Aktuell setzen Mittelständler vor Ort häufig auf eigenen Network Attached Storage und Storage Area Networks. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Hybride Cloud-Modelle geben die Flexibilität, dass auch sehr große Mengen verschlüsselter Daten sicher und dauerhaft abrufbar gespeichert werden können“, sagt Thomas Thiemann. ((Bildquelle: Conciso))
Wenn sich Mittelständler anno 2022 für einen Storage-Anbieter entscheiden, sollten sie in erster Linie auf die Einfachheit der Anwendung achten. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Um Platz zu sparen, helfen natürlich das Filtern von Daten und das Aufbewahren nur der notwendigsten Daten“, weiß Michael Kantner. ((Bildquelle: OVHcloud))
Markus Grau: „Die Nutzung von Cloud-Storage ist in vielen Fällen attraktiv – gerade für z.B. Archivdaten, da diese sehr selten im Zugriff sind und keine Zugriffskosten verursachen.“ ((Bildquelle: Pure Storage))
Während in den vergangenen zwei Jahren vor allem die Corona-Pandemie die Nachrichtenkanäle mit Informationen überschwemmte, sind es seit einigen Tagen eher Kriegsschlagzeilen und -bilder, die den nahenden Frühling überschatten. Der Angriff von Russland auf die Ukraine bestürzt die Menschen weltweit und aus Karnevalsfeiern wurden plötzlich Friedensdemonstrationen. Im Rahmen des aktuellen Kriegsgeschehens warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor zunehmenden Cyberattacken und hat das Nationale IT-Krisenreaktionszentrum aktiviert. Darüber hinaus hat das BSI auch seine Zielgruppen, darunter die Bundesverwaltung, Betreiber Kritischer Infrastrukturen und weitere Organisationen und Unternehmen sensibilisiert und zu einer erhöhten Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft aufgerufen. Es herrsche derzeit eine erhöhte Bedrohungslage für Deutschland, allerdings sei aktuell keine akute Gefährdung der hiesigen Informationssicherheit im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine ersichtlich. Diese Situation könne sich nach Einschätzung des BSI aber jederzeit ändern.
Laut Novastor wird bereits seit Jahren vor dem Einsatz von Sicherheitstechnologie aus Russland gewarnt – die US-Maßnahmen gegen Kaspersky Lab seien nur ein prominentes Beispiel. Aber auch in anderen Bereichen, wie z.B. der Datensicherung – Stichwort „Backup“ –, kämen führende Systeme wie z.B. Veeam aus Russland oder werden dort entwickelt. Damit hätten die Machthaber uneingeschränkten Zugang auf deren Technologie bzw. Source Code und könnten die Systeme als „Backdoor“ für Cyberangriffe auf die gesicherte Infrastruktur nutzen.
Umso wichtiger ist es anno 2022, eine vernünftige Storage- und Backup-Strategie zu etablieren, um einerseits der Datenflut, andererseits auch möglichen Cyberrisiken zu trotzen – so auch im deutschen Mittelstand. „Ich sehe eine zunehmend strategisch durchdachte Herangehensweise, die auf Flexibilität und Performance abzielt“, berichtet Markus Grau, Principal Technology Strategist bei Pure Storage. „Mittelständische Unternehmen wollen nur so viele finanzielle Mittel binden wie nötig und zugleich über eine stets aktuelle Storage-Umgebung verfügen.“ Entsprechend beinhalteten die Strategien skalierbare Plattformen, Subskriptionsmodelle sowie einen wachsenden „As a Service“-Anteil.
Als Cloud-Provider tritt OVHcloud z.B. in der Regel mit dem Mittelstand in Kontakt, wenn dieser eine gewisse Reife erreicht hat. „Dennoch scheint bei vielen ein Fragezeichen stehen zu bleiben, wenn es um die angestrebte Storage-Lösung geht“, meint Senior Presales Engineer Michael Kantner. Bei den meisten Interessenten finde er Storage-Systeme, die normalerweise generalistisch angelegt sind. Die Erwartungshaltung sei, dass in Zukunft ebenfalls ein generalistischer Storage eine akzeptable Lösung sei. Laut Kantner werde dem nicht so sein. „Die Zukunft fordert bedarfsgerechten Storage, was die ohnehin schon hohe Komplexität moderner IT-Anforderungen weiter erhöht.“
Anforderungen – ein gutes Stichwort. Denn ein effizientes Storage-Management sollte natürlich einige bestimmte Kriterien erfüllen. An dieser Stelle nennt Thomas Thiemann von der Conciso GmbH drei Schlagworte: „Availability“, „Durability“ und „Security“. „Unternehmen möchten auf ihre Daten möglichst jeder Zeit sofortigen Zugriff haben. Zudem sollten die Daten auch in Extremsituationen – etwa bei Hardware-Defekten, Naturkatastrophen usw. – nicht dauerhaft verloren gehen“, erläutert der Senior Consultant. „Und schließlich wollen Unternehmen allein festlegen, wer wann auf welche Daten Zugriff erhält.“ Sichergestellt werden müsse ebenfalls, dass die Daten auch nach längerer Zeit auf einem Speichermedium noch lesbar sind.
