Cyberbedrohungslage

„Sehr hoch und Tendenz steigend“

Im Interview erklärt Stephan Dykgers, Area Vice President EMEA bei Imperva, wie er die Cyberbedrohungslage für den deutschen Mittelstand derzeit einschätzt.

Cyberbedrohungslage

„Im Ernstfall können Hackerangriffe extreme wirtschaftliche Schäden, aber auch Imageverluste nach sich ziehen“, mahnt Stephan Dykgers.

ITM: Herr Dykgers, wie hoch schätzen Sie die Cyberbedrohungslage in Deutschland anno 2023 ein?
Dykgers: Sehr hoch und Tendenz steigend – treibende Faktoren dafür sind der Russland-Ukraine-Krieg und die kritische wirtschaftliche Lage im Land.

ITM: Was sind die Gründe dafür, dass die Zahl erfolgreicher Hackerangriffe auf Unternehmen, Organisationen und Privatleute in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen ist?
Dykgers: Zunächst wäre da der Mangel an Fachkräften, um Sicherheitslösungen erfolgreich implementieren und betreiben zu können. Dadurch entstehen größere Sicherheitslücken. Zudem ist die Security Awareness in vielen Unternehmen nicht ausreichend. Im Gegenzug sind die Zahl der Angreifer und deren finanziellen Möglichkeiten in den letzten Jahren erheblich gestiegen.

ITM: Welche Folgen kann ein geglückter Hackerangriff auf das IT-System eines Unternehmens oder einer Behörde im Ernstfall haben?
Dykgers: Im Ernstfall können Hackerangriffe extreme wirtschaftliche Schäden, aber auch Imageverluste sowie den Verlust von geistigem Eigentum nach sich ziehen.

ITM: Was sollten Unternehmen tun, sobald sie einen Angriff (oder Angriffsversuch) auf ihre IT bemerken?
Dykgers: Umgehend den Vorfall an die entsprechenden Stellen melden, sowie den eigenen Notfallplan befolgen. Schlimmstenfalls auch externe Spezialisten hinzuziehen.

ITM: Wer ist in puncto „Cybersicherheit“ in Deutschland zurzeit mehr gefährdet – Konzerne oder Mittelständler?
Dykgers: Meines Erachtens gibt es hier keinen signifikanten Unterschied – sowohl Konzerne als auch Mittelständler sind permanente Ziele für gezielte Angriffe.

ITM: Welche Maßnahmen sind am sinnvollsten, um für einen effektiven Schutz vor Cyberbedrohungen zu sorgen?
Dykgers: Präventive Maßnahmen sind wünschenswert. Hierzu sollte man meines Erachtens die eingesetzten Security-Lösungen so effizient wie möglich zu nutzen. Zudem muss ein Notfallplan für den „Worst Case“ zwingend vorliegen. Begleitend sollten intern regelmäßig Security-Awareness-Kampagnen gefahren werden, um das Bewusstsein der Mitarbeiter für die Cybersicherheit zu schärfen.

ITM: Was wünschen Sie sich von der Politik, um das Schutzniveau des Wirtschaftsstandorts Deutschland vor Cyberkriminalität noch weiter zu verbessern?
Dykgers: Erstens: Präventive Maßnahmen und Security-Kampagnen erhöhen. Zweitens: Die verstärkte Ausbildung von Fachkräften – dabei auch Schulen und Universitäten mit einbeziehen und bereits dort gezielt eine erhöhte Security Awareness schaffen. Und nicht zuletzt: Die Zusammenarbeit mit der Security-Industrie (Hersteller, Partner & Kunden) weiter fördern und verbessern. Denn nur zusammen können wir das Schutzniveau verbessern.

Bildquelle: Imperva

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