Tate Cantrell, CTO von Verne Global
Andreas Sturm, Sales Director Central Europe bei Verne Global
ITM: Herr Sturm, warum sollten mittelständische Unternehmen Zertifizierungen für ihre Rechenzentren vornehmen lassen oder darauf achten, dass ihr RZ-Anbieter zertifiziert ist?
Andreas Sturm: Gerade in der heutigen Zeit, in der IT-Outsourcing für viele Mittelständler ein großes Thema ist, müssen die Unternehmen sich darauf verlassen können, dass ihr Dienstleister bestimmte Standards bezüglich Aufbewahrung, Ausfallsicherheit und zum Schutz von Daten erfüllt. In unserem Fall haben wir festgestellt, dass die Kriterien, die unsere Kunden an uns anlegen, von den international anerkannten ISO-Normen abgedeckt werden.
ITM: Lohnt sich der Aufwand einer Zertifizierung überhaupt?
Sturm: Aus unserer Sicht: Ja! Wir glauben, dass die Zertifizierung nach internationalen Standards eine Qualitätsgarantie für unsere Kunden ist, die unsere Gründlichkeit und Professionalität beim Betrieb unseres Rechenzentrumscampus unterstreicht.
ITM: TÜV, Eco, Blauer Engel, etc. – RZ-Zertifizierungen gibt es viele. Welche sind in ihren Augen für Mittelständler am sinnvollsten?
Sturm: Das hängt von vielen unterschiedlichen Bedingungen ab: Ort des Rechenzentrums, geschäftliche Voraussetzungen, persönliche Schwerpunktsetzung und so weiter. Wir haben für uns die Zertifizierung durch das BSI als sinnvollste erachtet.
ITM: Mit welchem Aufwand sind solche RZ-Zertifizierungen verbunden?
Sturm: Auch dies hängt von vielen Faktoren ab. Eine Zertifizierung nach ISO 27001 dauert beispielsweise im Schnitt zwischen sechs und 15 Monate, wenn im Rechenzentrum – wie in unserem Fall – sensible und geschäftskritische Daten unserer Kunden vorgehalten werden.
ITM: In welchen Zeitabständen sollte eine weitere Re-Zertifizierung erfolgen?
Sturm: Re-Zertifizierungen müssen regelmäßig durchgeführt werden, um das Zertifikat weiter zu behalten. Während dieser mehrtägigen Prüfung werden alle Erfordernisse der Zertifizierung erneut überprüft.
ITM: Herr Cantrell, jenseits von Netzangriffen und Cyberattacken: Inwiefern können die RZ-Gebäude oder Serverräume selbst Ziel von äußeren Angriffen werden?
Tate Cantrell: Die physische Sicherheit eines Rechenzentrums ist für die Betreiber entscheidend. Bei uns beginnt dies bereits am äußersten Rand der Anlage mit strikten Zutrittskontrollen, zahlreichen Sicherheitsschleusen sowie einem patrouillierenden Sicherheitsdienst. Grundsätzlich gilt von daher bereits: Ohne schriftliche Genehmigung und ohne sich auszuweisen, kommt niemand auch nur auf unser Gelände.
ITM: Wie können sich Mittelständler am besten vor solchen Vor-Ort-Angriffsversuchen schützen?
Cantrell: Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört hier bereits die Abgrenzung nach außen. Dazu gehören ein Sicherheitszaun, gesicherte Eingangstore und Videoüberwachung des direkten Umkreises. Durch diese frühen Schutzmaßnahmen können potentielle Probleme bereits früh identifiziert werden.
ITM: Welchen Stellenwert besitzt in diesem Zusammenhang die physische Zutrittskontrolle?
Cantrell: Die Zutrittskontrolle zum Rechenzentrum ist ein zentraler Aspekt der Sicherheitsmaßnahmen, um die geschäftskritischen Daten unserer Kunden zu schützen – bei diesem Punkt kann es für Rechenzentrumsbetreiber keine Kompromisse geben.
ITM: Bitte geben Sie eine Schätzung: Inwieweit sind die Zugangskontrollen zum Rechenzentrum in mittelständischen Betrieben heutzutage ausreichend?
Cantrell: Wir können nur über unsere eigenen Bestrebungen in diesem Bereich sprechen und wissen, dass wir hier durch unsere einzigartige Location auf der alten Nato-Basis in Island und die moderne Sicherheitstechnik unseres vergleichsweise jungen Rechenzentrums das Sicherheitsrisiko so weit wie möglich minimiert haben. Wie andere RZ-Provider oder mittelständische Unternehmen mit eigenen Rechenzentren hier verfahren, können wir nicht kommentieren.
ITM: Welche Sicherheits- und Authentifizierungslösungen bieten heutzutage den höchsten Schutz?
Cantrell: Videoüberwachung, Schutztüren, -zäune und Schleusen sind wichtige Bestandteile des Rechenzentrumsschutzes. Allerdings ist die tatsächliche Sicherheit die Sache jedes einzelnen Mitarbeiters. Die physikalischen Maßnahmen sind reine Werkzeuge, die erst durch den Einsatz unseres Personals zum hohen Sicherheitslevel unserer Anlage beitragen. Darüber hinaus hängt die Effektivität spezifischer Sicherheits- und Authentifizierungslösungen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.