Im Sinne der Nachhaltigkeit sollten Unternehmen den Nutzungszeitraum ihrer IT-Hardware so weit strecken, wie es für sie wirtschaftlich sinnvoll ist. ((Bildquelle: Getty Images/ iStock / Getty Images Plus))
Immer mehr Unternehmen vertrauen auf den Einsatz von wiederaufbereiteter Hardware. Quelle: Technogroup.((Bildquelle: Technogroup))
Es gibt gute Gründe, das Thema „Nachhaltigkeit“ fest im unternehmerischen Handeln zu verankern: seien es persönliche Überzeugungen der Geschäftsführung, veränderte Kundenerwartungen oder die strikten Kriterien öffentlicher Ausschreibungen. Und auch die rechtlichen Anforderungen steigen. Beispielsweise verpflichtet die EU mit ihrer Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) Unternehmen künftig zu Nachhaltigkeitsberichten. Beginnend mit großen Unternehmen im Jahr 2024, wird die Pflicht später auch auf KMU mit mehr als 250 Mitarbeitern ausgeweitet.
Aber viele suchen noch nach Ansätzen für eine bessere Nachhaltigkeitsbilanz. So haben laut der aktuellen Studie „Herausforderungen und Strategien im Rechenzentrum“ der Technogroup IT-Service GmbH zwar 94 Prozent der Befragten ein unternehmensweites Nachhaltigkeitskonzept – aber lediglich die Hälfte von ihnen verfolgt im Rechenzentrum (RZ) Green-IT-Prinzipien. Häufig geht es darin um die Konsolidierung von Software auf weniger Servern oder um die Klimatisierung. Diese Ansätze sind gut und wichtig, sollten aber nicht den Blick auf ungenutztes Potenzial verstellen, das über Fragen der Energieeffizienz weit hinausreicht.
Der Sprung auf ein neues Nachhaltigkeitsniveau gelingt, wenn Unternehmen den gesamten Lebenszyklus der IT-Hardware berücksichtigen. Denn schon vor der Fertigung von Servern oder Storage-Systemen werden wertvolle Rohstoffe benötigt, Gewässer und Böden verschmutzt und wird CO2 freigesetzt. Hinzu kommen die energieintensive Produktion und Transportwege entlang der gesamten Lieferkette. Die Entsorgung schließlich ist entweder umweltschonend (aber aufwendig) oder sie geschieht über ungeschützte Deponien und Verbrennungsanlagen. Nachhaltigkeit jedoch hat den Anspruch, Ressourcen grundsätzlich zu schonen und negative Folgen zu minimieren.
Die naheliegende Lösung: den Nutzungszeitraum von IT-Hardware so weit strecken, wie es wirtschaftlich sinnvoll ist. Auf diese Weise lassen sich problemlos die Produktion und spätere Entsorgung einer ganzen Gerätegeneration vermeiden. Denn viele Unternehmen mustern ihre Server oder Storage-Systeme schon nach drei bis fünf Jahren aus, sobald der End Of Service Life (EOSL) des jeweiligen Herstellers erreicht ist und die Herstellerwartung endet. Damit endet aber keineswegs die Einsatzfähigkeit der Geräte. Denn gerade Business-Hardware von namhaften Herstellern ist mit hochwertigen Komponenten ausgestattet, die einen langen, performanten Betrieb erlauben.
Ein etablierter Weg, die Nutzungsspanne auszudehnen, ist der Umstieg auf herstellerunabhängige Wartung (Third-Party Maintenance). Diese wird durch eine EU-Verordnung erleichtert, die die Hersteller verpflichtet, Security-Updates auch lange nach EOSL bereitzustellen. Ein anderer Weg gewinnt im Business-Umfeld rasant an Bedeutung: Refurbished Hardware. Professionell aufbereitete Komplettsysteme und Komponenten wurden noch vor zwei Jahren von lediglich 15 Prozent der Unternehmen eingesetzt. Inzwischen aber hat sich diese Zahl vervierfacht, wie die erwähnte Studie zeigt.
Für diesen Trend sind auch wirtschaftliche Argumente verantwortlich. Denn die generalüberholten Geräte sind als Gebrauchtware selbstredend weit günstiger als vergleichbare Neuware. Außerdem sind sie und ihre Ersatzteile auch dann auf dem Markt verfügbar, wenn die Versorgung mit Neugeräten unter Lieferengpässen leidet. Hinzu kommt, dass die Unternehmen bestimmte Modelle bereits einsetzen, positive Erfahrungen damit haben oder ihren Bestand mit Refurbished Hardware lediglich reparieren, erweitern oder die Performance erhöhen möchten.
Egal ob Unternehmen nur an Rack-Schienen, Kabeln und anderen Ersatzteilen interessiert sind, an einzelnen Komponenten wie RAM-Bausteinen und Massenspeicher oder an ausgewachsenen Komplettsystemen – die Qualität muss stimmen. Die ist zum einen natürlich vom jeweiligen Hersteller abhängig – aber zum anderen auch vom fachkundigen Aufbereitungsprozess. Startpunkt ist meist, dass ein Unternehmen den partiellen oder kompletten Tech-Refresh in seinem Rechenzentrum plant. Um für die ausgemusterte Hardware einen letzten Return On Investment (ROI) zu erzielen, werden diese Geräte aber nicht zur Verschrottung abgegeben, sondern an einen versierten Refurbisher verkauft.
Auf Wunsch kümmert sich dieser um die Demontage der Hardware und den Abtransport. Er übernimmt auch die unwiderrufliche und datenschutzkonforme Löschung der Datenträger sowie ihre Formatierung. Außerdem prüft er die Hardware auf erkennbare Schäden und stuft sie für die künftige Weiterverwendung ein. So eignen sich nur optisch und technisch einwandfreie Geräte, um weiterhin als Gesamtsystem zu dienen. Der Großteil jedoch wird zerlegt, gereinigt und findet seine neue Bestimmung als Ersatzteilspender für Festplatten, Mainboards, Lüfter und anderes.
In einem nächsten Schritt prüfen Technikexperten die Hardware auf Herz und Nieren, beheben eventuell vorhandene Defekte fachmännisch und setzen alles zurück auf den Werkszustand. Je nach aktuellem Bedarf, werden einzelne, einwandfreie Komponenten direkt genutzt, um andere Systeme aufzurüsten, zu erweitern oder zu reparieren. Aus Einzelteilen, die allen Business-Anforderungen genügen, stellen Refurbisher aber auch „neue“, endgeprüfte Komplettsysteme zusammen. Anderes wird schützend verpackt und eingelagert. Auf diese Weise entstehen teils riesige Lager, die Rechenzentren sehr kurzfristig mit jedem erdenklichen Teil versorgen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Aber irgendwann erreicht auch Refurbished Hardware ihr Nutzungslimit – zumindest teilweise. Denn mit der finalen Ausmusterung von Systemen und Komponenten ist der Lebenszyklus der verbauten Wertstoffe noch nicht beendet. Edelmetalle, seltene Erden aber auch Kunststoff und Metall lassen sich durch professionelles Recycling entnehmen, aufbereiten und für die nächste Produktion erneut verwenden. So sorgen die Prinzipien von Refurbished Hardware und Recycling dafür, dass Unternehmen ihre IT in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft überführen.