„Nicht alle Unternehmen haben das Glück, mit leistungsstarken und redundant abgesicherten Leitungen ans Netz angebunden zu sein“, weiß Strato-CTO René Wienholtz.
ITM: Herr Wienholtz, wie viel Vertrauen schenken Mittelständler der Onlinedatensicherung?
René Wienholtz: Da geht es Mittelständlern wie allen Bürgern: Die Datenskandale rund um die NSA haben viele Nutzer verunsichert. Dennoch zieht es immer mehr Unternehmer in die Cloud. Gegen das Ausspähen von Daten gibt es ein probates Mittel: Verschlüsselung. Wer Cloud-Dienste nutzt und sichergehen will, dass niemand seine Daten mitliest, sollte sie vor der Übertragung verschlüsseln. Dann liegen sie verschlüsselt beim Dienstleister. Weniger sensible Daten sollten zumindest über einen verschlüsselten Weg übertragen werden – entweder über VPN oder SSL.
ITM: Was sollten Unternehmen bei der Auswahl eines Cloud-Backup-Dienstleisters beachten? Nach welchen Kriterien sollten sie entsprechende Lösungen auswählen?
Wienholtz: Der Standort Deutschland ist für die meisten Unternehmer nach wie vor eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für einen Cloud-Anbieter. Dabei ist nicht nur entscheidend, dass die Rechenzentren des Dienstleisters in Deutschland stehen, auch der Anbieter selbst sollte entweder aus Deutschland kommen oder sich dem deutschen Datenschutz unterworfen haben. Denn nur dann werden Daten in jedem Fall nach dem deutschen Datenschutzgesetz gespeichert, einem der strengsten weltweit. Ein weiteres wichtiges Kriterium wird von vielen häufig übersehen: Ein Cloud-Dienst sollte mit einer Versionierungsfunktion ausgestattet sein. Wenn beim Backup etwas schief läuft, fällt das meist erst Wochen oder Monate später auf. Ohne Versionierung ist dann nichts mehr zu retten.
ITM: Welche Sicherungsmaßnahmen sind seitens der Cloud-Backup-Dienstleister unbedingt notwendig?
Wienholtz: Entscheidend ist, dass der Dienstleister die Daten redundant im Rechenzentrum und nicht nur auf einer Festplatte speichert. Hat die Festplatte einen Defekt, ist das Backup weg. Eine große Plattform bietet die größte Sicherheit, da die Daten hier über mehrere Festplatten und verschiedene Orte im Rechenzentrum verteilt werden. Fällt eine Festplatte oder sogar ein ganzes Datenspeicherungssystem aus, übernimmt eine andere Einheit. Auch Zertifizierungen, wie beispielsweise nach ISO27001 des Tüvs, können gute Anhaltspunkte sein, dass es sich um einen professionellen und verlässlichen Anbieter handelt. Nach ISO27001 lassen sich Unternehmen wie Banken und Versicherungen zertifizieren, die besonders sensible Daten ihrer Kunden in ihren Rechenzentren aufbewahren.
ITM: Auch wenn die Cloud-Sicherung scheinbar zahlreiche Möglichkeiten bietet: Was sind gängige Probleme einer solchen Lösung?
Wienholtz: Nicht alle Unternehmen haben das Glück, mit leistungsstarken und redundant abgesicherten Leitungen ans Netz angebunden zu sein. Bei Unternehmen in ländlichen Regionen kann die Datenverbindung langsam sein. Wer seine Daten in die Cloud auslagern möchte, sollte daher genau ausrechnen, wie viel Bandbreite er für das tägliche Backup benötigt: Reicht die verfügbare Zeit, um alle wichtigen Daten zu übertragen? Am einfachsten ist es, das Backup nachts über das Rsync-Protokoll zu erstellen. Das Protokoll hat den Vorteil, dass es nur geänderte bzw. neue Daten in die Cloud überträgt.
ITM: Welche Vertragslaufzeiten und Bezahlmodelle sind im Cloud-Backup-Bereich üblich?
Wienholtz: Einige Anbieter rechnen ihre Dienste gigabyte- bzw. terabyte-genau ab. Diese Form der Abrechnung ist allerdings wenig kalkulierbar. Die meisten Unternehmer bevorzugen eine Kostendeckelung. Daher rechnen viele Dienstleister ein festes monatliches Entgelt ab.
ITM: Welche Schritte sollten Mittelständler letztlich bei der Erstellung einer geeigneten Backup-Strategie beachten?
Wienholtz: Generell sollten zunächst grundsätzliche Anforderungen analysiert und durchdacht werden: Unternehmer sollten genau überlegen, welche Daten sie in der Cloud sichern und wie lange sie diese Daten aufheben möchten oder vielleicht sogar müssen. Im nächsten Schritt geht es um Fragen wie: Wie groß ist das Initialvolumen der Datensicherung? Wie groß ist das tägliche Datenvolumen, das in die Cloud übertragen werden muss? Wie viel Platz benötigen die Daten in der Cloud? Dabei ist auch entscheidend, den Speicherplatz miteinzurechnen, der für die Versionierung alter Datenstände benötigt wird. Ist die Datensicherung erst einmal eingerichtet, sollten Unternehmer regelmäßig Rücksicherungstests durchführen. Dabei wird der Ernstfall inszeniert und angenommen, dass Daten XY verloren gegangen sind. Auf diese Weise lassen sich Abläufe und Verantwortlichkeiten festlegen. Unternehmer können sich ein Bild davon machen, wie lange die Rückgewinnung dauert und ob alle Daten vollständig sind.