Drei Fragen an…

Standards für die Nachhaltigkeit

Für große börsenorientierte Unternehmen ist die Offenlegung der sogenannten Corporate-Social-Responsibility-Maßnahmen (CSR) seit 2014 Teil der verpflichtenden Berichterstattung. Nun weitet die EU die Berichtspflicht aus.

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    Eine der Herausforderungen beim künftigen ESG-Reporting, wenn nicht sogar die größte, wird das Datenmanagement sein. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

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    „Das bereichsübergreifende Wissen der IT-Profis prädestiniert sie, wichtige Impulse zu geben, um das Nachhaltigkeits-Controlling anzudocken“, sagt Giulia Hardy. ((Bildquelle: Datev))

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    „Meiner Erfahrung nach sind Umfang und Komplexität der Regelungen die wesentlichen Hürden“, so Dominik Duchon. ((Bildquelle: Lucanet AG))

Der Grund: Der Rat hat im Herbst die Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen endgültig gebilligt. Sehen sich auskunftspflichtige Unternehmen heute einer Vielzahl von uneinheitlichen Maßgaben zur Berichterstattung gegenüber, strebt die EU mit der „Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)“ ein verbindliches Rahmenwerk für ihre Mitgliedsstaaten an.

Am 25. November 2022 hat die Europäische Kommission den Mitgliedsstaaten den Entwurf zu einer Delegiertenverordnung betreffend Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit Gelegenheit zur Stellungnahme übermittelt. Dieser Entwurf basiert vor allem auf den technischen Vorarbeiten der „European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG)“. Die EFRAG hat zwölf Drafts zu den „European Sustainability Reporting Standards (ESRS)“ vorgeschlagen. Die Berichtsanforderungen der CSRD werden für Geschäftsjahre beginnend ab 1. Januar 2024 zunächst für einen eingeschränkten Kreis von Unternehmen gelten, der dann sukzessive erweitert wird, bis für kapitalmarktorientierte Mittelständler für Geschäftsjahre beginnend ab dem 1. Januar 2026, sofern sie nicht von der Möglichkeit des Aufschubs bis 2028 Gebrauch machen.

Folglich wird das Thema „Environmental, Social and Governance (ESG)“ auch im Mittelstand immer wichtiger. Eine der Herausforderungen beim künftigen ESG-Reporting, wenn nicht sogar die größte, wird das Datenmanagement. IT-MITTELSTAND hat bei zwei ausgewiesenen Experten für Bilanzierung nachgefragt, worauf es dabei ankommt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Frau Hardy, Herr Duchon, was sollten Mittelständler speziell mit Blick auf die neue ESG-Reporting-Pflicht beachten?
Duchon: Frühzeitig anfangen und Strukturen schaffen. Das bedeutet, dass das Thema ESG zunächst einmal in die Steuerung des Unternehmens – und damit in die DNA – integriert werden muss.

Vor dem ESG-Reporting stehen die Erfassung des Ist-Zustands – was erfasse und berichte ich schon? – und die Dokumentation des Soll-Zustands – was muss ich künftig offenlegen? Ist das Ziel definiert, geht es um den Prozess der Datengenerierung und der Berichtserstellung. Der Einsatz einer Software für ein integriertes Finanz- und ESG-Reporting kann da Unterstützung bieten. Denn damit erhalten Unternehmen Kontrolle und Transparenz über ihre Nachhaltigkeitsdaten.

Hardy: Die IT-Abteilung hat zunächst die Rolle des Administrators von Systemen zum Tracking von ESG-Maßnahmen inne, etwa für ein extern eingekauftes oder ein eigens entwickeltes ESG-Management-Tool. Sie kann aber auch viel aktiver als Initiator agieren, der für die Professionalisierung des ESG-Managements sorgt. Dafür ist nicht einmal zwingend eine spezielle Software notwendig. Auch eine Prozessdefinition, wie sich ESG-Maßnahmen in bestehenden ERP-Systemen ablegen und darstellen lassen, kann als Basis für Kennzahlen dienen, die Erfolg oder Fortschritt messbar machen.

Das Wissen der IT-Profis über die ERP-Systeme prädestiniert sie, wichtige Impulse zu geben, um das Nachhaltigkeits-Controlling an der richtigen Stelle im System anzudocken. Als Ideengeber und Moderatoren können sie den Austausch mit den beteiligten Einheiten initiieren und aufrechterhalten, aber auch die Verschränkungen der Abteilungen IT-seitig vorantreiben.

ITM: Wo sehen Sie die größten Hürden für ein effektives ESG-Reporting – und wie lassen sich diese überwinden?
Hardy: Die neuen CSRD-Vorgaben der EU müssen nun in Deutschland umgesetzt werden. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden indirekt davon betroffen sein, da große Unternehmen ESG-Informationen in ihren Lieferketten abfragen werden, um ihren eigenen Berichtspflichten nachkommen zu können. Um sich auf dieses Reporting vorzubereiten, gilt es, die Auswirkungen der Vorschriften auf das eigene Unternehmen zu eruieren und entsprechende Kennzahlen zu definieren. Zu beachten ist auch der ESRS, an dem gerade auf EU-Ebene mit Hochdruck gearbeitet wird. Dieser gilt sowohl für große Unternehmen als auch für KMU – auch für die freiwillige Offenlegung.

Außerdem müssen im Unternehmen Datenquellen ausgemacht und die Belastbarkeit der Daten sichergestellt werden. Die Daten und Kennzahlen sollten dann regelmäßig an die Stellen im Unternehmen zurückgespielt werden, die steuernd eingreifen können. So lassen sich negative Reputationsfolgen aufgrund der CSRD-Berichtspflicht vermeiden. Auch die Wirkung auf die Finanzierungsmöglichkeiten ist nicht zu unterschätzen: Die Transparenz bringt nachhaltigeren Unternehmen hier einen Vorteil – Stichwort „Green Finance“.

Duchon: Meiner Erfahrung nach sind Umfang und Komplexität der Regelungen die wesentlichen Hürden. Außerdem trifft dieses Thema bei KMU oft auf eine dünne Personaldecke, was dann in Kombination mit der Komplexität wirklich Zündstoff in sich birgt. Dieses Risiko lässt sich – wie eben erwähnt – durch frühzeitige Auseinandersetzung mit der Thematik zumindest verkleinern. Dazu ist entsprechendes Wissen – fachlich und prozessual – aufzubauen, wobei eine entsprechende Software auf jeden Fall Unterstützung bieten kann.

ITM: Wie kann die IT-Abteilung die Einführung und erfolgreiche Umsetzung von ESG-Maßnahmen wirksam unterstützen?
Duchon: Die ab dem Geschäftsjahr 2024 geltende Corporate Sustainability Reporting Directive der EU stellt viele IT-Verantwortliche vor die besondere Herausforderung, dass erstmalig finanzielle Daten mit nicht finanziellen Daten verbunden werden müssen. Anzumerken ist, dass sich die Datenquellen und -formate fundamental unterscheiden.

Die Aufgabenstellung für IT-Verantwortliche, Fachabteilung und Management ist somit, sich mit der Frage zu befassen, wie eine Tool-Landschaft aussieht, die nicht finanzielle Informationen aus den verschiedenen Datenquellen einsammelt, vereinheitlicht, konsolidiert und in einem Bericht mit den finanziellen Daten verheiratet.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass einige verpflichtende Angaben nur über eine manuelle Erfassung erfolgen können, da die nötigen Systeme bzw. Schnittstellen zwischen den Systemen nicht oder besser gesagt noch nicht existieren. Es gilt für die IT-Abteilungen, darauf zu achten, diese Möglichkeit offenzuhalten, um langfristig einen Vorteil durch Automatisierung zu erlangen.

Hardy: Auf jeden Fall sollte für die Dauer des Prozesses, der von der ausgesprochenen Berichtspflicht zu einem validen Berichtswerk führt, eine angemessene Zeitspanne eingeplant werden. Immerhin werden weitreichende Informationen verlangt, die bislang zum Teil nur in fragmentierter Form oder auch gar nicht nachgehalten werden. Somit müssen neue Prozesse zum Speichern, Bereinigen und Kommunizieren der Daten und Kennzahlen aufgesetzt werden.

Neben gutem Datenmanagement mit standardisierten Erhebungsprozessen ist auch ein adäquates Informations- und Wissensmanagement essenziell. Darin sollten Definitionen für die Kennzahlen hinterlegt, die Prozessabläufe sauber dokumentiert und die Fachansprechpartner gelistet werden. Effektiv ist das Reporting, wenn sich mit den dafür eingerichteten Prozessen die unternehmerische Nachhaltigkeit gleichzeitig auch steuern lässt. Da der CSRD-Bericht ein hohes Maß an Transparenz über das Geschäftsgebaren aufweist, ist er auch für potenzielle Kunden oder Lieferanten interessant.

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