Lokale Speicherlösung statt Cloud-Services

Rechenpower für Manga-Helden

Bei AV Visionen trifft Kreativität auf leistungsfähige IT. Das Berliner Unternehmen erstellt und vertreibt japanische Animes und Mangas im deutsch-sprachigen Raum. Das im Markt bekannte Label, unter dem dies geschieht, heißt Kazé. 2019 wurde das Unternehmen von Crunchyroll übernommen, das wiederum vor Kurzem von Sony gekauft wurde. Damit gehört AV Visionen jetzt zu einem der größten Anime-Anbieter weltweit.

  • Lokale Speicherlösung statt Cloud-Services

    „Es ist natürlich eine unglaublich tolle Sache, dass man nur eine Hardware mit den entsprechenden Festplatten kaufen muss, und dann beliebig viele Rechner sichern kann“, so Roman Thiel.

  • Lokale Speicherlösung statt Cloud-Services

    „Es ist schon ein Trauerspiel, dass kein lokaler Anbieter – egal welcher – es hinbekommt, uns die ausreichende Bandbreite bereitzustellen. Und das mitten in Berlin“, meint Thiel.

  • Lokale Speicherlösung statt Cloud-Services

    „Wenn man Geld sparen möchte, sucht man sich ja nicht unbedingt einen Cloud-Anbieter aus Deutschland, sondern im Ausland, wo die Kosten anders sind“, sagt Thiel.

  • Lokale Speicherlösung statt Cloud-Services

    Corona-bedingt fährt Roman Thiel aktuell nicht täglich ins Büro, sondern erledigt den Hauptteil seiner Arbeit von zu Hause aus.

  • Lokale Speicherlösung statt Cloud-Services

    „Es stimmt natürlich, dass die Cloud Flexibilität bietet. Aber das ist für uns nicht relevant. Wir haben keine Fluktuation, sondern stetiges Wachstum“, betont Roman Thiel.

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    „Wenn man die Möglichkeit hat, sich selbst einen Schrank mit Speichergeräten hinzustellen, dann würde ich immer zum Selbst-Hosting tendieren“, so Thiel.

Das Unternehmen bekommt die Zeichentrickfilme – also Animes – als Rohdaten aus Japan. Darunter gibt es Serien, die innerhalb weniger Tage komplett bearbeitet werden, damit diese gleichzeitig in Deutschland und Japan gesendet werden. Das erfordert stressresistente Mitarbeiter und eine funktionsfähige IT, die mit stetig wachsenden Datenmengen umgehen kann. Im Interview erklärt der verantwortliche IT-Manager Roman Thiel, wie er u.a. mithilfe von Synology-Technik diese Herausforderung bewältigt, wieso vor gar nicht allzu langer Zeit Festplatten per Luftpost verschickt wurden und warum er nur wenig von der Cloud hält.

ITM: Herr Thiel, welche Rolle spielt die IT in Ihrem Unternehmen?
Roman Thiel:
Da wir mit digitalen Medien arbeiten, hat die IT eine zentrale Rolle. Ich sehe unsere IT-Abteilung als stillen Dienstleister in der Firma. Wir sind Dienstleister für die Mitarbeiter. Die Mitarbeiter sehen ihr Frontend und bekommen von der Infrastruktur, die sich dahinter befindet, nichts mit. Damit beschäftigt sich der größte Teil unserer Arbeit. Wir gewährleisten, dass unsere Kollegen die Daten bearbeiten können und dass diese immer verfügbar sind. Das können Office-Dokumente genauso wie große Videodateien sein, die direkt aus Japan kommen. Es sind eine Menge Daten.

ITM: Können Sie uns eine Vorstellung von diesen Datenmengen geben?
Thiel:
Die größten Daten sind die Video-Files. Das können schon mal mehrere Gigabyte pro Folge sein. Da eine Serie mehrere Folgen und Staffeln hat, kommt da einiges an Daten zusammen. Und wir bearbeiten viele Serien parallel. Das summiert sich dann schon schnell auf über 1.000 Terabyte.

ITM: Was ist die Herausforderung?
Thiel:
Wir arbeiten unter großem zeitlichen Druck. Manche Serien werden zeitgleich in Japan und in Deutschland gesendet. Wir haben aber nur zwei Tage Vorlauf. Das bedeutet: Innerhalb von zwei Tagen müssen die Daten heruntergeladen, übersetzt und untertitelt werden. Und wir bearbeiten mehrere Serien parallel. Das Herunterladen der Dateien muss dann wirklich in zwei oder drei Stunden erledigt sein. Es ist noch gar nicht so lange her, dass das nicht möglich war.

ITM: Was meinen Sie damit?
Thiel:
Früher haben wir die Festplatten per Postversand verschickt, weil der Uplink nicht vorhanden war. Das war natürlich schwierig, weil der Postweg von Japan nach Deutschland eben ein paar Tage, wenn nicht gar Wochen braucht – je nachdem, ob es Luftfracht ist oder per Schiff verschickt wird.

ITM: Das klingt nicht nach dem 21. Jahrhundert. Wie lange ist das her?
Thiel:
Das ist wie gesagt leider noch gar nicht so lang her. Wir haben vor drei Jahren Glasfaser bekommen mit einem Gigabit. Doch wir sind schnell an dieses Limit gekommen. Das war absurd. Wir hatten zwar plötzlich fast 1.000 Mal schnelleres Internet, doch nach einem halben Jahr war das Ding voll. Dann brauchten wir zehn Gigabit, was schwierig war. Wir sind dann glücklicherweise mit einem Unternehmen in Kontakt gekommen, das auch die Blogger-Konferenz Re:publica und den Chaos Computer Club bei seinen großen Veranstaltungen mit Netz versorgt. Und dieses Unternehmen hat uns eine Richtfunkantenne in Richtung Fernsehturm auf dem Dach installiert. Das war im Februar 2020. Wir haben nun zehn Gigabit Uplink. Damit lassen sich schon ordentlich Daten hin- und herschieben. Aber es ist schon ein Trauerspiel, dass kein lokaler Anbieter – egal welcher – es hinbekommt, uns die ausreichende Bandbreite bereitzustellen. Und das mitten in Berlin.

ITM: Das heißt aber auch, dass Sie mit einem rasanten Datenwachstum zu kämpfen haben.
Thiel:
Ja, das ist richtig. Die Auflösungen wachsen an. Beim Streaming ist Full-HD schon der Standard. Wir verkaufen unsere Serien ja u.a. an Netflix und Amazon Prime. Zu denen kann man nicht sagen: „Wir schicken euch eine Festplatte.“ Man bekommt einen Upload-Link und lädt dann viele Terabyte hoch – in ein oder zwei Tagen. Das ist spannend, aber davon bekommen die Mitarbeiter wenig mit. Zum Glück gibt mir die Geschäftsführung aber auch freie Hand. Ich kann mit der Technologie arbeiten, die ich für richtig halte. Hauptsache, es klappt und die Kosten explodieren nicht. Aber aufgrund des Datenwachstums ist es schwierig, langfristig zu planen.

ITM: Stichwort „Speicher“: Sie nutzen in diesem Bereich u.a. Technologie von Synology.
Thiel:
Ja, das hat vor mehr als zehn Jahren begonnen, als wir unser erstes NAS-System installiert haben. Ich hatte vorher verschiedene Systeme ausprobiert, aber das Konzept von Synology war am attraktivsten. Die Oberfläche ist auf allen Geräten gleich. Man kann alles installieren, alles aktivieren. Limits setzt nur die Hardware. Der Vorteil ist, dass man selbst bei einem kleinen Gerät alle Profi-Tools nutzen kann – wie z.B. virtuelle Maschinen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Wie ging es dann weiter?
Thiel:
Am Anfang hatten wir nur ein kleines Gerät, das auf dem Schreibtisch stand. Zwei oder drei Monate später waren es zwei Geräte mit mehreren Festplatten. Und dann wurden alle zwei, drei Jahre neue Geräte geholt. 2014 haben wir dann das erste Rack angeschafft. Und so ging es immer weiter, bis wir nach vier oder fünf Jahren an das Speicherlimit von Synology kamen. Dann sind wir auf eine andere Hardware umgestiegen. Wir setzen jetzt vor allem auf die Software, die Synology anbietet, weil die sehr mächtig ist.

