Datengetriebenes Unternehmen

Stolperfallen vermeiden

Auf dem Weg zum datengetriebenen Unternehmen müssen Mittelständler Hindernisse aus dem Weg räumen. Wertvolle Tipps dazu gibt Thoughtspot, ein Anbieter von Such-Software für Business-Intelligence-Analysen.

Hindernisse überwinden

Im Zuge der Digitalisierung müssen diverse Hindernisse überwunden werden.

Im Zuge von Corona haben viele mittelständische Unternehmen ihre Digitalisierung vorangetrieben. Um ein echtes datengetriebenes Unternehmen zu werden, bedarf es neben Technologie, Daten und Fachkenntnissen auch der richtigen internen Prozesse sowie einer Kultur, die Anreize richtig lenkt und Maßnahmen ergreift, damit angemessene datenbasierte Entscheidungen getroffen und kostspieliger, schwer zu identifizierender Datenmissbrauch verhindert werden. Ohne die entsprechende Anpassung von Unternehmensprozessen und -kultur kann der unternehmensweite Umgang mit den Daten schnell nach hinten losgehen.

Kunden, Lieferanten und andere Interessengruppen als eine Einheit zu behandeln und Entscheidungen auf der Grundlage von Durchschnittswerten zu treffen, kann negative Konsequenzen mit sich bringen. Führt z.B. ein Unternehmen 30 Tage als allgemeine optimale Zahlungsfrist ein, obwohl einige Lieferanten eine Frist von 45 Tage verlangen und andere bereits nach 25 Tagen Strafen verhängen, verliert es Geld, weil es einige Rechnungen früher als nötig bezahlt und für andere Verzugsgebühren entrichtet. Ein Unternehmen agiert auf der Grundlage von Daten. Versperren aber Durchschnittswerte den Blick auf die Realität, gehen Nuancen verloren und es kommt zu Verlusten.

Nicht an die Datenhoheit krallen

Wenn Mitarbeiter argumentieren, dass „ihre Wahrheit besser als die Wahrheit der anderen ist“, läuft etwas schief. Jede Abteilung mag zwar auf der Grundlage von Daten handeln, sind diese aber verschieden, ist der Entscheidungsprozess schwierig. Die Ursache dafür sind oft Datensilos, in denen jede Abteilung nur ihren eigenen Ausschnitt der Realität betrachtet. Oder es herrscht Uneinigkeit darüber, welche Daten für die Entscheidungsfindung herangezogen werden. Indem die Beteiligten dazu gebracht werden, sich darauf zu einigen, welche Daten wichtig sind, wird eine gemeinsame Quelle der Wahrheit geschaffen, an der sich Entscheidungen und Strategien orientieren können. Am besten ist es, wenn Daten innerhalb einer Organisation einheitlich verfügbar sind und alle Zugang zu denselben Informationen haben. Das „Loslassen der Datenhoheit“ erfordert einen Kulturwandel.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Entscheidungen zu treffen und dann erst im Nachgang die entsprechenden Daten zur Untermauerung herauszusuchen, ist menschlich. Wir alle neigen dazu, unseren eigenen Instinkten zu vertrauen. Es ist wichtig anzuerkennen, dass auch Instinkt und Erfahrung im Geschäftsleben relevant sind. Entscheidend ist, andere nicht in die Irre zu führen, indem Zahlen zur Rechtfertigung der eigenen Position herangezogen werden. Führungskräfte sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen und keine ungewollten Präzedenzfälle schaffen. Wenn alle Daten nutzen, spielen die Mitarbeiter, die über Fachwissen in Schlüsselbereichen verfügen, eine wichtige Rolle dabei, Einsichten und Möglichkeiten aufzudecken. Die Aufgabe der Führungskräfte besteht darin, ihre Erfahrungen auf diese Erkenntnisse anzuwenden und den richtigen Kurs zu bestimmen.

Fehlgeleitete Anreize vermeiden

Daten werden oft für Boni und andere Belohnungen genutzt, aber die Anreize gehen nach hinten los, wenn diese nicht vernünftig eingesetzt werden. Wenn Vertriebsmitarbeiter wissen, dass sie für einen Zweitanruf belohnt werden, tätigen sie diesen Anruf, auch wenn ein Abschluss unwahrscheinlich ist.  Die Verwendung von Daten zur Steuerung von Anreizen ist angemessen, aber Ziele sollten der Motivation dienen und nicht zur Bestrafung verwendet werden. Ansonsten fördern sie nur schlechtes Verhalten. Ein Kundendienstmitarbeiter, der im Durchschnitt 15 statt zwölf Minuten für einen Kundenanruf benötigt, mag laut Kennzahlen „weniger produktiv“ sein, kann in Wirklichkeit aber auch höhere Net Promoter Scores erzielen und mehr zum Gesamtgeschäft beitragen. Die Konzentration auf die falschen Kennzahlen schadet Unternehmen nur.

Daten bergen ein enormes Potenzial zur Verbesserung von Kundenservice, Innovation und Effizienz. Mittelständische Unternehmen brauchen die richtige Umgebung, um dieses Potenzial zu nutzen. Daten sollten so organisiert werden, dass die Mitarbeiter eine einheitliche Quelle der Wahrheit haben. Mitarbeiter an vorderster Front müssen dazu befähigt werden, auf Daten zu reagieren, und über klare Kanäle für den Austausch von Ideen und deren schnelle Umsetzung verfügen. Dies erfordert einen bedeutenden kulturellen Wandel, aber die damit verbundenen Chancen sind beträchtlich. Die oben genannten Stolperfallen zu identifizieren, kann Mittelständlern auf dem Weg zum datengetriebenen Unternehmen helfen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok