Chanaka Jayawardhena, Marketingprofessor der Universtät Hull im Vereinigten Königreich, hat eine neue Zeit entdeckt: die Mobile Economic Time. Nach den Studien des Professors surft heute ein Mensch allein während seiner Wartezeiten und Pausen mit Smartphone oder Tablet-PC im Schnitt 38 Tage pro Jahr. Dabei sind es hauptsächlich die Websites der Markenunternehmen, die der mobile Nutzer besucht – und auch schnell wieder verlässt, wenn sie nicht den entsprechenden Benutzerkomfort bieten. Wenn der benutzungsfreundliche Zugriff auf E-Commerce-Seiten das Einzige wäre, was IT-Administratoren bewältigen müssten, würden viele IT-Leiter wieder ein wenig ruhiger schlafen. Doch ähnlich wie vor rund 30 Jahren, als der „persönliche“ Computer von Apple dank seiner grafischen Benutzeroberfläche und Mausbedienung die bis dahin abgeschottete EDV aufrüttelte, elektrisiert die neue Generation von Mobilgeräten aus dem Cupertino die IT erneut.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das vor Kurzem ein Überblickspapier zu Smartphones veröffentlicht hat, erklärt, warum: „Anders als bei normalen Mobiltelefonen kann der Funktionsumfang von Smartphones nahezu unbegrenzt erweitert werden.“ Die Endgeräte sind Alleskönner mit integriertem E-Mail-Client, Web-2.0-Modul, WLAN, Bluetooth-Schnittstelle bis zum GPS-Empfänger zur Satellitennavigation. Nicht zu vergessen die Integration von Apps, die höchstens von den Grenzen des Speicherplatzes aufgehalten werden.
Was dem Nutzer gefällt, sorgt beim Sicherheitsverantwortlichen im Betrieb allerdings für Kopfzerbrechen: Als mit Abstand wichtigstes IT-Sicherheitsthema nannten die Unternehmer laut BSI-Umfrage im April 2011 den „Umgang mit Smartphones“. Das liegt auch an einem Trend, der seit Kurzem IT-Kongresse und Tagungen beschäftigt: „Bring your own device“ – und zwar an Deinen Arbeitsplatz – kurz BYOD genannt. Weil die neuen flexiblen Tausendsassas vom Geschäftsführer bis zum Vertriebsmitarbeiter geliebt und für den Zugriff auf Unternehmensdaten genutzt werden (wollen), sind die strengen Sicherheitsrichtlinien der IT fast über Nacht zur Makulatur geworden. „Verbote und Ausgrenzungen sind heute kaum noch durchzuhalten“, sagt Andreas Englisch, Experte für mobiles Arbeiten beim Netzwerk- und IT-Dienstleister BT Germany. Er macht an einem Beispiel klar, welche Durchschlagskraft die neuen Mobilgeräte haben: „Wir kennen Unternehmen, die offiziell nur einige wenige iPhones an ihre Mitarbeiter ausgegeben haben, bei denen die IT-Administratoren aber registrieren, dass mehrere Tausend solcher Smartphones auf Anwendungen wie E-Mail oder andere webbasierte Dienste zugreifen.“ Das heißt: Tausende von Mitarbeitern verwenden ihr privates Smartphone oder ihren Tablet-Computer, um von (fast) jedem Ort der Welt aus mit dem Unternehmen Daten auszutauschen.
CA Technologies, Anbieter von IT-Management-software, der die Studie zur „Mobile Economic Time“ mittrug, hat sich auf den Wandel eingestellt. Geschäftsführer Manfred Eierle von CA Technologies Deutschland benennt den Unterschied zwischen der IT-Verwaltung der alten und neuen Generation mobiler Endgeräte: „Für IT-Administratoren war das Device-Management früher einfacher, weil Unternehmen hauptsächlich den Blackberry als mobile Plattform nutzten, der auf eine Geschäftsnutzug zugeschnitten war.“ Die Crux der neuen Geräte: Sie wurden für den Privatgebrauch konzipiert und sind wie das iPhone oder iPad „nur“ mit individuellen Sicherheitskomponenten wie Antivirus oder Verschlüsselungsmechanismen, aber nicht mit Managementfunktionen ausgestattet. Diese Funktionen sind jedoch eine wichtige Voraussetzung, mobile Geräte zentral zu verwalten und eine sichere Anwendung im Geschäftsbetrieb zu gewährleisten.
„Die Absicherung der IT-Infrastruktur mit Antivirus, Firewalls, Antispam oder Sicherheits-Token ist für Unternehmen essentiell“, betont Andreas Englisch von BT, dessen Arbeitgeber bereits seit vielen Jahren sichere mobile Arbeitsplätze und Homeoffices mit einem Lösungspaket unterstützt. Bei der Sicherheit setzt der Telko-Serviceanbieter auf die Vorteile der von einem zentralen Rechenzentrum gemanagten Dienste. „Heute spricht man von der Private Cloud, früher von der Sandbox als geschütztem Raum“, erklärt Englisch. Das Prinzip ist einfach und ebenso alt: Zwar kann sich der Mitarbeiter über einen Hotspot einloggen und im Firmennetz Daten anschauen und bearbeiten, aber nicht lokal herunterladen. Das heißt, die Informationen verlassen das Unternehmensnetz nicht und sind so externem Missbrauch entzogen. Die Authentifizierung funktioniert dabei mit einem mehrstufigen Sicherheitsverfahren, ähnlich wie beim Online-Banking mit PIN und TAN.
Für Manfred Eierle von CA Technologies liegt in dieser zentralen Überwachung des Zugriffs, die zusätzlich zu den IT-Infra-struktursicherheitsmaßnahmen einzurichten ist, der Schlüssel, wie IT-Abteilungen die Smartphone-Problematik in den Griff bekommen können: „Mit der strengen, regelbasierten Authentifizierung, der Autorisierung – wer darf auf welche Daten zugreifen? – sowie besonderen Schutzmechanismen für sensible Unternehmensdaten wird eine weitere Sicherheitsebene einge-zogen.“ Um den Verlust von sensiblen Daten zu verhindern, setzt der Softwareanbieter auf Managementwerkzeuge wie das Geo-Tracking. Dieses schlägt sofort Alarm, wenn es unplausible Einlogvorgänge bemerkt. Auch ein genauer (Wieder-)Erkennungs-Check des Geräts – Fingerprint oder DNA genannt – der die CPU, Konfiguration und den Gerätetyp beim (Neu-)Anmelden ins System prüft, gehört dazu. So zeigen die Anstrengungen der ITK-Anbieter den CIOs und Managern einen Weg, wie auch Privathandys zum sicheren Teil des Unternehmensnetzwerks werden können. Der Schlaf der Sicherheitsverantwortlichen könnte also wieder ruhiger werden.
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