ITM: Welche Software ist das?
Thiel:
Eine ganze Menge. Was wir z.B. sehr gerne nutzen, ist Active Backup for Business, um die Rechner zu sichern. Der große Vorteil: Es ist lizenzfrei. Das ist natürlich eine unglaublich tolle Sache, dass man nur eine Hardware mit den entsprechenden Festplatten kaufen muss, und dann eine große Anzahl von Rechnern sichern kann. Wir verwenden Synology auch, um die virtuellen Maschinen sichern zu können. Außerdem haben wir auch die Lösung Chat im Einsatz.

ITM: Wofür?
Thiel:
Unser Betriebsrat kommuniziert sehr viel über Chat. Da wir mittlerweile zu einem amerikanischen Unternehmen gehören, ist zwar Slack als Standard definiert worden. Doch Slack ist nicht verschlüsselt. Das heißt, rein theoretisch könnte ein Admin in die Kommunikation hineinsehen. Das ist natürlich bei persönlichen Gesprächen, gerade wenn man Betriebsrat ist, aus Datenschutzgründen ein bisschen problematisch. Daher gab es die Entscheidung, eine zweite Chat-Software zu nutzen, bei der man eine Verschlüsselung aktivieren kann. Das bedeutet, dass den Mitarbeitern zwei Chats zur Verfügung sehen. Es gibt einen offiziellen Chat, den sie benutzen, um sich bei Projekten mit amerikanischen Kollegen auszutauschen. Der interne Chat wird dagegen für interne Dinge verwendet, die nicht unbedingt nach außen kommuniziert werden sollen. Es gibt aber noch eine weitere Software, mit der wir aus Datenschutzgründen arbeiten.

ITM: Und die wäre?
Thiel:
Für das Bearbeiten von Dokumenten nutzen wir normalerweise Google Docs. Doch es gibt Dokumente, die nicht in der Cloud geteilt werden sollten. Und bei Google Docs kann ja ebenfalls theoretisch jeder mitlesen. Das Collaboration-Paket von Synology bietet auch eine Office-Variante – eine abgespeckte Version, die aber völlig ausreicht. Diese nutzen wir für vertrauliche Dokumente, die dann auf unserem eigenen NAS-System gespeichert werden.

ITM: Gibt es weitere Technologie von jenem Anbieter, die bei AV Visionen im Einsatz ist?
Thiel:
Wir nutzen Synology auch als File-Server. In unserem Rechenzentrum steht ein Gerät, auf das weltweit Sachen hoch- und herunterladen werden. Der Dienstleister bietet dafür praktische Funktionen. Wenn Mitarbeiter Dateien untereinander austauschen möchten, können sie einfach Upload- oder Download-Links verschicken. Man muss dies also nicht per FTP-Server machen. Das ist sehr innovativ. Und dann nutzen wir Synology noch als normale Speicher-Software, weil wir viele Snapshots machen.

ITM: Warum setzt AV Visionen in so vielen Bereichen auf jenen Anbieter?
Thiel:
Wie schon erwähnt ist ein großer Vorteil, dass die Software lizenzfrei ist. Man muss nicht mehrere 100 Euro bezahlen wie bei anderen Anbietern. Dazu kommt, dass die Software problemlos funktioniert und innovativ ist. Es gibt auch viele spannende Features. Manchmal lassen sich auch Dinge machen, die gar nicht vorgesehen waren. Außerdem kümmert sich der Anbieter um seine Produkte und stellt regelmäßig Patches sowie Updates bereit.

ITM: Was meinen Sie denn mit Dingen, die nicht vorgesehen waren?
Thiel:
Ein Backup macht ja einen kompletten Snapshot von einem Rechner und wenn man einen Rechner wiederherstellen möchte, lädt man eine ISO-Datei. Diese Datei haben wir in eine virtuelle Maschine geladen, um die physikalische Maschine und das Backup in der virtuellen Maschine wiederherzustellen. Das hat gut funktioniert. Hintergrund war, dass der Laptop einer Mitarbeiterin kaputt war und wir kein Austauschgerät zur Verfügung hatten. Mit Synology konnten wir ihren Laptop in der virtuellen Maschine wiederherstellen. Sie hat sich dann per Remote-Desktop von einem Rechner aufgeschaltet. Das war schon toll.