Dass die Komplexität der Aufgabe „Data Management“ für viele Mittelständler eine echte Herausforderung ist, kann auch Markus Grau bestätigen. Ferner entstünden den Unternehmen oft Probleme durch fehlende Agilität, da es in klassischen Bezugs- und Nutzungsmodellen oft recht lange dauere, bis benötigter Storage bereitgestellt werde. „Außerdem sehen wir bei KMU einen Mangel an Automation, wodurch das IT-Management sehr aufwendig wird“, so Grau. „Zu guter Letzt stellen auch neue Workloads wie beispielsweise Container eine große Herausforderung dar, wenn in der Vergangenheit stets nur ein ‚Good Enough‘-Ansatz verfolgt wurde.“
Am häufigsten setzen Mittelständler – da sind sich alle drei Experten einig – vor Ort auf eigenen Network Attached Storage (NAS) und Storage Area Networks (SAN), vor allem bei sensiblen Daten. „Erfreulicherweise sind diese Systeme meist auch mit Offsite-Backups ausgestattet“, meint Michael Kantner. Allerdings sei es inzwischen durch die Komponentenknappheit für Unternehmen schwieriger geworden, „defekte Teile zu ersetzen bzw. alte Systeme auszutauschen“, ergänzt Thomas Thiemann. Darüber hinaus registrieren die Experten im Mittelstand steigendes Interesse an leistungsfähigem Object Storage sowie vor allem auch an Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Lösungen.
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Die großen Cloud-Anbieter ermöglichen den Zugang zu Storage-Lösungen, die eine Availability und Durability bieten, die mittelständische Unternehmen in ihren Inhouse-Rechenzentren nicht erreichen können. Vorteilhaft ist laut Thiemann außerdem, dass die verfügbaren Kapazitäten unbegrenzt sind und sich sehr flexibel skalieren lassen. Ein Selbstläufer seien Storage-Lösungen allerdings nicht, warnt der Experte, „weil die Verantwortung für die Konfiguration beim jeweiligen Unternehmen selbst liegt“. Und davon hingen maßgeblich Sicherheit und Kosten ab. Michael Kantner von OVHcloud muss weit zurückdenken, bis ihm ein Kunde oder Projekt einfällt, bei dem Cloud-Storage keine Rolle gespielt hat. „Das mag an meinem Job bei einem Cloud-Provider liegen, mein Gefühl ist jedoch, dass Cloud-Storage heutzutage nicht mehr wegzudenken ist.“ Er betont: „Cloud-Storage ist wichtig! Nicht nur für Aktivposten, sondern auch für die Archivdaten lassen sich in einem Cloud-basierten Storage Daten lange, sinnvoll und günstig aufbewahren.“
Günstig – ein nächstes gutes Stichwort. Denn wer will schon viel Geld im Rahmen des Storage-Managements ausgeben? Zum Glück gibt es ein paar Tricks und Tools, mit denen sich nicht nur Platz, sondern vor allem auch Kosten sparen lassen. „Software-seitig sehe ich hier im Wesentlichen die Datenreduktionstechniken wie Deduplikation und Kompression, mit denen der Speicherplatzbedarf – und damit die Kosten – deutlich gesenkt werden können“, so Markus Grau von Pure Storage. Hardware-seitig hätten höhere Packungsdichten einen starken Effekt. Ein weiterer Ansatz zur Reduktion der Storage-Kosten seien die „As a Service“-Modelle. Bei Nutzung dieser wird natürlich nur das bezahlt, was im Rechenzentrum steht und tatsächlich genutzt wird.
„Meistens sind Cloud-Lösungen die beste Lösung, um Kosten einzusparen“, betont Michael Kantner. Durch schnelle und nahezu grenzenlose Skalierung und Elastizität stehe jederzeit der Storage bereit. Dabei spiele es keine Rolle, ob Block, File, NAS oder Object. „Sobald man Georedundanzen und Verfügbarkeit gegen lokale Systeme rechnet, gewinnt fast immer die Cloud“, ist er überzeugt.
Doch wie ist es in der Cloud um die Datensouveränität und -sicherheit bestellt? Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz sind in Europa Grundrechte. „Wer diese Werte teilt und vertritt, muss einen souveränen Provider wählen und sich über Datenschutz aufklären lassen – keine Ausreden“, betont Kantner. Datensicherheit auf der anderen Seite ist seiner Ansicht nach ein relativ einfaches Thema, schließlich seien die Standards aller bekannten Cloud-Lösungen sehr hoch. In die gleiche Kerbe schlägt Thiemann: „Die Cloud-Anbieter stellen einfach zu verwendende Lösungen auf dem aktuellen Stand der Technik bereit. Dafür können sie unterschiedliche unabhängige Zertifizierungen vorweisen, die die Sicherheit der verschlüsselten Daten belegen.“
Wenn sich Mittelständler anno 2022 für einen Storage-Anbieter entscheiden, sollten sie in erster Linie auf die Einfachheit der Anwendung achten. Hier haben sich laut Markus Grau Cloud-ähnliche Betriebsmodelle bewährt, die sehr intuitiv sind. „Zudem rate ich, auf Subskriptionsmodelle zu setzen, die gewährleisten, dass der Storage-Anbieter dem Unternehmen für einen festen Zeitraum ohne Mehrkosten stets die aktuellen Innovationen zur Verfügung stellt.“ Dazu zählen neben neuen Controllern auch regelmäßige Software-Updates und neue Features. Abschließend möchte der Principal Technology Strategist Unternehmen dazu raten, bei der Auswahl einer neuen Speicherlösung nicht nur auf traditionelle Anwendungen zu achten, sondern auch daran zu denken, dass containerisierte Applikationen in Zukunft „deutlich an Bedeutung“ gewinnen werden.