Ingmar Wopp, Geschäftsführer 1blu Business GmbH
ITM: Herr Wopp, wie hoch ist derzeit die Nachfrage mittelständischer Unternehmen nach Servern?
Ingmar Wopp: Wir beobachten eine stetige Zunahme der Nachfrage nach gemanagten, dedizierten Servern. Immer mehr mittelständische Firmen beschäftigen sich mit dem Thema IT-Outsourcing und erkennen die Einsparpotentiale bei gleichzeitig flexibleren und komfortableren Einsatzmöglichkeiten für ihre Unternehmensanwendungen.
ITM: Welche Merkmale prädestinieren einen Server für den Einsatz im Mittelstand?
Wopp: Ein eigener Server bietet sämtliche Möglichkeiten für den Einsatz individueller und flexibler Lösungen – etwa bei der Gestaltung einer modernen Webpräsenz, der Konfiguration eines Shop-Systems oder der Datenverwaltung. Angebote von der Stange sind für den Mittelstand auf Dauer in der Regel nicht ausreichend, da sie nicht oder nicht schnell genug an neue oder veränderte Anforderungen angepasst werden können.
Bei einem Server können sowohl die Hardware, also etwa Festplattenspeicher, RAM oder Prozessoren als auch das eingesetzte Betriebssystem oder die Anbindung im Rechenzentrum punktgenau an die Bedürfnisse des Kunden angepasst werden. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die im Rechenzentrum eines professionellen IT-Dienstleisters in der Regel deutlich günstiger und einfacher erfüllt werden können, als im unternehmensinternen Server-Schrank. Dazu zählen unter anderem die Klimatisierung, eine redundante Internetanbindung oder auch die ausfallsichere Stromversorgung.
ITM: Wie treffen IT-Verantwortliche die richtige Wahl?
Wopp: Die meisten IT-Verantwortlichen sind von den Vorteilen eines eigenen Servers für ihr Unternehmen schnell überzeugt. Viele werden aber unsicher, wenn sie anfangen, die konkrete Umsetzung des Server-Projekts zu planen. Denn ein ganz zentraler Punkt ist die Migration bereits vorhandener Daten auf den neuen Server und die Unterstützung, die das Unternehmen hierbei benötigt. Es ist ja in der Regel schon ein eigenes, zum Teil recht umfangreiches firmeninternes System vorhanden, was ohne Datenverlust und möglichst unterbrechungsfrei übertragen werden muss. Aus Angst vor dieser Hürde entscheiden sich leider manche IT-Leiter gegen den eigenen Server bzw. das Outsourcing, obwohl sie wissen, dass er ihnen, einmal fertig eingerichtet, viele Vorteile bringt.
Wir unterstützen unsere Kunden deshalb intensiv beim Umzug und erarbeiten gemeinsam mit dem IT-Verantwortlichen eine individuelle Migrationsstrategie, die wir dann technisch vorbereiten und selbstverständlich auch durchführen.
ITM: Inwieweit spielt die Server-Last eine Rolle als Auswahlkriterium?
Wopp: Bei der Verwendung eines Shared-Hosting-Systems oder eines virtuellen Servers kann es unter Umständen zu Beeinträchtigungen der Server-Performance durch andere Nutzer auf dem gleichen System kommen. Ein eigener, dedizierter Server schließt diese Störungen aus, da das gesamte Server-System exklusiv zur Verfügung steht.
ITM: Welche Vorteile haben kleine und mittelständische Unternehmen von einem eigenen Server-Betrieb?
Wopp: Ein eigener Server bietet ein Höchstmaß an Flexibilität, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit. Bereits bei der Planung lassen sich alle Komponenten individuell auf aktuelle und in weiten Teilen auch mögliche zukünftige Anforderungen anpassen. Neben Hardware und Ausstattung betrifft das z.B. die Anbindung an das Internet. So macht für einen Softwarehersteller, der regelmäßig viele, gleichzeitige Zugriffe auf seine neueste Softwareversion verzeichnet, unter Umständen eine eigene Anbindung Sinn. Ein Architekturbüro, was zwar große Dateien verschickt, aber keine hohen Zugriffszahlen hat, kommt dagegen wunderbar mit einer Standardanbindung aus.
