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Plattformen mit Potenzial

Zehn Jahre Industrie 4.0 und nahezu null Produktivitätsfortschritt. Nüchtern betrachtet habe die Digitalisierung der industriellen Fertigung bislang ihr wichtigstes Ziel verfehlt, wie Michael Finkler von Proalpha im Kommentar erklärt.

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    Vor allem im Mittelstand sind viele Traditionsunternehmen in Sachen Plattformen und digitale Services noch zögerlich. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

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    „Das Gold der Digitalisierung liegt außerhalb der Fabriktore“, weiß Michael Finkler. ((Bildquelle: Proalpha))

Die Ursache dafür ist nicht zuletzt, dass Digitale Transformation im Mittelstand nicht als das verstanden wird, was sie tatsächlich ist. Es handelt sich um einen massiven Wandel, der das Fundament der Unternehmen hinsichtlich ihrer Strategie, Geschäftsmodelle, Struktur, Kultur und ihrer Prozesse langfristig umgestaltet und auf eine digitale Wirtschaft sowie zukünftige Märkte ausrichtet. Das eindimensionale Verständnis einer fabrikzentrierten Digitalisierung, also der „Klein-Klein“-Automatisierung von Shopfloor-Abläufen, greift zu kurz und macht mittelständische Fertiger gegenüber Marktverwerfungen verwundbar.

Der Markt verändert sich tiefgreifend

Diese werden im Wesentlichen durch fünf Kernelemente verursacht: durch digitale Erlös- und Geschäftsmodelle, digitale Plattformen, digitale Produkte sowie Services, höchste Kundenzentrierung und Handeln in Ökosystemen. Viele Branchen haben die Auswirkungen dieser disruptiven Kräfte bereits erfahren. Auch wenn die industrielle Fertigung bisher noch weitestgehend verschont wurde, steht sie nun im Fadenkreuz, teils mächtiger Protagonisten aus den USA oder Asien, die sich vor allem auf Plattformen und digitale Services verstehen. Eine erfolgreiche Digitalisierung muss also mehr sein als eine optimierte Produktion: Sie benötigt die unmittelbare und direkte Interaktion mit dem Markt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Um nicht verdrängt zu werden, müssen mittelständische Fertiger eine ganzheitliche Digitale-Transformations-Strategie mit Fokus auf den Markt und die Kunden entwickeln und umsetzen. Neben digitalen Erlös- und Geschäftsmodellen, Produkten und Services sind digitale Plattformen das Fundament dieser digitalen Wertschöpfung. Die Plattform verzahnt Kunde und Anbieter und macht ein markttaugliches Angebot möglich – in Form von extrem kundenzentrierten, digitalen Mehrwertdiensten und Ökosystemen. Plattformbetreiber stellen den Kundennutzen und die permanente Reduzierung von Transaktionskosten in den Mittelpunkt. Ein Großteil der bisherigen Digitalisierungsinitiativen im Mittelstand entfaltet genau diesen Kundennutzen jedoch nicht. Der Grund: Echte IIoT-Projekte müssen vom Markt her gedacht werden. Innovative digitale Produkte und Mehrwertdienste sowie neue Geschäftsmodelle und Ökosysteme auf Basis von Plattformen sind der Schlüssel zum Erfolg und generieren zusätzliche, wiederkehrende Umsatzströme. Das wahre Gold der Digitalisierung liegt außerhalb der Fabriktore!

Auf dem Weg zur Plattformökonomie

Gerade mittelständische Traditionsunternehmen tun sich in Sachen Plattformen und digitale Services schwer. Der Weg vom einfachen Betreibermodell hin zum Denken in digitalen Plattformökosystemen und digitalen Mehrwertdiensten ist ein Prozess mit disruptiven Auswirkungen für den ganzen Betrieb. Das beginnt schon mit den initialen Fragestellungen: Welche neuen Geschäftsmodelle können wir unseren Kunden anbieten? Wollen wir eine eigene Plattform aufbauen? Wie werden unsere Produkte und Services überhaupt plattformkompatibel? Diese Entscheidungen erfordern neben Kreativität eine fundierte automatisierte Datenanalyse. Der Automatisierungsgrad sollte nicht nur in der Produktion, sondern vor allem in den administrativen Prozessen intensiviert werden. Dort liegt das höchste Potenzial. Schlanke Prozesse, modulare Produkte, saubere Daten und eine hohe IT-Nutzung erfordern ebenfalls große Kraftanstrengungen. Ein intelligentes ERP-System hilft, die Grundlage dafür zu schaffen.

Der deutsche Mittelstand läuft Gefahr, hochautomatisierte Fabriken zu betreiben, aber den direkten Kundenzugang an Plattformbetreiber aus der Großindustrie und Unternehmen aus den USA oder China zu verlieren. Um dies zu vermeiden, muss der Fokus auf den Markt und damit auf Plattformen, digitale Mehrwertdienste und neue Geschäftsmodelle gelenkt werden. Nur wer diese Evolution für seine Geschäftsentwicklung antizipiert, hat die Chance, im internationalen Wettbewerb weiterhin mitzuspielen.

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