Dem High Performance Computing wird auch das Quantencomputing zugerechnet. Dabei bilden nicht Bits, sondern Quanten-Bits, die Grundrecheneinheit. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))
„Bis High Performance Computing der neue Standard in Unternehmen wird, dauert es sicher noch“, meint Wolfgang Kaufmann ((Bildquelle: Datacenter One))
Die Digitale Transformation ist unbestritten eine der großen Umwälzungen unserer Zeit. Im Zuge der rasanten Verbreitung von Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) oder dem Internet der Dinge (IoT) werden auch die Dimensionen, in denen Daten produziert, gespeichert und verarbeitet werden, immer größer; die Latenzzeiten sollen hingegen möglichst klein sein. Für Rechenzentren bedeutet dies, dass sie sich laufend an die neuesten Entwicklungen anpassen müssen, um die notwendige Performance liefern zu können. Dabei geben nicht nur Wirtschaftsunternehmen den Takt vor: Im Gegenteil, gerade beim Thema „High Performance Computing (HPC)“ hat beispielsweise auch die Wissenschaft mit vielfältigen Applikationen einen großen Einfluss.
Wissenschaftsinstitute arbeiten immer häufiger mit Hochleistungsrechnern: So können etwa mittels KI Klimamodelle oder Simulationen erstellt werden. Diese Simulationen machen komplexe Tests (beispielsweise in der Raumfahrt) überflüssig – das spart Zeit, Kosten und Ressourcen. Auch für Unternehmen werden diese hochpotenten Technologien immer wichtiger. Rechenzentrumsbetreiber müssen sich also künftig darauf einstellen, Systeme und Infrastruktur vorzuhalten, die mit diesen riesigen Datenströmen zurechtkommen.
Aber was genau ist so anders am High Performance Computing? Für diese Technologie werden mehrere Rechner in einer Struktur als Cluster miteinander verbunden: Ihre Leistung potenziert sich damit und Datenverarbeitungsschritte können – mittels einer Spezial-Software – parallel erfolgen. Damit arbeiten diese „Supercomputer“ extrem schnell, sind äußerst leistungsfähig und können Daten mit geringen Latenzzeiten rasch übertragen.
Dem High Performance Computing wird auch das Quantencomputing zugerechnet. Dabei bilden nicht Bits, sondern Qubits, also Quanten-Bits, die Grundrecheneinheit. Anders als ein Bit kann ein Qubit nicht nur den Zustand null oder eins annehmen, sondern auch gleichzeitig im Zustand null und eins sein oder auch in theoretisch unendlich vielen Zuständen dazwischen. Die Konsequenz ist ebenfalls eine deutlich höhere Rechenleistung. Allerdings stellt das Quantencomputing die Rechenzentren auch vor neue Herausforderungen; sie müssen ihre Architektur so anpassen, dass die Quanten vor jeglicher Art der Außeneinwirkung wie z.B. Temperaturschwankungen geschützt werden. Schon heute wächst die Nachfrage nach Quantencomputing enorm: Der Finanzdienstleister Morgan Stanley prognostiziert einen jährlichen Umsatz von 9 Mrd. Euro bis zum Jahr 2025.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Damit High Performance Computing das volle Potenzial entfalten kann, muss allerdings die Infrastruktur stimmen. Insbesondere Prozessoren, Storage und Netzwerktechnologien sind rasch veraltet und müssen regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden – eine kostspielige Angelegenheit. Und es erfordert hoch spezialisiertes Know-how, um solche Anlagen zu konzipieren und ans Laufen zu bekommen. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass High Performance Computing lediglich für große Konzerne eine Option ist?
Diese Frage kann man sicherlich mit Nein beantworten. Moderne Rechenzentren und Colocation-Anbieter können auch mittelständischen Unternehmen helfen, die gerne im Bereich High Performance Computing tätig werden wollen. Dort können sie entsprechende Flächen mieten, um solche Projekte umzusetzen. Viele Rechenzentrumsanbieter fangen schon heute an, sich auf diese Nachfrage einzustellen, und rüsten ihre Flächen entsprechend auf. Darüber hinaus ermöglichen die Global Player High-Performance-Computing-Dienste in der Cloud. Unternehmen sind also gut beraten, diesen Trend im Auge zu behalten und für sich zu klären, ob und wie sie davon zukünftig profitieren könnten.