ITM: Wir haben über das rasante Datenwachstum gesprochen. Ist denn das Thema „Speicher“ bei Ihnen eine Herausforderung?
Thiel:
Man muss dabei eines hervorheben: Wir haben eine Grafikabteilung und wir kümmern uns auch um das Codieren der Videos. Andere Firmen lagern das aus und arbeiten ohne eigene Grafikabteilung. Sie nutzen aber auch keine eigenen Server, sondern speichern die Daten in der Cloud – z.B. bei AWS. Wir machen dagegen alles inhouse und müssen daher auch die entsprechenden Geräte bereitstellen. Daher würde ich zumindest behaupten, dass AV Visionen diesbezüglich eine Besonderheit ist.

ITM: Warum nutzt Ihr Unternehmen nicht die Möglichkeiten einer Cloud, sondern speichert alles im eigenen Haus?
Thiel:
Wir hatten einen Geschäftsführer, der sehr sparsam war. Er vertrat die Philosophie, die IT lieber im Haus zu behalten – zum einen, weil man dann keine Cloud-Services bezahlen muss; zum anderen, weil man kurze Laufwege hat. Das hat sich im Nachhinein rentiert, weil wir dadurch sehr effizient arbeiten konnten. Es lässt sich alles im direkten Kontakt klären, ohne irgendwelche Meetings aufzusetzen. Ich muss z.B. nur aufstehen, zwei Räume weiter gehen und kann mit den Kollegen der Grafikabteilung sprechen.

ITM: Unternehmen lagern trotzdem zunehmend ihre IT in die Cloud aus. Ein Grund dafür ist, Geld zu sparen. Und AV Visionen geht aus genau diesem Grund eben nicht in die Wolke.
Thiel:
Wenn man die Daten im eigenen Haus lagert, muss man natürlich zuerst Investitionen tätigen. Wenn man das über externe Cloud-Services macht, spart das erst einmal Kosten. Aber das ist eine Milchmädchenrechnung. Man muss das natürlich auch über die Nutzungsdauer sehen. Bei der Inhouse-Lösung zahlt man einmalig die Hardware und hat keine laufenden monatlichen Kosten. So wird der höhere Einmalpreis mit der Laufzeit günstiger. Die Cloud-Kosten bleiben dagegen jeden Monat gleich. Langfristig lohnt sich also eine Inhouse-Lösung. Außerdem: Wenn man Geld sparen möchte, sucht man sich ja nicht unbedingt einen Cloud-Anbieter aus Deutschland, sondern im Ausland, wo die Kosten anders sind. Doch dann ergibt sich etwa im Support eine Sprachbarriere. Hinzu kommen mögliche Datenschutzprobleme. Es gibt viele Punkte, die für eine Inhouse-Variante sprechen. Und wir können die IT auch wegen Synology so günstig betreiben.

ITM: Das heißt konkret?
Thiel:
Da ich als Kunde selbst entscheiden kann, welche Festplatten ich einbaue, habe ich eine große Auswahl und behalte die Kosten im Blick. Außerdem unterstützt der Anbieter die Geräte zehn Jahre lang. Ich habe vor einem Jahr eine Maschine aus dem Jahr 2010 abgeschaltet. Das war das erste NAS-System, das wir von jenem Dienstleister gekauft haben. Wir sprechen also von einer sehr langen Zeit, die wir das Gerät genutzt haben.

ITM: Wenn von den Vorteilen des Cloud Computing gesprochen wird, ist auch von den Skalierungsmöglichkeiten die Rede. Die IT-Nutzung lässt sich schnell dem tatsächlichen Bedarf anpassen. Ist das kein Grund, der die Cloud für AV Visionen attraktiv machen könnte?
Thiel:
Es stimmt natürlich, dass die Cloud Flexibilität bietet. Aber das ist für uns nicht relevant. Wir haben keine Fluktuation, sondern stetiges Wachstum. Es ist nicht so, dass wir mal weniger oder mehr brauchen. Der Bedarf wächst stetig. Wenn der Platz bei einem NAS-System weniger wird, kann man entweder größere Platten verbauen oder eine Erweiterung kaufen. Wenn wir Geräte des aktuellen Anbieters benutzen, versuchen wir dies auch so lange zu tun, bis es wirklich nicht mehr geht. Außerdem: Wenn es um die Cloud geht, darf man einen weiteren Punkt nicht vergessen.

