Uhrenhersteller Junghans justiert seine Geschäftsprozesse neu

Präzision im Wandel der Zeit

Der Markt für Armbanduhren splittet sich auf. Während multifunktionale Smartwatches mit ihrer Konnektivität zu Smartphones an Beliebtheit gewinnen, können gleichzeitig hochwertige Analoguhren als persönliche Identifikationsprodukte stilbewusster Uhrenträger ein steigendes Interesse verzeichnen. Um sich in der Gunst der Kunden gegen neue Wettbewerber wie Apple, Samsung oder Garmin zu behaupten, möchte Junghans mit der Cloud-basierten ERP-Plattform SAP Business ByDesign die Digitalisierung seiner Geschäftsprozesse vorantreiben und qualitativ auf eine neue Stufe heben.

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    Junghans-Geschäftsführer Matthias Stotz (li.), Leiter Entwicklung Ralf Kremann sowie der kaufmännische Leiter Tobias Hornik (re.).

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    Geschäftsführer Matthias Stotz (li.), der Leiter der Entwicklung Ralf Kremann und der kaufmännische Leiter Tobias Hornik (re.) führen das traditionsreiche Unternehmen gemeinsam in die Zukunft.

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    Das Junghans Terrassenbau Museum bietet eine spannende Zeitreise durch die Geschichte der Uhrenfertigung im Schwarzwald vom 18. Jahrhundert bis heute.

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    Für alle Teammitglieder wurde auf der Projektmanagement-Plattform Microsoft Teams ein gemeinsam entwickelter Projektplan mit Aufgabenlisten, Schulungsmaterialien, etc. zugänglich hinterlegt.

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    „Der strukturelle Unternehmensumbau, den wir 2019 gestartet haben, ist am besten mit dem Titel ‚Junghans goes digital‘ beschrieben“, erklärt Tobias Hornik.

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    „Aufgrund seiner 160-jährigen Historie ist Junghans heute weltweit das Synonym für DIE deutsche Uhr“, so Matthias Stotz.

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    „Junghans-Uhren finden ihre Käufer in einem Klientel, für die eine Uhr mehr ist als ein Instrument zur Zeitanzeige, sondern ein Identifikationsprodukt“, betont Matthias Stotz.

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    „Rein technisch betrachtet gab es keine größeren Herausforderungen, da wir uns im Vorfeld darauf geeinigt hatten, ‚alte Zöpfe‘ konsequent abzuschneiden und auf SAP-Best-Practices zu konvertieren“, so Kremann.

Die Passion für Präzision, hohes handwerkliches Können und ein anspruchsvolles Design zeichnen Uhren aus dem Hause Junghans aus. Für ein perfektes Endprodukt gehen Gestaltungs- und Konstruktionsprozesse dabei Hand in Hand. Durch eine exakte Vermaßung aller Komponenten wird eine prozesssichere Produktion und Herstellung gewährleistet. Dabei wird nicht erst die fertige Uhr einer intensiven Qualitätskontrolle unterzogen, sondern bereits in der Realisierungsphase jede einzelne Uhrenkomponente. Erst wenn alle Komponenten die Qualitätskontrollen erfolgreich durchlaufen haben, wird aus vielen Einzelteilen eine Junghans-Uhr.

Die über viele Generationen erwachsene Tradition zu bewahren, ohne sich Innovationen zu verschließen, ist eine Herausforderung, der sich auch die Uhrenfabrik Junghans stellen muss. Im Laufe der Jahrzehnte wurden nicht nur die Qualität und Ganggenauigkeit der Uhren kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert, auch die Verwaltungsprozesse, beispielsweise im Finanzwesen oder in der Beschaffung und im Einkauf, unterliegen ständigen Veränderungen. Neben Teilen, die Junghans inhouse produziert, werden Komponenten für die Herstellung der Produkte von Lieferanten weltweit gesourct, und es entstehen neue Liefer- und Wertschöpfungsketten. Als im Jahr 2019 die Support-Vereinbarung für das bisher genutzte Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) auslief, suchte Junghans nach einer skalierbaren betriebswirtschaftlichen Plattform, die es dem Unternehmen ermöglicht, schneller und agiler auf Veränderungen des Marktes zu reagieren. Die Wahl fiel auf die Cloud-basierte Mittelstandslösung SAP Business ByDesign, die mit Unterstützung der Telekom als Generalunternehmer sowie des Beratungsunternehmens Data One implementiert und für die spezifischen Anforderungen des Uhrenspezialisten konfiguriert wurde. Im Interview mit IT-MITTELSTAND berichten Junghans-Geschäftsführer Matthias Stotz, der kaufmännische Leiter Tobias Hornik sowie der Leiter für Entwicklung, Ralf Kremann, über das Projekt.

