Nachgefragt bei Christian Meindl, Geodis Logistics

Schlummernde Potentiale

Interview mit Christian Meindl, Director High Tech bei der Geodis Logistics Deutschland GmbH

Christian Meindl, Geodis

„Grundsätzlich können in der Beschaffung von IT-Geräten Einsparpotentiale zwischen einem Gebrauchtgerät zu einem Neugerät von 50 bis zu 70 Prozent erzielt werden“, weiß Christian Meindl, Director High Tech bei der Geodis Logistics Deutschland GmbH.

ITM: Herr Meindl, inwiefern ist das Thema „IT-Remarketing“ für Mittelstandsunternehmen interessant?
Christian Meindl:


1. Beim Verkauf: Ökonomische Argumente
Statt Aufwendungen für die Entsorgung tragen zu müssen, stehen den Unternehmen durch die Wiedervermarktung flüssige Mittel für weitere Investitionen zur Verfügung.

2. Beim Kauf: Technologische Argumente
Die Funktionalität und Produktivität der Geräte liegt häufig nicht weit unter denen von Neugeräten. Viele Anwendungen wie E-Mail-Clients und herkömmliche Office-Produkte bedürfen nicht unbedingt des neuesten Stands der Technik im Hinblick auf Systemperformance und rechtfertigen auch häufig nicht die teure Anschaffung für neue Hardware.

3. Allgemein: Ökologische Argumente
Wiedervermarktung vermeidet die Produktion von neuen Geräten und trägt somit aktiv zur Senkung des CO2-Ausstoßes sowie zur Senkung des Bedarfs an fossilen Brennstoffen und Edelmetallen bei. Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Bedarf für die Produktion eines einzelnen Desktops bei 240 kg fossilen Brennstoffen, 22 kg Chemikalien und 1.500 kg Wasser liegt, dann ist die Wiedervermarktung in den meisten Fällen nicht nur eine sinnvolle ökonomische und technologische Entscheidung, sondern auch eine ethische und umweltbewusste dazu.

ITM: Welche Einsparpotentiale können mit Remarketing grundsätzlich erzielt werden?
Meindl:
Grundsätzlich können in der Beschaffung von IT-Geräten Einsparpotentiale zwischen einem Gebrauchtgerät zu einem Neugerät von 50 bis zu 70 Prozent erzielt werden. Einsparpotential für ein Unternehmen, welches sich für eine Wiedervermarktung ihrer gebrauchten IT-Geräte entscheidet, liegt in den dann hinfälligen Entsorgungskosten.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der kleinen und mittelständischen Unternehmen an der Nutzung von gebrauchter, aber wiederaufbereiteter Hardware – und was sind die Hintergründe?
Meindl:
Das heutige Interesse des inländischen Mittelstands an gebrauchter Hardware ist leider noch sehr gering. Die mittelständischen Unternehmen müssen weiterhin sensibilisiert werden; nicht nur mit plausiblen ökonomischen, technologischen oder gar ökologischen Argumenten, sondern auch durch die Schaffung eines nachhaltigen Mehrwertes, der Kontinuität gewährleistet. Dieser Mehrwert ist z.B. definiert durch Serviceleistungen wie Wartung, Reparatur und Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Exakt diese „After Sales“-Leistungen machen neben dem günstigen Kaufpreis den Unterschied zu Neuware aus und sind in der Regel die auschlaggebenden Kriterien für die Kaufentscheidung gebrauchter Hardware.

Des Weiteren sind die Unternehmen interessiert, durch den Erwerb von gebrauchtem bzw. aufgearbeitetem IT-Equipment Ersatzbeschaffungen der bestehenden Technologien durchzuführen. Dies gewährleistet Homogenität und reduziert den Wartungs- und Betreuungsaufwand für die internen IT-Abteilungen erheblich. Zusätzlich kann für Projekte gebrauchtes IT-Equipment sehr kurzfristig beschafft werden.

ITM: Ist eine höhere Leasing- oder Verkaufsquote von wiederaufbereiteter IT-Hardware zu verzeichnen? Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Meindl:
Gebrauchtes IT-Equipment wird generell von Firmen käuflich erworben. Diese Geräte werden nicht zum Leasing angeboten.

ITM: Welche Vorteile haben Mittelständler, wenn sie gebrauchte Hardware kaufen? Was sind wiederum die Nachteile?
Meindl:
Neben den bereits aufgeführten Vorteilen ist zusätzlich anzumerken, dass die Beschaffung von Second-Life-IT zeitnah und flexibel stattfinden kann, was gerade in determinierten Projekten einen großen Benefit darstellen wird. Betrachtet man ceteris paribus den gesamtunternehmerischen Umsatz und das für gebrauchte Hardware eingesetzte Kapital, so erzielt das Unternehmen in diesem Fall eine weitere Gewinnspanne, als das mit Neuware der Fall wäre.

Als nachteilig ist zu sehen, dass die Abschreibungen auf das Anlagevermögen geringer sind als bei Neuware, was ebenfalls bei Kaufentscheidungen berücksichtigt wird. Weiterhin erschweren die gängigen subjektiven Empfindungen, die häufig mit dem Kauf gebrauchter Hardware einhergehen, die Entscheidung zum Erwerb dieser. Generell sind keine Qualitätseinbußen zu vermerken, jedoch befürchten viele potentielle Käufer eine schlechte(re) oder gar von vorneherein defekte, kurzlebige Ware hinter Second-Life-IT und schrecken vom Kauf zurück.

