„Die Zukunft von Flash-Technologie ist kurz gesagt ‚rosig’“, so Alex McMullan, Field CTO bei Pure Storage.
ITM: Herr McMullan, mit welchen Fragen warten Mittelständler am häufigsten auf, wenn sie neue Speicherkonzepte fürs Unternehmen in Betracht ziehen?
Alex McMullan: Ganz vorne steht immer noch die Frage: Warum brauche ich Flash? Wir antworten mit der Gegenfrage: Warum sollten Sie noch Festplatten kaufen? Das bringt viele IT-Verantwortliche ins Grübeln und führt uns zu den eigentlichen Themen. Oft hören wir die Frage, ob die Kosten für All-Flash-Arrays nicht den finanziellen Spielraum von KMUs übersteigen, gefolgt von Fragen zur Komplexität bei Einrichtung, Betrieb und Support. In der Regel verstehen unsere Gesprächspartner aber sehr schnell, dass die Kosten unserer Flash-Arrays mit denen traditioneller Festplatten für Tier-1-Speichersysteme vergleichbar sind – bei einer deutlich höheren Leistung. Um Zahlen zu nennen: doppelte Kapazität bei zehnfacher Leistung sowie zehnmal geringerem Energie- und Platzbedarf. Gleichzeitig sind unsere Flash-Arrays einfach in der Handhabung. Man muss kein Experte sein, um sie in die bestehende Infrastruktur zu integrieren, sie benötigen kaum Wartung oder sonstige Aufmerksamkeit durch den Admin. Auch das Datenmanagement wird einfacher, weil man sich keine Gedanken mehr darüber machen muss, welche Daten auf welcher Speicherebene bereitgehalten werden müssen.
ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Mittelständler an Flash-Storage?
McMullan: Jedes Unternehmen möchte sich Wettbewerbsvorteile verschaffen – egal ob Mittelständler oder große Konzerne. KMUs benötigen ein Storage-Konzept, das schnell, verlässlich und einfach in der Handhabung ist, so dass sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. All dies leistet Flash. Wir sehen bei allen Unternehmen ein großes Interesse, seitdem Flash den Weg aus der Unterhaltungselektronik ins Geschäftsumfeld gemacht und zu einer Revolution im Speichermarkt geführt hat. Hinzu kommt, dass die Preise für Flash-Speicher kontinuierlich sinken und somit immer mehr Unternehmen eine auf Flash basierende Speicherinfrastruktur in Erwägung ziehen.
Im Vergleich zu serverseitigem Flash oder Hybrid-Lösungen hat sich der Marktanteil von Flash-Arrays deutlich erhöht. Laut 451 Research haben 2014 fast ein Viertel (22 Prozent) der großen und mittleren Unternehmen Pläne, All-Flash-Arrays zu implementieren, im Vergleich zu 14 Prozent serverseitigem Flash bzw. 13 Prozent Hybrid-Arrays. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor.
ITM: Welche Vorteile bringen Flash-Speicher gegenüber herkömmlichen Festplatten mit sich?
McMullan: Im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten sind All-Flash-Arrays nicht nur bis zu zehnmal schneller, sondern haben auch nur ein Zehntel des Platz- und Energiebedarfs. Die hohe Leistungsfähigkeit zahlt sich besonders bei rechenintensiven Anwendungen aus, so dass Unternehmen mit Flash nicht nur ihre Applikationen beschleunigen, sondern auch ihre IT-Infrastruktur komplett virtualisieren oder voll auf Cloud-Services setzen können.
Flash-Speicher ist mittlerweile jedoch nicht nur für Tier-0-Storage attraktiv, sondern kann auch als Tier 1 für den Betrieb geschäftskritischer Anwendungen eingesetzt werden, da er sich wie eine gewöhnliche HDD direkt im Rechenzentrum implementieren lässt. Im Gegensatz dazu sind Festplatten häufig die letzten mechanischen Komponenten in Rechenzentren, deren Technik sich innerhalb der letzten 25 Jahre kaum geändert hat. Als Folge erweisen sie sich immer häufiger als Flaschenhals, da sie die Leistung der übrigen Komponenten ausbremsen, und blähen die Infrastruktur unnötig auf. Auch ist ihre Handhabung weitaus komplexer und damit zeitraubender für die IT-Mitarbeiter und führt dazu, dass sie unnötig Zeit mit Aufgaben zubringen, die kaum Mehrwert schaffen.
