Bedrohung durch Hacker

„Unachtsamer Moment löst Kettenreaktion aus“

Im Interview erklärt Rico Barth, Geschäftsführer von Cape IT, warum Unternehmen im Rahmen der IT-Sicherheit auf Open-Source-Lösungen setzen sollten.

Bedrohung durch Hacker

„Mit Open-Source-Systemen können Sicherheitslücken geschlossen werden, bevor es überhaupt zu einem Angriff kommt“, erklärt Rico Barth.

ITM: Herr Barth, was hat der Cyberkriminalität in den letzten Monaten zum Aufschwung verholfen?
Rico Barth:
Hackerangriffe sind kein neues Problem, sondern nehmen schon lange von Jahr zu Jahr zu. Wie bei so vielen anderen Dingen hat aber Corona die Lage in den letzten Monaten weiter verschärft. Das vermehrte Homeoffice und der damit verbundene E-Mail-Verkehr sind für Cyberkriminelle die perfekte Möglichkeit, um Schadsoftware in Umlauf zu bringen. Bei allen Themen, die sonst schnell mit den Kollegen im Büro besprochen wurden, gab es jetzt eine Mail. Für Menschen, die vorher vielleicht zehn E-Mails am Tag bekamen, waren es jetzt 30 oder mehr. Auf Dauer lässt da natürlich die Konzentration nach und es wird nicht mehr so genau auf den Absender, den Anhang oder den Link geachtet. Zwar sind viele Menschen auf verdächtige E-Mails sensibilisiert, doch ein unachtsamer Moment reicht schon aus, um eine Kettenreaktion auszulösen.

ITM: Inwieweit sind bzw. sehen sich Mittelständler durch Hacker bedroht?
Barth:
In vielen mittelständischen Unternehmen gibt es noch die Meinung, dass sie nicht in das Visier von Hackern geraten werden. Diese hätten es ja vor allem auf große, internationale Konzerne abgesehen, hören wir oft. Doch die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich kein Unternehmen, keine Behörde oder öffentliche Einrichtung zu sicher sein sollte, nicht doch irgendwann Opfer einer Cyberattacke zu werden. Besonders im Mittelstand wären die Folgen für die Betroffenen immens. Große Unternehmen haben die nötigen Rücklagen, um finanzielle Verluste zu überstehen. Sie verfügen über große IT-Teams oder können Sicherheitsexperten beauftragen, um das Problem zu lösen. Wenn die Systeme in mittelständischen Unternehmen dagegen über einen längeren Zeitraum nicht funktionieren, sind schnell Existenzen bedroht.

ITM: Wie gestalten sich die aktuellen Vorgehensweisen der Hacker? Welche Methoden wenden sie an?
Barth:
Neben Phishing-Mails gehören inzwischen auch DDoS-Angriffe zum Einmaleins der Kriminellen. Dabei werden die Systeme mit unzähligen Anfragen überhäuft. Solche Attacken stellen aber meistens nur ein erstes Auskundschaften dar. Die Hacker bekommen so Einblick in die Gegenmaßnahmen und können einen späteren Angriff effizienter planen. Seit vergangenem Jahr tauchen auch vermehrt sogenannte Social-Engineering-Angriffe auf. Dabei nutzen Hacker gesellschaftlich relevante Themen, wie wir es beispielsweise mit Corona erlebt haben. Dazu gehören dann E-Mails, die über angebliche Maßnahmen informieren sollen, oder nachgebaute Websites, die Soforthilfen versprechen. Sie erstellen auch immer öfter HTTPS-Seiten, die eine vermeintlich sichere Dateneingabe suggerieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Worum geht es ihnen bei den Angriffen hauptsächlich?
Barth:
Die ersten Hacker waren meist Einzelpersonen, die ihr Können und eine gewisse Macht demonstrieren wollten, indem sie in Systeme eindrangen. Heute haben sich ganze Hackerorganisationen darauf spezialisiert, die Systeme von Unternehmen mit Ransomware lahmzulegen und Geld für die Freigabe zu erpressen. Die Preisgabe von Firmengeheimnissen, Kundendaten oder Patenten nutzen sie auch gerne als Druckmittel. Als Lösegeld werden oft Krypowährungen wie Bitcoin oder Monero gefordert, um die Arbeit der Ermittler zu erschweren. Durch viele digitale Geldbeutel, sogenannte Wallets, Peer-to-Peer-Börsen oder den direkten Kauf von Produkten im Darknet, können sie ihre Spuren verwischen. Neben dem finanziellen Aspekt hören wir aber auch immer wieder von politisch motivierten Aktionen, teils mit staatlicher Rückendeckung. In diesen Fällen werden dann etwa die Daten von Politikern veröffentlicht, wie es im US-Wahlkampf vorkam. Diese Daten fließen dann in gezielte Desinformationskampagnen ein, um eine Wahl zu beeinflussen. Die Hintermänner sind schwer zu ermitteln, doch die Spuren führen oft in Länder wie Russland, China oder Nordkorea.

ITM: Warum sollten Unternehmen im Rahmen der IT-Sicherheit auf Open-Source-Software setzen?
Barth:
Mit Open-Source-Systemen können Sicherheitslücken geschlossen werden, bevor es überhaupt zu einem Angriff kommt. Jeder User kann den offenen Quellcode einsehen, Schwachstellen erkennen und auditieren. Im Vergleich zu geschlossenen Systemen liegt meist nicht viel Zeit zwischen Entdeckung und Korrektur. Das ist der Vorteil, wenn viele Menschen und Communitys an einer Software zusammenarbeiten, so können wir Hackern die nötige Angriffsfläche nehmen. Mit unserem System KIX setzen wir von Beginn an auf Open Source, und auch das europäische Gaia-X-Programm fordert den vermehrten Einsatz, um präventiv vorzugehen.

Bildquelle: Cape IT

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok