Infrastruktur, wird es immer ein Restrisiko geben. Nichtsdestotrotz setzt Lifesize bei der Entwicklung seiner Lösungen alle Hebel in Bewegung, um die Gefahr möglichst klein zu halten. Wir entwickeln Lösungen, die Hackern auch bei einer Unachtsamkeit der Nutzer keinen großen Spielraum für Angriffe verschaffen. Das garantieren technische Sicherheitsvorkehrungen wie etwa automatische Sperren bei Fehlermeldungen, Passwort-Initialisierungen, Datenverschlüsselungen und NAT/Firewall Transversals. Darüber hinaus bieten wir über die Plattform Lifesize Enablement Network (LEN) Videomaterial für Trainings zum Thema IT-Sicherheit an. Derartige Schulungen sind für IT-Administratoren, aber auch für End-User durchaus sinnvoll.

ITM: Warum sollten Unternehmen in der Zeit von Skype und FaceTime lieber Business-Videokonferenzlösungen nutzen?
Buechler:
Qualitativ hochwertige Videokonferenzlösungen sind für den Einsatz in Unternehmen geeigneter als frei verfügbare Anwendungen wie Skype und FaceTime: Sie sind sicherer. Darüber hinaus ist die Bild- und Tonqualität bei professionellen Systemen besser. Wer im Videogespräch mit Kollegen, Kunden und Partnern einen seriösen Eindruck vermitteln möchte, benötigt eine vertrauenswürdige und zuverlässige Lösung. Darüber hinaus sollte sie standardbasiert sein. Weder FaceTime noch Skype erlaubt heute das einfache Anwählen von standardbasierten Videokonferenzsystemen. Mit der Integration von Skype haben wir eine erste kleine Brücke zu dieser Kommunikationsinsel im professionellen Einsatz geschaffen.

ITM: Inwieweit verknüpft sich aktuell UC mit Social Media?
Buechler:
Social-Media-Plattformen treiben die Entwicklung von UC-Lösungen an. Erfolgreiche Social-Media-Funktionen werden als UC-Kanäle integriert. Gehörten einmal Instant Messaging und VoIP-Telefonie zum festen Bestandteil von UC-Anwendungen, so sind mittlerweile etwa auch Videokonferenzen ein UC-Standard. Sie haben sich auf Social-Media-Plattformen wie Google Plus bewährt.

ITM: Welche Trends werden den Markt für Business-Videokommunikation in den kommenden zwei Jahren prägen?
Buechler:
Unserer Überzeugung nach werden im B2B-Umfeld Cloud-basierte und virtualisierte Lösungen an Bedeutung gewinnen. Mit ihnen sparen Unternehmen Kosten und Zeit. Darüber hinaus glauben wir daran, dass mobile Lösungen sich zunehmend durchsetzen werden: Laut einer Studie der IFO AG planen derzeit allein in Deutschland 74 Prozent der Mittelständler, ihre Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten auszustatten. Außerdem rechnen wir damit, dass sich der Markt demnächst konsolidieren wird. Qualitativ hochwertige HD-Lösungen werden die Konkurrenz verdrängen. Interoperabilität ist ein weiterer Trend: Ein buntes Potpourri an Lösungen unterschiedlicher Hersteller steigert die Nachfrage nach kompatiblen und einfach zu integrierenden Produkten.

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