ITM: In welchen Punkten hinken die Flash-Speicher eher hinterher bzw. schwächeln ein wenig?
McMullan: Zu Beginn der Flash-Ära standen vor allem der hohe Preis und Kompatibilitätsprobleme dem umfangreichen Einsatz im Unternehmensumfeld entgegen. Flash-Speicher sind schneller, kleiner, energieeffizienter und zuverlässiger, den Festplatten aber hinsichtlich Langlebigkeit und Leistungsvariabilität unterlegen. In manchen Dingen funktionieren sie schlicht anders, z.B. was die Lese/Schreibasymmetrie oder das Löschen von Datenblöcken betrifft. Pure Storage ist angetreten, um genau diese Diskrepanzen zu überwinden, und hat mit seinem holistischen Ansatz eine All-Flash-Architektur entwickelt, die die Leistungsfähigkeit von Flash mit der Langlebigkeit, Ausdauer und Kostenstruktur von herkömmlichen Festplatten verbinden. Die Flash-Arrays erreichen heute einen durchschnittlichen Lebenszyklus von fünf bis sieben Jahren. Dank der mitausgelieferten Software bieten sie zudem alle aus der Festplattenzeit gewohnten – und für Administratoren wichtigen – Funktionalitäten wie etwa Snapshots sowie Datendeduplizierung und -komprimierung.
ITM: Wie gestaltet sich konkret die Energieeffizienz beim Einsatz von Flash-Storage?
McMullan: All-Flash-Speicherlösungen beeinflussen die Wirtschaftlichkeit von IT-Umgebungen maßgeblich. Im Vergleich zu herkömmlichen Speicherkonzepten werden deutlich weniger Flash-Arrays benötigt, um die gleiche Speicherkapazität abzubilden. Das verringert den Platzbedarf und den Energieverbrauch, aber auch den Aufwand für Kühlung enorm.
ITM: In welchen Fällen lohnt sich der Einsatz von Flash-Storage in den Servern/Rechenzentren bei mittelständischen Unternehmen?
McMullan: All-Flash-Arrays sind grundsätzlich für alle Anforderungen innerhalb Unternehmen jedweder Größe geeignet. Aus unserer Sicht sollte sich jeder die Leistungs- und Effizienzvorteile zu Eigen machen und von geringeren Wartungs- und Betriebskosten sowie weniger Energie- und Kühlungsbedarf profitieren. Der Leistungszuwachs beschleunigt Analysen, die Bearbeitung von Kundenanfragen und die Einführung neuer Services – ein Vorteil für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen.
ITM: Welche Daten sollten auf einem Flash-Storage gespeichert werden, welche nicht?
McMullan: Für alle geschäftskritischen Applikationen, bei denen es zu Verzögerungen aufgrund mangelnder Leistung kommt, sollten All-Flash-Arrays als Alternative in Erwägung gezogen werden. Gleiches gilt bei vielen IOPS (Input/Output Operations per Second), sprich einem hohen Datendurchsatz, insbesondere wenn nicht alle eingehenden Daten dauerhaft gespeichert werden müssen und daher die Vorhaltung großer Kapazitäten überflüssig ist – dies ist eines der optimalen Einsatzszenarios für All-Flash.
ITM: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl von Storage-Anbietern und entsprechenden Flash-Speichern achten?
McMullan: Unternehmen sollten grundsätzlich nicht nach einem Anbieter, sondern nach einem Partner Ausschau halten, der ihr Anliegen versteht, den Roll-out möglichst kurz hält und sie durch Service und Support unterstützt. Zudem sollten Zwangsmigrationen oder immense Preissteigerung bei den Wartungskosten nach einigen Jahren von vornherein ausgeschlossen werden können. Wer sich auf Anbieter von All-Flash-Lösungen konzentriert, die über eine eigens für Flash entwickelte Software verfügen, treffen wahrscheinlich die bessere Wahl, anstatt sich für behelfsmäßige Hybrid-Lösungen aus Flash und Festplatten oder für als Cache direkt im Server implementierten Flash zu entscheiden. Für Festplatten konzipierte Software funktioniert einfach nicht mit Flash und schränkt dessen Leistungsfähigkeit unnötig ein.