ITM: Kaufen Unternehmen überhaupt noch neue Hardware selbst ein, um sie dann bis zum „End of Life“ zu nutzen, oder leasen bzw. mieten sie neue Geräte von vorneherein?
Meindl:
Das ist sicherlich abhängig von der Branche und der Größe des jeweiligen Unternehmens, ebenso wie von dessen Geschäftsstruktur. Eine kleine Designagentur benötigt beispielsweise wesentlich weniger Umfang in ihrer IT und vor allem keine standardisierte Ware, verglichen mit einem Call-Service-Dienstleister, dessen Mitarbeiter an vereinheitlichten Arbeitsplätzen sitzen. Der Dienstleister wird seine IT mit hoher Wahrscheinlichkeit leasen, das Designbüro nicht.

ITM: Inwiefern nutzen Mittelstandsunternehmen die Option, ihre alte Hardware (Computer, Server, Notebooks, Tablets etc.), die sie einst selbst angeschafft haben, an IT-Remarketing-Firmen zu verkaufen, um daraus Gewinne zu erzielen?
Meindl:
Wie bereits erwähnt, ist das Interesse des Mittelstandes noch steigerungsfähig. Daher wird die Option nicht so häufig genutzt, wie es sein könnte – dies liegt zumeist an der noch ausgeprägten Unkenntnis der Entscheidungsträger. Häufig gehen die Unternehmen von bereits voll abgeschriebenem Anlagevermögen aus, für das man technologiebedingt keine weitere Verwendung mehr hat. Die Kosten für ordnungsgemäße Entsorgung werden in Kauf genommen. Ein weit verbreiteter Irrtum: Sogar funktionstüchtige Pentium-4-PCs können gewinnbringend wiedervermarktet werden.

ITM: Welche Gründe könnten die Unternehmen von jener Option abhalten?
Meindl:
Jeder IT-Nutzer macht sich Sorgen um die Sicherheit seiner geschäftlichen und natürlich auch persönlichen Daten und Arbeiten. Bei der „Weggabe“ des alten Equipments entstehen folglich Ängste um Datensicherheit, Datenverlust und vor allem Datendiebstahl. Durch gezielte Aufklärungsarbeit kann man hier entgegenwirken und die Ängste beseitigen. Es gibt auf dem Markt zertifizierte Methoden zur Datenlöschung, die eine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass der Partner, an den die gebrauchten Geräte verkauft werden sollen, bestimmte Zertifizierung vorweist, wie z.B. Tapa FSR A.

ITM: Wie lässt sich denn generell ein bestmöglicher Gewinn mit alten Geräten erzielen?
Meindl:
Ein bestmöglicher Gewinn lässt sich durch das additive Anbieten von Mehrwertleistungen erzielen. Diese sogenannten „Value Added Services“, beispielsweise zertifizierte Datenlöschung,  Auditierung, Tests, Aufwertung der Hardware selbst und das Aufspielen von Betriebssystemen, erhöhen deutlich den Gewinn in der Wiedervermarktung von gebrauchter IT.

ITM: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des IT-Remarketing-Bereichs ein?
Meindl:
Die Entwicklung des IT-Remarketing verspricht noch viel, vor allem, wenn man die schlummernden Mittelstandspotentiale aufwecken und für das Geschäft des Remarketing gewinnen kann. Zusätzlich sind auch folgende Faktoren anzumerken, die positiv auf die Businessentwicklung einwirken und somit Expansion versprechen:

  • Der Markt im IT-Bereich wächst immer schneller, und verbesserte Programme machen für Unternehmen die Aufrüstung und/oder den Tausch bestehender IT nötig, um mithalten zu können.
  • Businessmodelle wie BYOD versprechen ebenfalls Remarketing-Potential.
  • Die Technik wird allgemein immer kurzlebiger, obwohl deren Life Cycle längst nicht ausgeschöpft ist.
  • Der Trend zum Cloud Computing ist weiterhin als wegweisend anzusehen. Dieser businessorientierte Weg des Arbeitens am und mit PCs geht mit diesem Vermarktungsmodell konform, da zur Nutzung der Cloud nicht die marktaktuellste und leistungsstärkste Hardware benötigt wird. Ein simpler PC mit Webbrowser bzw. ein alterndes Notebook mit Netzzugang sind ausreichend.

ITM: Wie ist Geodis heute in diesem Geschäftsfeld positioniert?
Meindl:
Durchschnittlich werden aktuell von uns innerhalb Deutschlands 500.000 Geräte pro Jahr bearbeitet. Der große Vorteil, den wir unseren Kunden bieten können, ist das Leistungsgesamtpaket aus einer Hand. Dieses beinhaltet neben der zentralen Rückführung von Geräten aus 33 Ländern ebenfalls die Abdeckung sämtlicher technischer Dienstleistungen, die sich je nach Auftrag aus dieser Rückholung ergeben. 85 Prozent der bearbeiteten Waren gehen in die Wiedervermarktung. Die anderen 15 Prozent werden zum Teil für die Gewinnung von Ersatzteilen herangezogen, der Rest wird in 38 Fraktionen zerlegt und nach gesetzlichen Vorgaben fach- und umweltgerecht final entsorgt.

Unter strengsten Sicherheitsbedingungen werden im 22.000 qm großen Asset Recovery Center in Nieder-Olm sämtliche Daten irreversibel nach zertifizierten Methoden gelöscht. Sämtliche Prozesse sind ISO-zertifiziert. Seit April 2013 ist das Asset Recovery Center als deutschlandweit einziges Center seiner Art „Tapa FSR A“-geprüft und ausgezeichnet. Die Tapa Organisation ist eine Vereinigung zur Minimierung von Verlusten innerhalb der Lieferkette. Die Zertifizierung bescheinigt uns in Nieder-Olm einen hohen Sicherheitsstandard und macht uns attraktiver für Kunden.

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