ITM: Herr Stotz, als Geschäftsführer sind Sie seit 2008 für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Wie stellt sich die Situation innerhalb der Uhrenbranche aktuell für Sie dar?
Matthias Stotz:
Mit Unternehmen wie Apple, Samsung, Garmin und einigen anderen Smartwatch-Anbietern, die ihre Wurzeln allesamt im IT-Bereich haben, haben wir seit einiger Zeit neue Marktbegleiter. Wir betrachten Smartwatches als vergleichsweise „schnelllebige“ Produkte, die ihre Kunden hauptsächlich im unteren Preissegment finden und bestenfalls günstigen Fashion-Produkten ihren Platz streitig machen. Das ist nicht unser vorrangiges Zielsegment. In gewisser Weise profitieren wir sogar von dieser Entwicklung, da Armbanduhren insgesamt wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Tatsächlich ist die Nachfrage nach hochwertigen analogen Uhren, wie wir sie anbieten, nach wie vor ungebrochen. Die Preise für Produkte innerhalb unseres Markenkerns liegen üblicherweise zwischen 700 und 2.500 Euro, Premiumuhren aus Gold oder Platin liegen in einer Preisklasse zwischen 6.000 und 16.000 Euro. Junghans-Uhren finden ihre Käufer in einem Klientel, für die eine Uhr mehr ist als ein Instrument zur Zeitanzeige, sondern ein Identifikationsprodukt, mit dem sie ihren ästhetischen Anspruch und ihren persönlichen Stil ausdrücken.

ITM: Das bedeutet, die Produktion eigener Smartwatches ist für Junghans kein Thema?
Stotz:
Eine Smartwatch ist mit ihren vielfältigen Schnittstellen, über die es Daten mit Smartphones oder anderen Endgeräten austauscht, eigentlich ein IT-Device. Es ist ein Gesundheits- und Nutzungscomputer für das Handgelenk. Ich denke, hier gibt es eine klare Trennung zur klassischen Uhrenindustrie, in der wir unsere Wurzeln haben und in der wir auch weiterhin tätig sein werden.

ITM: Welche Position nimmt Ihr Traditionsunternehmen weltweit ein?
Stotz:
Aufgrund unserer 160-jährigen Historie ist Junghans heute weltweit das Synonym für DIE deutsche Uhr. Hierzulande ist Junghans als Markenname vielen Menschen ein fester Begriff. Europaweit sind wir in nahezu allen Ländern vertreten, einen hohen Bekanntheitsgrad haben wir sicher in Nachbarländern wie Österreich, Frankreich und der Schweiz. Auch in den USA und in Japan, wo Kunden ein hohes Gespür für Präzision und Ästhetik haben, konnten wir in den vergangenen Jahren schöne Erfolge erzielen und unsere Marktposition ausbauen.