ITM: Was für ein Punkt ist das?
Thiel:
Vor ein paar Monaten ist ein Rechenzentrum in Straßburg abgebrannt. Das heißt, dass alle Daten von einem Moment auf den anderen einfach weg waren. Selbst wenn die Geräte redundant ausgelegt sind: Redundanz ist kein Backup. Wenn ich die Speicherinfrastruktur selbst betreibe, habe ich auch die volle Verantwortung und Kontrolle. Ich kann die Backups auf verschiedene Orte verteilen und auf vorhandene ältere Geräte zurückgreifen. Ich gebe grundsätzlich ungern Daten und Geräte in fremde Hände, wenn ich nicht genau weiß, wo diese stehen und was damit passiert. Darum sind wir nicht in der Cloud, sondern betreiben selbst eine.

ITM: Gab es denn nie Überlegungen, doch in die Cloud zu gehen?
Thiel:
Als wir von Crunchyroll aufgekauft wurden, gab es Pläne, die eigene Speicherinfrastruktur aufzugeben. Die Verantwortlichen von Crunchyroll haben sich gefragt, warum wir in unserem Rechenzentrum drei Schränke stehen haben. Es erschien ihnen zu teuer. Dann haben sie aber gesehen, dass es sehr schnell und effizient ist, wenn man lokal auf den Speicher zugreifen kann und unabhängig von der Internet-Verbindung ist.

ITM: Ergibt die Cloud aus Ihrer Sicht grundsätzlich keinen Sinn?
Thiel:
Die Cloud ergibt Sinn, wenn man als kleines Unternehmen erst einmal starten möchte. Wenn man aber die Möglichkeit hat, sich selbst einen Schrank mit Speichergeräten hinzustellen, dann würde ich immer zum Selbst-Hosting tendieren. Der Nachteil ist: Es muss sich natürlich jemand um die Technik kümmern. Und das muss jemand sein, der wirklich Ahnung hat und nicht die IT so nebenbei macht. Viele Firmen haben aber gar keinen Systemadministrator mehr, sondern kaufen sich den Service von außen ein.

ITM: Auch die IT-Abteilung bei AV Visionen ist mit zwei Mann nicht gerade üppig besetzt.
Thiel:
Wir sind mit zwei Mann in der IT schon gut ausgelastet. Aber gute ITler zu finden, ist schwer. Wir brauchen welche, die sich mit allen Systemen gut auskennen und Lust auf neue Dinge haben. Es muss auch nicht jemand sein, der IT gelernt hat. Ich komme ursprünglich auch aus einer anderen Branche.

ITM: Was haben Sie vorher gelernt?
Thiel:
Ich bin gelernter Fotomedienlaborant. Mich hat aber IT schon immer interessiert. Über viele verschiedene Wege bin ich dann bei AV Visionen gelandet und bin jetzt IT-Manager. Es ist schön, dass die Geschäftsführung uns so freie Hand lässt. Mit Synology kann man einfach viele Dinge miteinander kombinieren und auch ein bisschen basteln. Das ist sehr spannend.

ITM: Gibt es denn auch Herausforderungen bei der Nutzung der Technologie?
Thiel:
Ja, aber das liegt eigentlich nicht an der Lösung. Unsere Grafiker arbeiten mit Apple-Computern. Und das Problem ist, dass sich Apple an keine Standards hält – gerade beim Thema „Netzwerk“. Apple sagt zwar, dass man sich mit einem bestimmten Gerät verbinden kann, aber die Realität sieht anders aus. Dann fängt man an, Daten zu kopieren, umzubenennen und so weiter. Synology hält sich dagegen an Standards und funktioniert mit Linux und Windows auch super. Aber mit Apple haben wir eigentlich mit jeder Release-Version Probleme. Synology schiebt natürlich regelmäßig die passenden Fixes nach. Und generell muss man sagen, dass die Lösung mit jeder Infrastruktur zurechtkommt. Irgendein Protokoll lässt sich immer aktivieren.

ITM: An ein paar Stellen hat ja auch der Endanwender Kontakt mit der Software – wenn er per Chat kommuniziert oder Dokumente bearbeitet. Wie sieht es dabei mit der Akzeptanz aus?
Thiel:
Interessanterweise sind alle Mitarbeiter gleich darauf eingestiegen. Zu Beginn habe ich den Chat zur Verfügung gestellt, damit die Kollegen ein bisschen damit herumprobieren können. Und jetzt nutzen über 60 Personen das Tool ohne Probleme. Letztlich funktioniert es ja auch wie Slack. Office wurde ebenfalls gut angenommen. Wir benutzen das Programm auch für unsere IT-Dokumentation.

