Die Firmenpräsentation ist auf einem USB-Stick gespeichert. Das Passwort seit Jahren das gleiche. Umfassende Sicherheitsrichtlinien – Fehlanzeige. Vor allem der deutsche Mittelstand scheint weit von einer Strategie gegen Spionage und Datenklau entfernt. Dabei ist das Risiko, Opfer eines digitalen Angriffs zu werden, so hoch wie nie zuvor. Eine Studie des Bitkom unter mehr als 1.000 Firmen fand heraus, dass bereits jedes zweite deutsche Unternehmen Ziel von Cyber-Attacken ist, fast die Hälfte der betroffenen Unternehmen sieht sich regelmäßig IT-Angriffen ausgesetzt. Besonders beliebt bei Hackern: die Automobilbranche. Der Großteil der Angriffe zielt auf diesen Industriezweig, dicht gefolgt von der Chemie- und Pharmabranche sowie Banken und Versicherungen. Der durch Spionage und Datenklau entstandene Schaden wird von den Befragten auf etwa 51 Mrd. Euro jährlich geschätzt – primär durch Know-how-Klau und Umsatzeinbußen aufgrund nachgeahmter Produkte.
Umso erstaunlicher: Nur knapp die Hälfte aller Firmen in Deutschland ist ausreichend auf Hacker-Angriffe und Datendiebstahl vorbereitet. Auch wenn es eine 100-prozentige Sicherheit nicht gibt – mit ein paar Regeln können Unternehmen interne und externe Gefahren reduzieren und ihre Daten besser schützen.
Schotten dicht machen!
Dreh- und Angelpunkt jeglicher Sicherheitsmaßnahmen sind die eigenen Mitarbeiter. Das sicherste Netzwerk schützt nicht vor Datenverlust, wenn Mitarbeiter sensible Daten unverschlüsselt auf USB-Sticks speichern oder ihr Benutzerpasswort nicht ändern. Denn nicht nur für Mitarbeiter ist das Passwort die Eintrittskarte zum jeweiligen Account. Starke Passwörter sollten bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen, am sichersten ist es, keine zusammenhängenden Wörter oder Zahlenfolgen der Tastatur zu verwenden. Denn Hacker haben Werkzeuge, die vollautomatisch alle möglichen Zeichenkombinationen ausprobieren oder ganze Wörterbücher einschließlich gängiger Kombinationen aus Worten und angefügten Zahlen testen. Wichtig ist es zudem, verschiedene Passwörter für unterschiedliche Dienste zu nutzen und diese regelmäßig zu ändern. Das Handling der verschiedenen Passwörter vereinfachen beispielsweise Password Manager wie Keepass. Der Vorteil: Der Nutzer muss sich nur ein einziges Passwort merken, das Programm generiert für jeden Account oder Dienst ein individuelles und unter Sicherheitsaspekten überzeugendes Passwort.
Zudem empfiehlt sich eine zweistufige Authentifizierung. Um sich einzuloggen, benötigen Nutzer dann neben ihrem Kennwort noch einen zusätzlich auf ihrem Smartphone oder einem sonstigen Endgerät generierten Code, um ihre Anmeldung und Identität zu verifizieren. Diese zusätzliche Sicherheitsfunktion hindert andere daran, auf fremde Accounts zuzugreifen – selbst wenn das Passwort geknackt wurde. Gleichzeitig schützt dieses weitere Sicherheitslevel beim mobilen Arbeiten davor, dass sich jemand unerlaubt über einen Mitarbeiterzugang einhackt.
Zugriffsrechte kappen
Mitarbeiter gehen, neue Kollegen kommen – das gehört in jedem Unternehmen zum Alltag. Aber Firmen unterscheiden sich in den hierzu etablierten Prozessen. Denn: So klar beim Ausscheiden eines Mitarbeiters die Rückgabe von Schlüsseln und Endgeräten ist, so nachlässig fällt oft das Kappen des Zugangs zu Unternehmensdaten aus. Unmittelbar nach dem Ausscheiden eines Mitarbeiters sollten Log-in und der Zugang zu sensiblen Daten gesperrt werden. Hilfreich ist es, eine detaillierte Übersicht aller Services zu haben, die Mitarbeiter im Arbeitsalltag nutzen. Dann kann leicht überprüft werden, ob alle relevanten Zugänge gesperrt wurden.