ITM: Vor welchen Herausforderungen steht die klassische Uhrenbranche und wie geht Ihr Unternehmen damit um?
Stotz:
Auch innerhalb der klassischen Uhrenbranche bietet sich ein breites Feld für Innovationen. Exemplarisch dafür steht die Weiterentwicklung der Funktechnologie. Bereits 1990 präsentierten wir die erste Funkarmbanduhr der Welt. Heute sind unsere Funkuhren in der Lage, Zeitsignale auf unterschiedlichen Kontinenten zu empfangen und zu verarbeiten. Dort auf der Welt, wo es keine Sender gibt, können wir unsere Funkuhren über eine eigenentwickelte App mit einem Smartphone verbinden und sie mit einem auf diesem Wege erhaltenen Network-Time-Protocol-Zeitsignal (NTP) exakt auf die entsprechende Zeitzone synchronisieren. Trotz der neu hinzugekommenen Synchronisationsmöglichkeit sind unsere Multifrequenz-Funksolaruhren autark – in Hinblick auf die Energie und Einstellungen. Unser technischer Leiter Ralf Kremann kann sicher noch weitere Innovationen nennen.

Ralf Kremann: Neben der Funktechnologie werden natürlich auch unsere Quartz-Solar-Werke kontinuierlich weiterentwickelt. Hier haben wir Customized-ICs entworfen, in denen bestimmte Funktionalitäten wie beispielsweise das komplette Power Management fest integriert sind. Die ICs werden bei Partnern gefertigt, die Schaltungsentwicklung, Software-Entwicklung und die Entwicklung der zugehörigen Prüftechnik passiert hier bei uns in Schramberg. Darüber hinaus sehen wir in der Solartechnik oder rund um das Thema „NFC“ weiteres Entwicklungspotenzial.

Stotz: Wie Sie sehen, sind uns handwerkliches Können, verbunden mit einer Liebe zum Detail, wichtig. Wir möchten, dass der Kunde das spürt. Eine Junghans-Uhr muss für ihren Träger ein persönlicher Gegenstand sein, mit dem er sich mit jedem Blick auf die Uhr identifiziert und der ihn über viele Jahre begleitet. Das Design unserer Meisteruhren oder die Bauhaus-Klassiker der Produktlinie „Max Bill“ haben inzwischen einen gewissen Kultstatus erreicht. Unsere Kernaufgabe besteht darin, beim Kunden die gleiche Leidenschaft für klassische Uhren zu wecken, die uns antreibt.

ITM: Herr Hornik, als kaufmännischer Leiter bei Junghans haben Sie bereits kurz nach Ihrem Einstieg in das Unternehmen im Jahr 2019 das Projekt „ERP-Umstellung“ initiiert. Was hat Sie dazu veranlasst?
Tobias Hornik:
Der strukturelle Unternehmensumbau, den wir 2019 gestartet haben, ist am besten mit dem Titel „Junghans goes digital“ beschrieben. Zwar ist die ERP-Umstellung „das“ zentrale Element dieses Projekts, unsere Pläne und Vorstellungen gehen aber weit darüber hinaus. Im Mittelpunkt steht dabei die Verbesserung der Kommunikation in allen ihren Facetten. Das betrifft die internen Kommunikationswege, angefangen bei der Implementierung einer modernen Telefonanlage, bis hin zu einer spürbaren Erhöhung der Geschwindigkeit der Internetverbindungen. Wir haben unseren Stammsitz nun einmal mitten im Schwarzwald, und Glasfasernetze, wie sie in Metropolregionen wie Stuttgart selbstverständlich sind, findet man hier eher selten. Gleichzeitig wollen – und müssen – wir allerdings auch die kundenorientierten Kommunikationskanäle, sprich Social Media, Webseite, Webshop, etc., die kontinuierlich an Bedeutung gewinnen, ausbauen und qualitativ weiterentwickeln.

ITM: Welche IT-Infrastruktur haben Sie vorgefunden?
Hornik:
Das bisherige ERP-System lief als führende Applikation in einer vergleichsweise veralteten Serverlandschaft. Im Laufe der Jahre wurden vielfache Anpassungen an spezifische Geschäftsprozesse – teilweise bis auf Ebene des Quellcodes – durchgeführt. Daraus resultierte ein enormer Aufwand bei Updates und Release-Wechseln, der sich in hohen Servicekosten widerspiegelte. Als der Support-Vertrag mit einem externen Dienstleister auslief und wieder einmal eine Preiserhöhung im Raum stand, entschieden wir uns für einen harten Schnitt, sprich für eine komplette Neustrukturierung unserer ERP-Landschaft.