Um die bestmögliche Server-Konfiguration planen und den Server optimal einsetzen zu können, führen wir zunächst intensive Gespräche mit unseren Kunden und fragen genau, welche Applikationen zu welcher Zeit auf dem Server angewendet werden und wie viele User-Zugriffe zu erwarten sind.
ITM: Was passiert, wenn der Server ausfällt? Welche Sicherheitsvorkehrungen können getroffen werden?
Wopp: Schon im Vorfeld sollten IT-Verantwortliche mit ihrem Dienstleister besprechen, welche Anforderungen sie im Bereich Verfügbarkeit an das Serversystem haben. Genügt ein einzelner dedizierter Server, der z.B. aufgrund eines Hardwaredefekts kurzzeitig ausfallen kann oder wird ein Hochverfügbarkeitssystem benötigt, das dieses Risiko minimiert? Dies kann z.B. ein gespiegeltes Failover-System mit zwei Servern sein. Bei einem möglichen Ausfall des einen übernimmt dann jeweils der andere Server den Betrieb.
Ein solches System ist vor allem für besonders unternehmenskritische Anwendungen sinnvoll und natürlich mit höheren Kosten verbunden. Doch auch bei einem einzelnen Server lassen sich Ausfallzeiten durch individuell mit dem IT-Dienstleister vereinbarte Service-Level-Agreements minimieren. Sie legen beispielsweise das Monitoring des Servers fest, gewährleisten einen technischen Ansprechpartner für Notfälle oder regeln die Zeit innerhalb derer ein defektes Hardwareteil ausgetauscht wird.
ITM: Wann sollte ein Mittelständler besser auf Standardsysteme z.B. auf Windows- oder Linux-Basis zurückgreifen, wann sind spezialisierte Serverplattformen sinnvoll?
Wopp: Speziallösungen sind in der Regel teurer in der Administration und Entwicklung und weniger flexibel als Standardsysteme. Das liegt z.B. daran, dass weniger speziell geschultes Fachpersonal zur Verfügung steht oder Anpassungen stets individuell entwickelt werden müssen. Überspitzt formuliert kann ein VW Golf in so gut wie jede Werkstatt, während der Formel1-Wagen sein eigenes Entwicklerteam benötigt. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden den Einsatz von Spezialsystem nur dann, wenn es die Anforderungen des Unternehmens zwingend erfordern.
ITM: Wird der Serverschrank auf Dauer durch Cloud Computing ersetzt werden?
Wopp: Das Thema IT-Outsourcing wird sowohl hinsichtlich der Anwendungsmöglichkeiten als auch kostenseitig immer relevanter und spannender für Unternehmen. Der eigene Serverschrank muss ja nicht nur gewartet werden, es fallen auch Kosten für die Klimatisierung, Anbindung und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung an. Individuelle Cloud-Lösungen bieten den Unternehmen schon heute mehr Flexibilität und Komfort für ihre Anwendungen bei gleichzeitig geringeren Kosten. Risiken, wie etwa hinsichtlich des Datenschutzes, lassen sich durch individuelle Private-Cloud-Lösungen in einem deutschen, zertifizierten Rechenzentrum minimieren.
ITM: Welche Servertypen eignen sich für Virtualisierungszwecke?
Wopp: Der Einsatz eines Servers zur Virtualisierung stellt besondere Anforderungen an das Server- und Betriebssystem. Bei Bedarf beraten wir unsere Kunden hier entsprechend und stellen neben geeigneter Hardware auch spezielle Linux- und Windows-Betriebssysteme zur Verfügung, die eigens für den Einsatz in einer virtuellen Umgebung geeignet sind.
Bildquelle: Thinkstock/ iStock