Dass es für Digitalisierungsprojekte unzählige deutsche und europäische Fördertöpfe gibt, wissen erstaunlich wenige Unternehmen.
Um den Technologiestandort „Deutschland“ zu stärken, gibt es seit 2020 die steuerliche Forschungsförderung für Unternehmen – kurz: Forschungszulage. Diese ist neben den bisherigen Zuschüssen, zinsvergünstigten Darlehen, öffentlichen Bürgschaften und Beteiligungen, die der Staat bereitstellt, besonders interessant. Immerhin winken hier bis zu 1 Mio. Euro pro Jahr. Dummerweise wissen vor allem mittelständische Firmen oft nicht einmal, dass es dieses lukrative Finanzierungsinstrument gibt. Dabei ist jedes Vorhaben, das die F&E-Kriterien des Bundes erfüllt, anspruchsberechtigt – und darunter fallen gerade in der IT eine Menge Projekte.
Ob Automatisierungsprojekt, Lösungen für eine verbesserte Energieeffizienz von Soft- und Hardware oder die Entwicklung ressourcenschonender Prozesse, Komponenten und Materialien – mit der Forschungszulage werden die vielfältigsten Verfahren, Künstliche-Intelligenz-Entwicklungen (KI), Qualitätsoptimierungen und Prototypen bezuschusst. Beispiele hierfür kann die Beratungsfirma Leyton Deutschland zuhauf liefern. Deren Consultants unterstützen Unternehmen bei der aufwändigen Antragstellung der Forschungszulage. Seit Einführung haben sie allein für ihre Kunden aus dem IT-Umfeld etliche Förderungen erwirkt – so geschehen für eine KI-gestützte Online-Plattform, die ähnlich wie ein Dating-Portal weltweite Spezialdienstleister identifiziert und mit nachfragenden Unternehmen vernetzt.
Ebenso werden die Personalkosten eines IT-Dienstleisters bezuschusst, der zum Schutz seiner Geschäftskunden vor Cyberattacken jährlich gut 200.000 Euro in die Weiterentwicklung von IT-Security-Lösungen investiert. Auch im Straßenbau hält die Digitalisierung Einzug – und wird mit der Forschungszulage gefördert – beispielsweise die Entwicklung „digitaler Baustellenzwillinge“. Per Computer kann so zukünftig bestimmt werden, wann, von wo und durch wen eine Baustelle am effizientesten beliefert werden kann. Um Anlieferungen kostenoptimiert und ressourcenschonend zu planen, werden dafür historische Daten, Wetterprognosen, Verkehrsdaten und Informationen über die nächstgelegenen Baustofflieferanten miteinander verknüpft.
Die Liste der genehmigten Anwendungen ließe sich ewig fortsetzen. Werden derartige Projekte bewilligt, finanziert die Forschungszulage 25 Prozent der Personalkosten und 15 Prozent der externen Aufwendungen – bis zur Höhe der erwähnten 1 Mio. Euro jährlich. Und das nicht nur für geplante Projekte, sondern auch für laufende und nach dem 2. Januar 2020 bereits abgeschlossene. Umso erstaunlicher, dass eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zwar einen Anstieg der antragstellenden Unternehmen dokumentiert. Über alle Branchen hinweg wurden bisher jedoch erst 10 Prozent der jährlich budgetierten 2,5 Mrd. Euro in Anspruch genommen. Am stärksten macht sich der Maschinen- und Anlagenbau die Gelder zunutze. Dabei haben IT- und Internet-of-Things-Projekte (IoT), smarte Infrastrukturen und KI-gesteuerte Umgebungen große Chancen auf Genehmigung.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Branchenübergreifend liegt die Bewilligungsquote immerhin bei 76 Prozent. Das sollte Motivation genug sein, Fördermittel dieser Größenordnung zu beantragen. Dass dies noch nicht im gewünschten Maße der Fall ist, begründet die Studie auch mit Unsicherheiten vonseiten der Unternehmen und mit fehlenden personellen Ressourcen für die Antragstellung. Wer wenig oder keine Erfahrung mit der F&E-Förderung hat, scheut möglicherweise die bürokratischen Hürden der Antragstellung. Das ist vor allem bei kleinen und mittelständischen Organisationen der Fall, deren Mitarbeiter voll ins operative Geschäft eingebunden sind. Sie sind es jedoch, die die staatliche Unterstützung am dringendsten brauchen, um sich Forschung und Entwicklung langfristig leisten zu können. Gerade in diesen Unternehmen fehlt es zudem oft am Bewusstsein, dass Investitionen überhaupt als Forschungs- oder Entwicklungsprojekte geltend gemacht werden können. Wer keine eigene Forschungsabteilung betreibt, denkt oft gar nicht, dass solche Vorhaben förderfähig seien. Ihnen sei explizit gesagt: Förderung bedingt keine eigene Forschungsabteilung.
Eine Empfehlung der Studie lautet: „Im Sinne von Wettbewerbsfähigkeit und künftigem Wachstum sollten jetzt alle Stellschrauben genutzt werden, die für eine möglichst breite Inanspruchnahme der Forschungszulage nötig sind.“ Das sollten IT-Verantwortliche, Projektmanager, Entwickler und Forschungstreibende als Aufruf verstehen und sich von Unsicherheiten und personellen Engpässen freimachen. Schließlich gibt es Beratungshäuser, die darauf spezialisiert sind, die Förderfähigkeit eines Projekts zu erkennen und die alle notwendigen Stellschrauben zur erfolgreichen Antragstellung kennen. Nur etwa drei Stunden zeitlicher Aufwand liegen dann beim Kunden, den Rest übernehmen die Profis. Ihnen gelingt die Genehmigung der Fördergelder oft sogar rückwirkend für bereits abgeschlossene Forschungsprojekte. Vergütet wird üblicherweise im Erfolgsfall. Vom zeitraubenden Papierkram befreit und ohne finanzielles Risiko gibt es damit keinen erkennbaren Grund, warum Unternehmen die staatliche Förderung nicht beantragen sollten. Also ran an den Topf und bis zu 1 Mio. Euro für IT-Forschung und -Entwicklung abschöpfen!
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