ITM: Welche – aus kaufmännischer Sicht – bestehenden Defizite wollten Sie beseitigen und in welchen Bereichen wollten Sie die Zukunftsfähigkeit des Systems sicherstellen?
Hornik:
Im gesamten Finanzwesen existierten viele manuelle und damit ineffiziente Abläufe, beispielsweise im Mahnwesen, bei Gutschriften oder Spesenabrechnungen. Bei der Beschaffung gab es langwierige Freigaben, da Bestellungen und Rechnungen teilweise mit Unterschriften auf Papierdokumenten genehmigt werden mussten. Neben der Beseitigung dieser Defizite sollte das neue System unbedingt auch E-Commerce unterstützen und uns ein hohes Maß an Agilität erlauben, wenn es bei der Beschaffung um die Einrichtung und Gestaltung von Lieferketten geht.

ITM: Welche weiteren Kriterien gab es und wie verlief die Auswahl des neuen Enterprise-Resource-Planning-Systems?
Hornik:
Um hohe Investitionen für die Anschaffung und den Betrieb neuer Hardware zu vermeiden und gleichzeitig eine hohe Kostentransparenz zu erhalten, haben wir bereits im Vorfeld festgelegt, dass wir uns für eine Cloud-Lösung entscheiden. Was den Auswahlprozess als solchen betrifft, so haben wir diesen unter dem Motto „Betroffene zu Beteiligten machen“ demokratisiert. Künftige Key-User waren im Auswahlgremium ebenso vertreten wie IT-Techniker und Kaufleute. Im Vergleich der vier von den jeweiligen Anbietern – Sage, Microsoft, zwei SAP-Anwendungen – persönlich vorgestellten ERP-Pakete konnte sich die Mittelstandslösung SAP Business ByDesign nicht nur unter funktionalen, sondern auch unter Kostenaspekten mit breiter Mehrheit durchsetzen.

ITM: Gab es auch so etwas wie eine ROI-Betrachtung?
Hornik:
Um das finale „Go“ für unser Projekt zu erhalten, benötigten wir natürlich auch die Freigabe seitens unserer Gesellschafter. Parallel zum Auswahlprozess haben wir deshalb einen Capital Appropriation Request (CAR) gestellt, den wir – nachdem die Entscheidung zugunsten von SAP gefallen war – immer weiter konkretisieren konnten. Aufgrund hoher Einsparungen bei Support und Verwaltung, bei gleichzeitiger Steigerung der Prozesseffizienz und einer spürbaren Verbesserung der Customer Journey, amortisierten sich die Kosten laut unseren Kalkulationen in weniger als fünf Jahren. Einer Projektfreigabe seitens der Shareholder stand somit nichts mehr im Wege.

ITM: Wie sind Sie an das Projekt herangegangen?
Hornik:
Der Startschuss fiel am 6. Juli 2020 mit der Vorgabe, die ERP-Umstellung zeitgleich zum Ende des Geschäftsjahres am 31. Dezember 2020 zu realisieren. In einem ersten Schritt wurde ein Team aufgestellt, in dem neben mir als Koordinator und Ralf Kremann als Projektleiter auch mehrere fest zugeordnete Spezialisten des Implementierungspartners Data One sowie vier unserer Key-User involviert wurden, die über langjährige betriebswirtschaftliche Erfahrungen verfügten. Als Projektmanagement-Plattform wurde Microsoft Teams ausgewählt. Dort wurde ein gemeinsam entwickelter Projektplan mit den zugehörigen Aufgabenlisten, Schulungsmaterialien, etc. für alle Teammitglieder zugänglich hinterlegt. Anschließend begannen unsere Key-User gemeinsam mit den Experten des Beratungsunternehmens mit der Umsetzung unserer Geschäftsprozesse. Erklärtes Ziel war es, die Junghans-Prozesse im Finanzwesen sowie in den Bereichen „Beschaffung“ und „Einkauf“ in die in SAP Business ByDesign vorgegebenen Strukturen zu konvertieren und proprietäre Anpassungen weitestgehend zu vermeiden. Eine Ausnahme bildete ausschließlich der Service, an den in der Uhrenbranche spezielle Anforderungen gestellt werden, die so nicht von der SAP-Lösung abgebildet werden.

