Kurt Kammerer, Chief Executive Officer der Regify-Gruppe
ITM: Herr Kammerer, welche konkreten Einsatzszenarien von Regimail sind in mittelständischen Unternehmen denkbar bzw. lohnen sich für Mittelständler am meisten?
Kurt Kammerer: Wir bieten drei Services für Unternehmen jeder Größenordnung: Regimail für den vertraulichen und verbindlichen E-Mail-Verkehr, Regipay für den rechtskonformen elektronischen Versand von Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie Regibill für den vereinfachten elektronischen Rechnungsversand. Unsere Services lassen sich problemlos in Unternehmenslösungen und Standard-E-Mailprogramme integrieren und arbeiten mit den bestehenden E-Mail-Adressen. Dabei sichern unsere Services die Vertraulichkeit, die gerade in Zeiten von Prism und Tempora immer wichtiger wird.
ITM: Welche Abteilungen bzw. Mitarbeiter sollten hierbei auf jeden Fall mit einem Regimail-Account versehen werden?
Kammerer: Alle, die per E-Mail geschäftsrelevante oder personenbezogene Daten austauschen. Jede Regimail wird Ende-zu-Ende verschlüsselt und ist damit vertraulich zwischen Sender und Empfänger. Wichtig für den Nutzer ist zudem die jederzeitige Nachvollziehbarkeit einer Transaktion, was Klarheit, Vertrauen und Verlässlichkeit im Umgang mit Geschäftspartnern schafft.
ITM: Inwiefern können bereits vorhandene Systeme an Regimail angebunden bzw. integriert werden – zum Beispiel E-Mail-Programme (z.B. Exchange, Lotus Notes), ERP-Systeme, Archiv- oder Dokumenten-Management-Lösungen?
Kammerer: Regimail lässt sich mittels der Programmierschnittstelle (API) leicht in bestehende Unternehmenslösungen, wie E-Mail-Clients, SAP-Programme oder Output-Management-Software, integrieren. Standardmäßig stehen Clients für die Betriebssysteme Windows, Linux, MacOS, iOS und Android zur Verfügung. Spezielle Add-Ins gibt es für Microsoft Outlook, Lotus Notes und Mozilla Thunderbird.
ITM: Wie teuer ist Ihr Service für ein mittelständisches Unternehmen pro Monat?
Kammerer: Üblich sind Preise von rund vier Euro je Monat und Account. Dabei machen die jeweiligen Provider die Endkundenpreise und differenzieren nach individuellen Serviceleistungen.
ITM: Wie viele mittelständische Unternehmen nutzen heute bereits Ihre Services? Wie viele Provider bieten den E-Mail-Service in Deutschland, Österreich und der Schweiz an?
Kammerer: Unsere Services werden in diesen Ländern aktuell von 20 Providern angeboten und für deren Endkunden betrieben. Jeder dieser Provider hat eine Vielzahl von Kunden, die meisten davon aus dem Mittelstand.
ITM: Wie gestalten sich die Kündigungsfristen für die Services?
Kammerer: Die Provider bieten in der Regel sehr kurze Kündigungsfristen, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, einen Kunden länger binden zu wollen, als dieser es will.
ITM: Was passiert nach einer Kündigung des Accounts mit den vorhandenen Daten? Inwieweit kann auf alte Regimails bzw. inaktive Accounts zugegriffen werden? Wo genau und wie lange werden diese vorgehalten?
Kammerer: Kündigt ein Kunde seinen Account, so kann er per Download alle Regify-Transaktionsdaten bei sich ablegen, bevor der Account gelöscht wird. Die Regimails hat er ohnehin, denn sie liegen in seinem E-Mail-System und nie bei uns oder einem der Provider. Der Zugriff auf alte Mails ist für den autorisierten Nutzer immer möglich, denn der anonyme Schlüssel wird von der unabhängigen Clearingstelle Incert, mit Sitz in Luxemburg, unbegrenzt aufbewahrt. Ein Unternehmen kann so z.B. auf Vorgänge von Mitarbeitern zurückgreifen, die nicht mehr im Unternehmen arbeiten.
ITM: Was passiert, wenn ein Kunde von Ihren Services auf die Dienste eines De-Mail-Providers oder den E-Postbrief umsteigen möchte? Inwieweit ist die Übernahme bzw. Migration von Altdaten bzw. Regimail-Mails möglich?
Kammerer: Regify ist ein offenes System, an das schon über 25 Provider aus ganz Europa mit ihren Kunden angeschlossen sind. Es ist wichtig, dass ein Kunde jederzeit auf einen anderen Service umsteigen kann, daher sind auch Tools zur Migration Bestandteil der Services. Unserer Garantie zur Offenheit haben wir es sicher mit zu verdanken, dass immer mehr Kunden zu uns kommen.
ITM: Stichwort Sicherheit: Die Nationale Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V. (NIFIS) bezeichnet die De-Mail beispielsweise als „offenes Scheunentor“ für Geheimdienste. Grund dafür sei das „fundamental unsichere Verschlüsselungskonzept“. Wie schätzen Sie diese Kritik ein?
Kammerer: Die Initiative hat Recht. Für die Mehrzahl der deutschen Sicherheitsexperten war es schon immer unverständlich, warum De-Mail sich seit Jahren vehement gegen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wehrt. Alle ernstzunehmenden Lösungen bieten diese Art von Verschlüsselung, weil nur so Vertraulichkeit sichergestellt werden kann.
ITM: Fakt ist, dass die De-Mail nicht über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verfügt. Wie sieht dies bei Ihren E-Mail-Services aus?
Kammerer: Unsere Software verschlüsselt die Textnachricht sowie mögliche Anhänge und fügt diese als verschlüsselte Regify-Datei an eine normale E-Mail an (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung). Im Gegensatz zu De-Mail vereinnahmt unser Service nicht den eigentlichen Inhalt, sondern managt nur die Metadaten (Schlüssel zu einem Vorgang und Registrierungsdaten). Dies erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern erlaubt die einfachste Form der Nutzung, nämlich mit der bestehenden E-Mail-Adresse ohne jegliche Änderung an der E-Mail-Infrastruktur.
ITM: Stichwort Internationalität: Inwieweit kann De-Mail für den internationalen Dokumentenaustausch mit Kunden oder Lieferanten genutzt werden? Inwieweit können Ihre Mail-Services auch international zum Einsatz kommen?
Kammerer: De-Mail ist eine rein deutsche Insellösung und nicht im internationalen Wirtschaftsleben anwendbar, denn ein Kunde/Lieferant außerhalb Deutschlands kann sich nicht für De-Mail registrieren. Unsere Technologie hingegen ist für den weltweiten Einsatz geschaffen und nutzt die seit Jahrzehnten bestehende E-Mail-Infrastruktur. Unsere weitere Internationalisierung ist durch internationale Patente abgesichert und bereits seit einiger Zeit gehören zu unserem Netzwerk auch Provider in Asien.