Bei der Auswahl eines Colocation-Anbieters sollten Unternehmen laut Wolfgang Kaufmann u.a. auf Zukunftsfähigkeit achten.
„Unternehmen können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, indem sie Datenverarbeitung und -speicherung an externe Colocation-Anbieter auslagern“, so Kaufmann.
ITM: Herr Kaufmann, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse an der Auslagerung von Daten in Colocation-Rechenzentren in Deutschland?
Wolfgang Kaufmann: Das Interesse steigt rasant – eine Beobachtung, die nicht nur wir machen. So schätzt das Marktforschungsunternehmen Gartner, dass 80 Prozent der Unternehmen weltweit bis 2025 vollständig von ihrer lokalen Infrastruktur auf Colocation und in die Cloud migrieren werden. Steigende Datenmengen erhöhen den Bedarf an Colocation-Rechenzentren ebenfalls. Besonders mit der Pandemie haben viele Unternehmen verstanden, wie wichtig es für den langfristigen Geschäftserfolg ist, die IT-Kapazitäten zu erhöhen.
ITM: Welche Vorteile und Möglichkeiten bietet Colocation für Mittelstandsunternehmen?
Kaufmann: Mittelständische Unternehmen können sich – ebenso wie Konzerne – stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, indem sie Datenverarbeitung und -speicherung an externe Colocation-Anbieter auslagern. Das entlastet vor allem die IT-Abteilungen der Unternehmen, denn Colocation-Anbieter verfügen über qualifiziertes Fachpersonal, das rund um die Uhr für einen sicheren und störungsfreien Betrieb des Rechenzentrums sowie die gesamte Wartung sorgt. Ein weiterer Vorteil von entsprechenden Rechenzentren ist sicherlich deren Flexibilität und modulare Bauweise: Sie sind skalierbar und können nach Kundenbedarf erweitert werden – sogar im laufenden Betrieb. So unterstützen sie das Wachstum der IT-Systeme und können jederzeit entsprechend den Bedürfnissen und Kapazitäten der Unternehmen angepasst werden. Und das führt am Ende auch zu Kosteneinsparungen, da Unternehmen nur die Fläche mieten, die sie benötigen.
ITM: Inwieweit kann man bei Colocation von einem RZ-Modell der Zukunft sprechen?
Kaufmann: Colocation ist ja kein ganz neues Konzept, hat sich allerdings in den vergangenen Jahren stark als Rechenzentrumsmodell der Zukunft etabliert. Denn entsprechende Rechenzentren bilden für jedes Unternehmen die notwendigen Rechenzentrumskapazitäten ab: von kleineren Edge-Rechenzentren für die lokale Datenverarbeitung bis hin zu größeren Rechenzentrumsflächen oder auch ganzen Gebäuden. Für Unternehmen wird in Zukunft besonders der Fachkräftemangel ein immer größeres Problem werden. Colocation ist also vor allem für mittelständische Unternehmen attraktiv, die wenig IT-Personal haben und somit die Betreuung der eigenen IT-Infrastruktur oftmals nur schwer allein stemmen können.
ITM: Wie wird sich die Nachfrage nach Colocation-Rechenzentren Ihrer Ansicht nach in naher Zukunft gestalten?
Kaufmann: Da die Datenmengen in Zukunft massiv zunehmen, wird auch die Nachfrage nach Colocation-Rechenzentren weiter steigen. „IT made in Germany“ wird immer beliebter, deshalb wünschen sich viele mittelständische Unternehmen regionale Partner in ihrer Nähe. Dadurch verringern sich zum einen die Latenzzeiten, zum anderen werden die Abstimmungswege kürzer und der persönliche Austausch einfacher. Wir sind sicher, dass die Nachfrage nach Serviceleistungen weiter steigen wird. Unternehmen wollen den Rechenzentrumsbetrieb so weit wie möglich an externe Spezialisten abgeben.
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ITM: Worauf sollten Mittelständler bei der Auswahl des Dienstleisters achten?
Kaufmann: Auf dem Markt tummeln sich unzählige Anbieter. Das macht es für Unternehmen schwieriger, den richtigen Vertragspartner zu identifizieren. Ein wichtiger Faktor sind Zertifizierungen. Unternehmen sollten darauf achten, dass ein Rechenzentrum alle notwendigen Standards erfüllt, vor allem die Normen EN 50600 und ISO/IEC 27001. Weitere Anhaltspunkte können eine Tüv-Zertifizierung oder ein Umweltsiegel sein. Neben dem Thema „Sicherheit“ wird die Branche auch der nachhaltige und energieeffiziente Rechenzentrumsbetrieb stärker beschäftigen. Die zentrale Messgröße ist der PUE-Wert, der die Energieeffizienz des Rechenzentrums und das Verhältnis zwischen dem Gesamtenergieverbrauch des Rechenzentrums und dem Energieverbrauch der gesamten IT wiedergibt. Je niedriger der PUE-Wert, desto umweltfreundlicher und energieeffizienter ist der Betrieb des Rechenzentrums. Zudem sollten Unternehmen auf Flexibilität, Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Anbieters achten.
Bildquelle: Datacenter One