ITM: Das vergangene Jahr war u.a. für die IT-Abteilungen besonders herausfordernd, weil Unternehmen innerhalb kürzester Zeit ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Wie sah das für Sie aus?
Thiel:
Wir haben innerhalb von zwei Tagen alle Mitarbeiter ins Homeoffice gebracht. Das waren die anstrengendsten Tage des vergangenen Jahres. Daher habe ich diese noch gut in Erinnerung. Vorher gab es bei uns kein Homeoffice. Daher stellte sich erst einmal die Frage: Wie machen wir das? Einige Mitarbeiter haben sich tatsächlich ihren Rechner unter den Arm geklemmt und mit nach Hause genommen. Ich habe Fotos von Kollegen geschickt bekommen, wie sie Kabel durch ihr Wohnzimmer gelegt haben. Manche hatten auch gar kein Internet zu Hause, sondern nur ein Mobilfunkgerät. Aber auch in dieser Situation war es hilfreich, dass wir mit Synology arbeiten.

ITM: Warum?
Thiel:
Die Anbindung der Netzwerklaufwerke hat sehr reibungslos funktioniert, weil wir einen SSD-Cache dazwischen hatten. Wir waren auch froh, dass uns das Active Backup zur Verfügung stand. Damit ließen sich die Geräte, mit denen die Mitarbeiter zu Hause gearbeitet haben, einfach sichern.

ITM: Wie sieht denn die Situation aktuell bei Ihnen im Unternehmen aus?
Thiel:
Wir sind seit dem vergangenen Jahr sehr stark gewachsen. Wir haben viele neue Mitarbeiter bekommen. Daher könnten gar nicht alle zurück ins Büro, weil es nicht genug Plätze gibt. Ich z.B. habe mich sehr an das Homeoffice gewöhnt. Ich habe keine Fahrzeiten mehr und bin sehr flexibel, was der Familie zugutekommt. Ich kann mir den Tag selbst einteilen. Das ist Gold wert. Ich fahre natürlich auch ins Büro, aber den Hauptteil meiner Arbeit erledige ich von zu Hause aus.

ITM: Was ist für die Zukunft geplant? Wird es eine hybride Form des Arbeitens geben?
Thiel:
Wir arbeiten gerade an entsprechenden Plänen, nachdem sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat, dass es mit der Arbeit im Homeoffice gut funktioniert. Ich persönlich hoffe, dass wir eine hybride Lösung bekommen werden.

ITM: Die Pandemie hat die Bedeutung von IT besonders hervorgehoben. Auch bei AV Visionen hält die IT-Abteilung den Laden am Laufen. Sieht man das auch im übrigen Unternehmen so?
Thiel:
Es gibt dazu eine schöne Anekdote: Wir hatten eine neue Hardware ins Haus gebracht und die Aussage eines Kollegen dazu war: „Es ist laut, es produziert warme Luft, es blinkt. Was macht es?“ Es ist für viele nicht nachvollziehbar, was IT beinhaltet – abgesehen davon, dass wir Stecker irgendwo hineinstecken und Geräte durch die Gegend schieben. Und wir fallen ja auch nur dann auf, wenn etwas nicht klappt. Aber es ist nicht so, dass mir das Schulterklopfen fehlen würde. Sondern es freut mich, wenn kein Anruf reinkommt, weil alles läuft. Die IT ist nicht das Wichtigste, aber ohne IT wäre alles deutlich schwieriger.

Roman Thiel
Alter: 39 Jahre
Familienstand: verheiratet, Vater von zwei Kindern
Werdegang: Ausbildung zum Fotomedienlaborant, Interesse am Computer seit dem 10. Lebensjahr, Weiterbildung durch Online-Seminare und Fernschulgänge, seit 2007 selbständig, seit 2014 bei AV Visionen tätig
Derzeitige Position: IT-Manager bei AV Visionen

AV Visionen ...
... gehört zum amerikanischen Unternehmen Crunchyroll, das Anime- und Manga-Fans in mehr als 200 Ländern mit Inhalten versorgt. Am bekanntesten ist Crunchyroll als Streaming-Dienst mit AVOD- und SVOD-Inhalten. Darüber hinaus verbindet Crunchyroll die Fans in seiner Community durch Social Media, Events, Games, Merchandise, Content-Produktion, -Distribution und die Veröffentlichung von Mangas.

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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