Wilfried Cleres, Principal Business Developer – Data Center Management & Automation bei Fujitsu, über die Herausforderungen mittelständischer Rechenzentrumsbetreiber
ITM: Herr Cleres, welcher Mittelständler betreibt heute noch ein eigenes Rechenzentrum? Und wer entschließ sich dazu ein solches neu zu erbauen?
Wilfried Cleres: Wir machen die Erfahrung, dass es relativ viele Mittelständler gibt, die ein eigenes Rechenzentrum (RZ) betreiben oder auch komplett neu konzipieren. Ich würde sagen, das umfasst mehr als 50 Prozent des Mittelstands.
Es sind vor allem strategisch denkende Mittelständler, die ein eigenes RZ betreiben. Mit wachsender Größe der IT und des Rechenzentrums stellt man dann allerdings recht schnell fest, welche Herausforderungen es zu meistern gilt, um die ganze IT-Landschaft auch effizient zu betreiben.
ITM: Wie hat sich der RZ-Betrieb bisher durch die Cloud verändert und welche Entwicklungen sind noch zu erwarten?
Cleres: Die meisten Unternehmen gehen sehr vorsichtig und nur sukzessive in eine Cloud-Umgebung. Der Mittelstand wird nicht komplett auf den Eigenbetrieb von RZs verzichten, vor allem aufgrund der Sicherheitsthematik und das die Daten im Land bleiben. Allerdings gewinnt das Thema Hybrid IT immer mehr an Bedeutung und damit werden auch zertifizierte, sichere Clouds öfter genutzt.
ITM: Zunehmend ist von Software-defined-Storage und Data Center die Rede, wie wirkt sich dies auf mittelständische RZ-Betreiber aus?
Cleres: Auch bei diesem Thema herrscht eher Vorsicht im Mittelstand. Viele Unternehmen sind sich aber bewusst, dass es zukünftig auf eine Software-defined-Infrastructure hinausläuft. Hier sind Sicherheit, Zuverlässigkeit und Preis die bestimmenden Themen.
ITM: Wie reagieren Mittelständler auf Software-defined-“Everything“?
Cleres: Auch hier stehen vor allem Zuverlässigkeit und Sicherheit im Vordergrund. Mittelständler gehen das Thema vorsichtig an, es fehlt oft die Erfahrung und auch an den zusätzlichen Ressourcen in diesem Bereich.
ITM: Was halten Sie generell vom Virtualisierungs-Trend?
Cleres: Es ist völlig klar, dass sich der Trend fortsetzen wird. Fujitsu bietet in diesem Bereich zahlreiche Lösungen an und ist seit dem Jahr 2000 mit dem FlexFrame for SAP einer der Pioniere im Bereich für Virtualisierungslösungen.
ITM: Wo sehen Sie die Vorteile und wo Nachteile?
Cleres: Die Vorteile liegen vor allem in der Agilität, Flexibilität, Geschwindigkeit und der besseren Ausnutzung der IT-Infrastruktur.
Nachteilig sind die zusätzlichen Kosten, eine steigende Komplexität und die daraus resultierende erhöhten Anforderungen ans Personal hinsichtlich Skills und Weiterbildung.
ITM: Welche Entwicklung lässt sich im Hinblick auf Energieeffizienz beobachten?
Cleres: Durch die steigenden Energiekosten wird das Thema Effizienz im Betrieb immer wichtiger. Fujitsu war sich dieses Problems sehr früh bewusst. 50 Prozent der Kosten für ein Data Center entfallen auf den Posten Energie. Das sieht man daran, dass wir mit unserer Lösung zur Ermittlung von Energiefressern im RZ den Deutschen Rechenzentrumspreis 2013 gewonnen haben. Ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Energieeffizienz ist die Implementierung von Data Center Infrastructure Management Lösungen.
ITM: Wie lässt sich der Bedarf nach höheren Leistungen mit Energieeffizienz in Einklang bringen?
Cleres: Vor allem durch den Einsatz moderner Produkte im RZ. Die Energieeffizienz der IT-Produkte von Fujitsu hat sich in den letzten sechs Jahren um den Faktor zwölf verbessert. Wichtig ist hier der Begriff, Performance to Power Ratio. Zudem sind moderne Netzteile sehr bedeutsam, die sind zwar etwas teurer, amortisieren sich aber dank des hohen Einsparungspotentials sehr schnell. Wir setzen hier die 80 Plus Norm für Netzteile um.
ITM: Wie ist es derzeit um die Ausfallsicherheit bestellt?
Cleres: Im Zeitalter von Always-Online (24/7) steht die Verfügbarkeit an erster Stelle. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bieten wir hochverfügbare IT-Infrastruktur an und haben die Lösung „Automatisiertes Notfallhandbuch“ entwickelt, die 2014 mit dem Deutschen Rechenzentrumspreis ausgezeichnet wurde.
Für den Mittelstand stellt sich das Thema Datenauslagerung in ein zweites Rechenzentrum als Herausforderung dar.
ITM: Wo gibt es an dieser Stelle Handlungsbedarf?
Cleres: Mittelständler brauchen die richtigen Menschen mit dem passenden Fachwissen. Außerdem müssen die Bereiche Prozessstandardisierung und Automatisierung der IT im Mittelstand noch stärker Beachtung und Umsetzung finden, um hinsichtlich Effizienz und Zukunftssicherheit gewappnet zu sein.
ITM: Wie wird das Rechenzentrum der Zukunft aussehen?
Cleres: Effizienz, Green-IT, Sicherheit und Flexibilität sind einige der definierenden Merkmale für zukünftige Rechenzentren. Zudem wird steigenden Rack-Dichte dafür sorgen, dass wir immer ausgeklügeltere Kühlungkonzepte (beispielsweise Flüssigkeitskühlung) benötigen werden. Das Thema alternative Energiespeicherung in der Reichweite von Rechenzentren wird in naher Zukunft ein spannendes Thema werden.
ITM: Welche Trends werden im Jahr 2016 das Rechenzentrum vorantreiben? – Speziell auf den Mittelstand bezogen
Cleres: Das Vernetzen der Gesamtsysteme eines Unternehmens und die immer stärkere Integration werden ein Zukunftsthema. Damit einhergehend eine IT, die sich an Geschäftsprozessen orientiert und diese flexibel und automatisiert unterstützt.
Generell gesehen wird es darauf hinauslaufen, dass man die Themen Sicherheit, Zuverlässigkeit, Agilität, Flexibilität und Effizienz mithilfe der Automatisierung in Einklang bringt.