ReactOS sucht Unterstützer per Crowdfunding
Neuer Versuch, neues Glück: Die noch in den Anfängen steckende Open-Source-Version von Windows mit dem Namen ReactOS sucht zurzeit mit einer Crowdfunding-Kampagne nach Unterstützern. Denn daran mangelt es der binärkompatiblen Alternative zu Windows XP.
Das ReactOS-Projekt will mit einer Spendenkampagne über Indiegogo eine spezielle Community Edition finanzieren. Wer sich am Crowdfunding beteiligt, kann sich eine Anwendung wünschen, die unter ReactOS laufen soll.
Das Ziel der Kampagne ist die Einnahme von 50.000 US-Dollar. Allerdings dürfen die Entwickler das Geld behalten, auch wenn das Ziel nicht erreicht wird. Mit den Einnahmen soll unter anderem die demnächst anstehende Version 0.4 des XP-Klons finanziert werden.
Bisher hat das Projekt noch nicht so richtig abgehoben und scheint auf ein eher geringes Interesse zu stoßen. Dabei gibt es durchaus Bedarf für einen weiter gewarteten und stabilen XP-Ersatz. Eine Vielzahl an IT-Installationen kommt ohne ein Windows XP nicht aus.
Ein typisches Beispiel sind ältere Versionen von Geschäftsanwendungen, die ein Unternehmen nicht ersetzen will - oder kann, weil der Hersteller gar nicht mehr existiert. In vielen Fällen wäre es unwirtschaftlich, diese Software auszutauschen. Also leben die Unternehmen mit der Tatsache, dass Windows XP von Microsoft nicht mehr unterstützt wird.
Ein weiterer möglicher Einsatzbereich sind ältere, weniger leistungsfähige Rechner. Wer vor einem halben Jahrzehnt einen kostengünstigen Computer erstanden hat, besitzt heute ein prinzipiell immer noch recht leistungsfähiges Gerät. Solide Hardware vorausgesetzt, könnte es sicher noch einige Jahre funktionieren.
Doch häufig sind solche Computer viel zu mager ausgestattet für aktuelle Betriebssysteme und Anwendungen. Diese Probleme mit alten Geräten betreffen aber nicht nur Privatleute. Auch manches kleinere Unternehmen überlegt es sich dreimal, "schon wieder" neue Computer anzuschaffen.
Selbst in Konzernen sind die Austauschzyklen für Client-Systeme häufig auf einen Fünfjahresrhythmus eingestellt. Da erstaunt es nicht, in den weniger finanzkräftigen mittelständischen Unternehmen auch schon mal auf zehn Jahre alte Rechner zu treffen. Solche Installationen sind wie geschaffen für den Einsatz von ReactOS.
Auch auf moderneren Geräten muss es nicht immer die neueste Windows-Version sein, die zu viel funktionalen "Overload" für einen Wald-Und-Wiesen-Einsatz mitbringt. So ist durchaus möglich, für kleines Geld arbeitsfähige PC zu bauen, die sich in allen Komponenten am untersten Rand der Hardware-Leistung bewegen.
Solche Systeme reichen als reiner Büro-PC vollkommen aus, wirken aber vor allen Dingen mit den überladenen Büropaketen neuester Generation recht träge. Unter ReactOS könnten solche Sparsysteme deutlich besser gegenüber einem hochwertigen System bestehen.
Es gibt also ausreichend Gründe, ReactOS zu unterstützen und sich zu wünschen, dass es im Client-Bereich eine praktikable Alternative zu Windows gibt. Linux ist zwar auch als Desktop-System geeignet, fühlt sich für die meisten Leute aber deutlich nerdiger und komplizierter an als das bekannte Windows.
Bei dem interessanterweise in vielen technischen Installationen immer noch eingesetzten MS-DOS gibt es eine solche praktikable Alternative: Der Open-Source-Nachbau FreeDOS. Der ist so erfolgreich, dass er sogar für die Unterstützung neuester Technologien weiterentwickelt wurde, zum Beispiel 2-Terabyte-Festplatten.
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