ITM: Mit welchen Kosten ist die Anschaffung verbunden?
McMullan: Die interessantere Frage ist: Mit welchen Kosteneinsparungen kann ich rechnen? Wenn man die Kosten pro gespeichertem Gigabyte betrachtet, sind Flash-Arrays im Vergleich zu Festplatten günstiger, da sie schneller sowie platz- und energiesparender sind. Betrachtet man die Gesamtbetriebskosten, so hat Forrester in einer aktuellen Studie festgestellt, dass Unternehmen, die 947.000 USD in All-Flash-Arrays investiert haben, eine Rentabilität von 102 Prozent und ein Ersparnis beim Nettozeitwert von 961.000 USD durch schnellere Prozesse und geringere Lohnkosten für das gesamte Rechenzentrum erzielten.
ITM: Wie gestaltet sich die Integration der Flash-Speicher in die IT-Landschaft eines Unternehmens? Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? Was sind häufige Stolpersteine?
McMullan: Von Anfang an war unser Hauptziel, die Kompatibilitätsprobleme zu überwinden, die dem breitflächigen Einsatz von Flash im Rechenzentrum verhindert haben. Damit eine Lösung sich durchsetzt, sind – neben Kosten und Rentabilität – vor allem die Leistung und die Einfachheit bei Implementierung und Betrieb entscheidend. Das liefern All-Flash-Arrays, ganz ohne versteckte Herausforderungen oder Fallstricke. Heute können Flash-Arrays quasi „out of the box“ eingesetzt werden: Sie verfügen über standardisierte SAN-Anbindungen, unterstützen Hochverfügbarkeitsszenarios via active/active Controller und bieten eine Skalierbarkeit auf bis zu hunderte von Terrabytes innerhalb eines einzigen Arrays.
ITM: Ist es für Mittelständler sinnvoll, ausschließlich auf Flash-Storage zu setzen? Oder wäre das problematisch?
McMullan: Es spricht nichts dagegen, dass auch kleinere Unternehmen vollständig auf Flash-Speicher setzen. Die vermeintlichen Probleme sind ein Mythos und stammen aus einer Zeit, als Flash-Speicher traditionelle Festplatten noch nicht in jeder Hinsicht ersetzen konnte. Besonders Mittelständler, die eine schnelle Datenbank benötigen oder eine virtuelle Desktopumgebung oder Servervirtualisierung planen, sollten sich Flash genauer ansehen. Mit der zusätzlichen Leistung verschaffen sich Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, während sich die eingesparten Kosten anderweitig investieren lassen.
ITM: Welche Zukunft sagen Sie der Flash-Technologie voraus?
McMullan: In diesem Jahr gab es eine entscheidende Veränderung im Speichermarkt, die zeigt, dass Flash die Zukunft gehört: Die etablierten Storage-Anbieter sind den Start-ups gefolgt und beginnen selbst, All-Flash-Arrays anzubieten. Wir gehen davon aus, dass 2015 Disk-Arrays zunehmend durch Flash ersetzt werden und künftig nicht nur die reine Leistungsfähigkeit, sondern auch die Erschwinglichkeit sowie Ausfallsicherheit und Integrationsmöglichkeiten als Auswahlkriterien vermehrt eine Rolle spielen werden. Zudem haben laut dem Forschungsinstitut 451 13 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr geplant, mehr in Flash-Technologie zu investieren. Im kommenden Jahr wollen 17 Prozent der Unternehmen dies tun. Zudem sind wir überzeugt, dass Flash aufgrund der niedrigen Latenzzeiten der Cloud zum Durchbruch verhelfen wird und Unternehmen ihre Rechenzentren zunehmend dahingehend modernisieren werden. Die Zukunft von Flash-Technologie ist also kurz gesagt „rosig“.