Keine Software ist perfekt. Aus diesem Grund gibt es Updates von Internet-Browsern, Betriebssystemen oder Anti-Virus-Programmen. Updates sind notwendig, weil sie auch Sicherheitslücken schließen. Experten empfehlen zudem, spezielle Software zum Aufspüren von Angriffen einzusetzen und die Systeme regelmäßig zu überprüfen. Denn mitunter fallen Hacker-Angriffe bei den Unternehmen lange Zeit nicht auf – dies lässt keinen Spielraum für eine geeignete Reaktion oder eine verbesserte Sicherheitsstrategie.
Mittlerweile sind externe Berater oder professionelle Hacker, die Unternehmen in Sachen IT-Sicherheit beraten, schwer gefragt. Durch sogenannte Penetrationstests können externe Angriffe auf Server und Netzwerke simuliert werden, um Lücken in Systemen zu finden und Maßnahmen zur Sicherung zu etablieren.
Auch wenn die Bedrohung durch digitale Angriffe wächst, hinkt die Ingenieursnation Deutschland beim Schutz des eigenen Know-hows hinterher. Laut einer Umfrage sind mittelständische Firmen mit 61 Prozent aller befragten Unternehmen am stärksten von Spionageakten betroffen, höhere Investitionen in die Informationssicherheit sind daher dringend nötig. Doch lässt sich der Kampf gegen Cyber-Kriminalität nicht mit Technik allein gewinnen. Das Arbeiten, der Arbeitsplatz und die Endgeräte werden flexibler – umso wichtiger ist es, Mitarbeiter über Sicherheitsrisiken aufzuklären und sie zu schulen, sich selbst besser zu schützen.
- 7 Tipps zur Hacker-Abwehr
- Tipp 1: Passwörter richtig einsetzen
Denn sie sind das Einfallstor für digitale Angreifer. Nur wer hier bestimmte Anforderungen einhält und regelmäßig aktualisiert, schützt seine Accounts vor unberechtigtem Zugriff.- Tipp 2: Mehr Sicherheit im Umgang mit mobilem Arbeiten
Arbeit und Arbeitsplatz werden flexibler – damit steigt die Angriffsfläche. Gerade bei mobilen Anwendungen sollten doppelte Sicherungen als Ergänzung zur einfachen Passworteingabe zum Standard gehören.- Tipp 3: Richtlinien bei Mitarbeiterwechsel etablieren
Mitarbeiter und ehemalige Angestellte sind bis heute die Gefahrenquelle Nummer eins in Unternehmen, laut Bitkom-Umfrage gehen 52 Prozent der Angriffe auf ihr Konto. Umso wichtiger ist es, beim Ausscheiden von Mitarbeitern darauf zu achten, dass alle Zugänge zu Accounts und Firmendaten umgehend gekappt werden.- Tipp 4: Programme immer aktuell halten
Alte Anwendungen und Systeme stellen ein Sicherheitsrisiko dar, sind Hersteller doch bemüht, mit regelmäßigen Updates bestehende Sicherheitslücken zu schließen. Fehlen diese, haben Hacker leichteres Spiel.- Tipp 5: Regelmäßige Kontrolle bestehender Systeme und Programme
Vertrauen ist gut … Nicht in diesem Fall. Eine umfassende Kontrolle aller bestehenden Systeme und Anwendungen sollte feste Aufgabe der IT-Verantwortlichen sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass Angriffe zeitnah entdeckt und entsprechende Sicherheitsdefizite umgehend behoben werden. Experten raten die Zuhilfenahme entsprechender Programme.- Tipp 6: Mitarbeiter über Sicherheitsrisiken informieren
Schad-Software kommt nicht ohne Zutun der Nutzer auf den Computer. Entsprechend sollten Mitarbeiter um die Risiken im Umgang mit Systemen und Accounts wissen und für mehr IT-Sicherheit am Arbeitsplatz sensibilisiert werden.- Tipp 7: Externe Hilfe holen
Manchmal hilft der Blick von außen mehr. Entsprechend boomt der Markt um externe IT-Profis und professionelle Hacker, die mit ihren Firmen die eigenen Sicherheitsstandards genau unter die Lupe nehmen – und gezielte Maßnahmen für einen besseren Schutz der Daten empfehlen können.Quelle: Dropbox
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