Die alte Frage

Spezialist oder Generalist?

Wegen steigender Globalisierung und damit einhergehender zunehmender Bildung von Unternehmensnetzwerken treten SCM-Softwarelösungen vermehrt in den Fokus aktueller Untersuchungen. Im Rahmen eines Marktspiegels* wurde u. a. untersucht, in welchen Funktionsbereichen SCM-Systeme klassischen ERP-Systemen überlegen sind.

Die Entstehung von Kooperationen zwischen Unternehmen und ihren Kunden sowie Lieferanten stellt auch Mittelständler vor Herausforderungen. Die Ursachen für die zunehmende Bedeutung solcher Netzwerke liegen zum einem in der Forderung nach kürzeren Reaktionszeiten und steigender Liefertreue. Zum anderen sind Unternehmen einem steigenden Kostendruck und kürzeren Produktlebenszyklen ausgesetzt. In diesem Zusammenhang sind SCM-Systeme wesentliche Instrumente für das Management unternehmensübergreifender Wertschöpfungsstrukturen. Die Einführung eines SCM-Systems sollte aber ungeachtet ihrer steigenden Bedeutung kritisch hinterfragt werden.

Zu erwartende Ergebnisse

Bei der Durchführung der Analyse, deren Ergebnisse in dem Marktspiegel vorgestellt werden, wurden zunächst zwölf relevante Funktionsbereiche identifiziert. Im Anschluss daran wurde der Verbreitungsgrad von relevanten Funktionalitäten in diesen Funktionsbereichen in SCM- und ERP-Systemen mit und ohne Integration von Partnerprodukten verglichen und somit untersucht, bis zu welchem Grad SCM- und ERP-Systeme die benötigten Funktionsbereiche unterstützen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass ERP-Software zwar allgemein mehr Funktionalitäten unterstützt als dies bei SCM-Software der Fall ist, SCM-Systeme jedoch deutliche Stärken bei der Unterstützung der Aufgabenerfüllung im überbetrieblichen Wertschöpfungsnetzwerk aufweisen. ERP-Systeme hingegen decken überbetriebliche Aspekte oftmals durch den Einbezug von Partnerprodukten ab. Der Schluss, für die Unterstützung überbetrieblicher Aufgaben durch Software brauche ein Unternehmen zwangsläufig ein SCM-System, liegt zwar nahe, lässt sich aber keinesfalls generalisieren.

Exemplarisch lässt sich dies anhand des Funktionsbereichs der Transportplanung zeigen. Unter Berücksichtigung der Integration von Partnerprodukten unterstützen ca. 38 Prozent der ERP-Systeme und ca. 35 Prozent der SCM-Systeme die Funktionalitäten der Transportplanung. Ohne Einbezug von Partnerprodukten ändert sich das Bild: Während 18 Prozent der ERP-Systeme die für die Transportplanung relevanten Funktionen unterstützen, sind SCM-Systeme mit einer durchschnittlichen Verbreitung von 24 Prozent deutlich überlegen. Dabei setzen ERP-Systeme besonders bei den Funktionalitäten von Tourenplanung, multimodalen Transportoptimierung und operativen Transportauftragsoptimierung und Management stärker auf Partner, als die Anbieter von SCM-Systemen dieses tun.

Mit Partnern nah dran

Unter Einbezug von Partnerprodukten unterstützen 47,1 Prozent der ERP- und 57,9 Prozent der SCM-Systeme Funktionalitäten im Bereich Tourenplanung, 24,7 Prozent der ERP- und 42,1 Prozent der SCM-Systeme die multimodale Transportoptimierung und 38,8 Prozent der ERP- sowie 42,1 Prozent der SCM-Systeme Funktionalitäten im Bereich operative Transportauftragsoptimierung- und Management (vgl. Abbildung auf S. 30). Wird hingegen untersucht, welche Funktionalitäten die Systeme ohne die Einbindung von Partnerprodukten bereits abdecken, so sinkt der funktionale Unterstützungsgrad durch die ERP-Systeme überdurchschnittlich. Während immerhin noch 42,1 Prozent der SCM-Systeme die Funktionalität der Tourenplanung unterstützen, sinkt die funktionale Unterstützung in diesem Bereich bei den ERP-Systemen auf 17,6 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei der zweiten hier betrachteten Funktionalität, der multimodalen Transportoptimierung: 36,8 Prozent der SCM- und nur noch 4,7Prozent der ERP-Systeme können Unternehmen bei der Durchführung dieser Tätigkeit unterstützen, wenn keine Partnerprodukte eingebunden werden.

Für mittelständische Unternehmen ergibt sich daraus: Brauchen sie keine Funktionalitäten aus dem Bereich der multimodalen Transportoptimierung, sondern z.B. nur aus dem Bereich der Tourenplanung, so ist zu erkennen, dass zahlreiche ERP-Anbieter durch die Einbeziehung von Partnerprodukten die Anforderungen ähnlich gut abbilden können. Ist bereits ein ERP-System vorhanden, muss daher nicht zwingend ein separates SCM-System eingeführt werden. Stattdessen sollte mit dem Anbieter des aktuellen ERP-Systems geklärt werden, ob die benötigten Funktionalitäten durch das ERP-System selbst oder durch die Einbeziehung eines Partnerproduktes abgedeckt werden können.



* Marktspiegel SCM

 Der Marktspiegel Business Software – Supply Chain Management 2013/2014 unterstützt Unternehmen bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich der Fragestellung, ob und für wen die Einführung eines SCM-Systems sinnvoll ist. Wesentlicher Einflussfaktor für die Auswahlentscheidung ist auch die Berücksichtigung der bereits im Unternehmen vorhandenen IT-Landschaft, so dass die Kompatibilität des einzuführenden SCM-Systems mit bereits genutzten Serverbetriebs- oder Datenbanksystemen sichergestellt wird.
Der Marktspiegel wurde gemeinsam vom FIR an der RWTH Aachen, dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung sowie der Trovarit AG herausgegeben. Die Studie kann bei der Trovarit AG (www.trovarit.com/veroeffentlichungen/marktspiegel/scm-marktspiegel.html) käuflich erworben werden.

Bildquelle: © Thinkstock/Eyecandy Images

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok