Digitalprojekt

Startklar in wenigen Tagen

Durch das Corona-bedingte Einreiseverbot fehlten deutschen Landwirten auf den Feldern rund 300.000 Saisonarbeitskräfte. Die Maschinenringe Deutschland GmbH reagierte und entwickelte in nur sechs Tagen gemeinsam mit einem IT-Dienstleister und unterstützt vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung die digitale Vermittlungsplattform „Daslandhilft.de“. Schon nach zwölf Tagen war mit 1.850.000 Zugriffen und 63.000 Inseraten von Freiwilligen Deutschlands erfolgreichste Vermittlungsbörse entstanden. FUB-Geschäftsführer Robert Freutsmiedl erklärt im Interview die Hintergründe.

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    Mit der Vermittlungsplattform Daslandhilft.de konnten in kürzester Zeit Landwirten Saison-arbeitskräfte vermittelt werden. (Bildquelle: Getty Images/iStock)

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    „Digitalisierung ersetzt keine Menschen, sie lebt durch Menschen. Deshalb gilt es, dauerhaft eine Kultur zu schaffen, die die digitale Awareness in den Köpfen aller Mitarbeiter verankert.“Robert Freutsmiedl, FUB-Geschäftsführer (Bildquelle: FUB)

ITM: Herr Freutsmiedl, welche Relevanz hat dieses digitale Projekt aus Ihrer Sicht insbesondere in der aktuellen Situation?
Robert Freutsmiedl: Aus sozial-gesellschaftlicher Sicht sichert die digitale Vermittlungsplattform „daslandhilft.de“ konkret die Ernte vieler Landwirte – und damit die Versorgung unserer Gesellschaft mit Lebensmitteln. Die vielen Einblicke, die Erntehelfer in den sozialen Medien teilen, haben dazu beigetragen, dass sich die Wahrnehmung über die Landwirtschaft in der Bevölkerung positiv verändert.

Von unserem technischen Standpunkt aus gesehen zeigt das Projekt, worauf es bei der Digitalen Transformation ankommt und warum Projekte auch scheitern können: Digitale Transformation ist kein Schlagwort, welches durch eine einmalige Investition – z.B. in eine Technologie oder App – erledigt ist. Digitalisierung ersetzt keine Menschen, sie lebt durch Menschen. Wer sein Unternehmen langfristig erfolgreich aufstellen möchte, muss dauerhaft eine Kultur schaffen, die die digitale Awareness in den Köpfen aller Mitarbeiter verankert. So können digitale Projekte in jeder kleinsten Fachabteilung entstehen. Führungskräfte haben die Aufgabe, diese Potenziale zu nutzen, um die Disruption von morgen zu gestalten.

Ohne die entsprechende IT-Infrastruktur, die die Maschinenringe GmbH im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie in den letzten zwei Jahren aufgebaut hat, und die Vernetzung der Abteilungen IT, Marketing und uns als IT-Dienstleister wäre dieser Erfolg allerdings nicht möglich gewesen.

ITM: Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung?
Freutsmiedl: Die größte Herausforderung war der Faktor Zeit. Die Natur wartet nicht – wenn die Ernte reif ist, muss sie geerntet werden oder geht verloren. In einem Marathon von nur sechs Tagen wurde die digitale Plattform entwickelt und live gestellt. Diese enorm kurze Time-to-Market war sicher einer der Schlüsselfaktoren für den großen Erfolg. Markteinführungszeit und Agilität spielen in der heutigen Zeit für alle digitalen Projekte eine entscheidende Rolle. Wenn es darum geht, Kunden ein innovatives Produkt oder Dienstleistung zu bieten – in unserem Fall eine Jobbörse für Erntehelfer –, garantieren kurze Entwicklungszeiträume einen Konkurrenzvorteil.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Welche Anforderungen und Mittel waren für die Entwicklung erforderlich?
Freutsmiedl: Schlüsselkomponente für die schnelle, agile Entwicklung der Plattform waren Microservices als Basis der Software-Architektur. Bestehende Prozesse und Funktionsbausteine – z.B. aus der Futtermittelbörse – 
wurden in neuem Kontext schnell, nachhaltig und kosteneffizient eingesetzt, ohne dass alles von vorn aufgebaut werden musste. So waren zu Projektbeginn alle Details fix definiert.

In Kombination mit der Anwendung der Cloud-Services von Microsoft Azure, die schnell und unbegrenzt Ressourcen bereitstellen, war auch das Thema „Skalierbarkeit“ gewährleistet. Die unerwartet hohe Anzahl der Nutzer der Plattform sowie die saisonalen Peaks in der Erntezeit konnten über die Cloud problemlos bewerkstelligt werden.

ITM: Welchen Nutzen hat das Projekt?
Freutsmiedl: Die Software-Architektur Microservices und die Vorteile der Cloud-Anwendung ermöglichten bereits die erfolgreiche Weiterentwicklung des Projekts auf neue Geschäftsmodelle. Konkret fanden sie Anwendung bei der Vermittlung von Schutzmaterial und einem Portal für Betriebshilfe in der Landwirtschaft. Im Rahmen der Entwicklungshilfe wird die Initiative „daslandhilft.de“ in den nächsten zwei Jahren für den Senegal adaptiert. Die Flexibilität der Cloud, jederzeit und von jedem Ort auf relevante Daten zuzugreifen, bietet uns hier einen bedeutsamen Vorteil für den Roll-out.

ITM: Welche Möglichkeiten für digitale Projekte dieser Größenordnung sehen Sie für Unternehmen?
Freutsmiedl: Für mittelständische Firmen bieten insbesondere Cloud-Lösungen sichere und effiziente Möglichkeiten für ihre digitalen Projekte. Unternehmen, die die bereitgestellten IT-Services der Cloud nutzen, profitieren insbesondere von deren Kostenvorteilen, ihrer Schnelligkeit und Skalierbarkeit. Services können bedarfsorientiert genutzt werden. Das erhöht die Flexibilität und die Kosteneffizienz – z.B. für Unternehmen mit einem Saisongeschäft, wie dem des laufenden Weihnachtsgeschäfts.

Um die Potenziale der Digitalisierung ausschöpfen und finanzieren zu können, bieten zahlreiche Förderprogramme von Bund und Ländern finanzielle Zuschüsse für Unternehmen.

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