ITM: Mit welchen Herausforderungen technischer oder organisatorischer Art wurden Sie bei der Projektumsetzung konfrontiert?
Kremann:
Rein technisch betrachtet gab es keine größeren Herausforderungen, da wir uns ja im Vorfeld darauf geeinigt hatten, „alte Zöpfe“ konsequent abzuschneiden und auf SAP-Best-Practices zu konvertieren. Auch die Migration von Stammdaten erfolgte vergleichsweise problemlos. Ein gewisser Mehraufwand resultierte daraus, dass wir Daten nicht nur migrieren wollten, sondern gleichzeitig eine Verbesserung der Datenqualität anstrebten. Da ging es beispielsweise darum, Formulare, wie wir sie bei Rechnungen oder Kostenvoranschlägen verwendeten, kundenfreundlicher zu gestalten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Hornik: Auch bei der Einbindung unserer Webseite und des Webshops waren Anpassungen notwendig, die programmiert wurden. Zu diesem Zweck mussten auch Mitarbeiter unserer Werbeagentur temporär in das Projektteam integriert werden, um gemeinsam mit den SAP-Spezialisten von Data One neue Strukturen zu entwickeln. Hier gab es eine Situation, in der ursprünglich geplante Vorgehensweisen revidiert werden mussten. Durch intensive Kommunikation haben wir allerdings auch hier eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung gefunden. Tatsächlich ging der neu überarbeitete Junghans-Webshop wie geplant am 1. Januar 2021 in Betrieb. Als erster Kunde habe ich dort eine Uhr erworben, die ich heute als Erinnerungsstück an diesen Tag trage.

ITM: Was ist – Stand heute – der aktuelle Projektstatus und welche konkreten Verbesserungen resultieren aus der ERP-Umstellung?
Hornik:
Seit Ende 2020 arbeiten die Nutzer mit SAP Business ByDesign. Dank einer einheitlichen Datenbasis erstellen wir in der Finanzabteilung unsere Monatsabschlüsse heute doppelt so schnell wie früher. Und auch die Mahnläufe nehmen weniger Zeit in Anspruch. Alle Transaktionen im ERP-System unterliegen dem Vier-Augen-Prinzip, sodass sich Compliance-Vorgaben einfacher umsetzen lassen – ein Vorteil insbesondere für die jährliche Wirtschaftsprüfung. Desweiteren erhält das Controlling einen besseren Überblick über alle wichtigen KPIs und kann Reportings in Echtzeit erstellen. Möglich macht dies die sogenannte Single Source of Truth: Anders als früher liegen die Geschäftsdaten nicht mehr in zahlreichen verteilten Datensilos, sondern zentral in einer SAP-Hana-Datenbank. Auch Materialanforderungen konnten vereinfacht werden. Früher musste der Uhrmacher manuell einen Anforderungsschein schreiben, von seinem Vorgesetzten abzeichnen lassen und dann an den Einkauf weiterleiten. Dieser Beschaffungsprozess erfolgt heute schneller und transparenter in Form eines digitalen Workflows. Als positiver Nebeneffekt konnte der Papierverbrauch um rund 30 Prozent reduziert werden.

ITM: Gibt es konkrete Pläne für die Weiterentwicklung der neuen ERP-Plattform?
Kremann:
Wir lernen SAP Business ByDesign von Tag zu Tag besser kennen und mehr zu schätzen. Das System hat unseren Ehrgeiz geweckt, Prozesse kontinuierlich besser und innovativer zu gestalten. Ein Beispiel ist die Lagerlogistik: Obwohl hier alles problemlos läuft, möchten wir gerne einen Schritt weiter gehen und ein mobiles Warehouse Management implementieren. Da es ein solches Modul von SAP nicht gibt, arbeiten wir gemeinsam mit der Telekom und Data One daran, die Lösung eines Drittanbieters an SAP Business ByDesign anzupassen. Sollten wir erfolgreich sein, könnte eine solche Lösung sicher auch andere Anwender interessieren. Potenzial für Weiterentwicklungen sehen wir darüber hinaus im Qualitätsmanagement und bei der Optimierung der EDI-Anbindung, die für Großkunden heute ein „must have“ ist.

Hornik: Ein Zukunftsprojekt, das längerfristig angelegt ist und uns voraussichtlich die kommenden ein bis zwei Jahre beschäftigen wird, ist eine ständige Verbesserung unserer Webpräsenz. Mithilfe eines modernen Product Information Management (PIM) möchten wir unseren Kunden eine eindrucksvolle Customer Journey bieten, wie sie sie bei keinem anderen Uhrenhersteller finden. Das gilt für die Art der Produktpräsentation genauso wie für den Informationsgehalt.

Stotz: Für Sammler von Junghans-Uhren ist unser digitales Archiv historischer Modelle ein wertvolles Tool. In einem nächsten Schritt gilt es, unseren Handelspartnern eine noch bessere Plattform für Ersatzteile, sowohl für aktuelle als auch für historische Modelle, zu bieten.

ITM: Wie beurteilen Sie rückblickend die Zusammenarbeit mit Ihren Projektpartnern?
Hornik:
Am Anfang waren es Anbieter und Lieferanten, die im Laufe des Projekts zu strategischen Partnern wurden. Die Telekom hat uns Ansprechpartner zur Verfügung gestellt, die uns bei Bedarf auch heute noch schnell und unbürokratisch zur Verfügung stehen – entweder hier vor Ort oder in Form gemeinsamer Videokonferenzen. Auch Data One ist heute ein echter Partner auf Augenhöhe. Ich denke, die Beziehung zwischen Junghans und dem Beratungsunternehmen ist eine Win-Win-Situation. Wir haben sicher enorm vom Know-how, über das Data One verfügt, profitiert. Im Gegenzug ist – so denke ich – das Unternehmen auch an uns gewachsen. Wir haben gemeinsame Erfahrungen gemacht und wir haben uns gegenseitig weiterentwickelt. Exemplarisch dafür steht das Projekt „Mobile Warehouse Management“, bei dem wir gemeinsam Neuland betreten haben.

Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG

Gegründet bereits im Jahr 1861 im Baden-Württembergischen Schramberg zählt Junghans zu den Pionieren der Uhrenbranche. 1903 beschäftigte das Unternehmen bereits mehr als 3.000 Mitarbeiter und war zu diesem Zeitpunkt größter Uhrenhersteller der Welt. Die Entwicklung hochpräziser Werke machte das Traditionsunternehmen 1956 zum weltweit drittgrößten Chronometer-Hersteller. 1961 zum 100-jährigen Jubiläum wurden mit 6.000 Mitarbeitern und 10.000 Maschinen täglich 20.000 Uhren aller Art produziert, die in 100 Länder exportiert wurden. Heute umfasst das exklusive Produktspektrum hochwertige Armbanduhren für Damen und Herren sowie Tisch- und Wanduhren, die sich nicht nur durch ihre innovative Technologie, sondern auch durch ihr klassisch-zeitloses Design auszeichnen. Junghans fertigt nach wie vor an seinem Stammsitz Schramberg und beschäftigt dort aktuell rund 110 Mitarbeiter, die im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von ca. 22 Mio. Euro erwirtschafteten.

Matthias Stotz
Alter: 52 Jahre
Familienstand:
verheiratet,
eine Tochter
Abschluss: Uhrmachermeister
Derzeitige Position: Geschäftsführer

Ralf Kremann
Alter: 53 Jahre
Abschluss: Dipl.-Ing. (FH) Elektrotechnik, MBA
Derzeitige Position: Leiter Entwicklung, Produktionssteuerung, Vorrichtungsbau

Tobias Hornik
Alter: 38 Jahre
Familienstand: verheiratet
Abschluss: Dipl. Betriebswirt (BA)
Derzeitige Position: Kaufmännischer Leiter

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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