Im Rahmen eines Roundtables diskutierten verschiedene Sicherheitsexperten die aktuellen Entwicklungen im Bereich „IT-Security“.
Die Bedrohungslage hat sich verschärft, vor allem Mittelständler werden zunehmend zum Ziel von Cyberattacken. Experten von verschiedenen Anbietern aus dem IT-Sicherheitsumfeld diskutierten im Rahmen des Roundtables die aktuellen Entwicklungen und der Tenor war klar: Unternehmen müssen insgesamt mehr für ihre Security tun. „Wir beobachten sehr zielgerichtete Angriffe“, sagte Werner Thalmeier, Vicepresident Technical Sales für die Region EMEA bei Proofpoint. Das heißt, die Cyberkriminellen wissen genau, wer im Unternehmen wofür zuständig ist, und adressieren an diese personalisierte Anschreiben.
Das Ziel ist Phishing – also das Ausspähen sensibler Informationen, um mit diesen dann Eintritt ins Firmennetzwerk zu erhalten. Gelingt dies, werden Unternehmensdaten verschlüsselt und erst gegen die Zahlung eines Lösegelds wieder freigegeben. Solche Ransomware-Attacken hätten sich mittlerweile zu einer eigenen Industrie entwickelt, berichtete Bernd Sebode, Director Channel Germany bei Check Point Software. Und das Geschäft lohnt sich. Auf dem Roundtable erwähnten die Experten viele betroffene Unternehmen, die bereit seien, den verlangten Preis zu zahlen.
Dabei war die einhellige Meinung: Viele Firmen unterschätzen die Gefahr und kümmern sich erst um ihre IT-Sicherheit, wenn es zu spät ist. Häufig fehlt es schon an den Grundlagen. „Unternehmen haben zu stark in Applikationen gedacht und zu wenig in Infrastruktur“, so Controlware-CEO Bernd Schwefing. Das Ergebnis: Die Infrastruktur genügt häufig nicht den aktuellen Security-Anforderungen und bietet auch keinen sicheren Weg in die Cloud. Generell herrsche eine gewisse Naivität, so wiederum Michael von der Horst, Director Cyber Security bei Cisco. Man glaube, sich mit einzelnen Security-Maßnahmen schützen zu können. Das Bewusstsein für eine 360-Grad-Security – also eine umfassende IT-Sicherheitsstrategie – wächst laut von der Horst erst langsam.
Bei der Auswahl der richtigen Technologien empfehlen die meisten Experten zwar einen Best-of-Breed-Ansatz – also für jede Security-Disziplin die bestmögliche Lösung. Aber: „Best of Breed muss man sich leisten können“, betonte Sebode im Gespräch. Das Problem sei, dass in vielen Unternehmen die Kompetenz und die Fachkräfte fehlen. Und Best of Breed erfordert Fachwissen bei den Anwendern. Schließlich ist IT-Security eine komplexe Angelegenheit – darin waren sich alle Experten vor Ort einig.
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Viele Firmen setzen daher auf Security-Plattformen und nutzen Sicherheitstechnologien von einem einzigen Anbieter. Den optimalen Ansatz sehen viele der Fachleute jedoch in der Kombination der beiden Konzepte – nämlich in der Verknüpfung der Technologien von verschiedenen Anbietern zu einer einheitlichen Lösung. Doch hier sind die Hersteller gefordert: Sie müssen die Schnittstellen schaffen und dafür sorgen, dass die Integration der unterschiedlichen Systeme einfacher wird.
Weitere Komplexität in die Thematik bringt die wachsende Vernetzung der Produktionsumgebungen. Durch die Digitalisierung der Fertigungsanlagen ergeben sich weitere potenzielle Einfallstore für Cyberattacken. Das heißt, neben der IT im Office-Umfeld muss nun auch die Operational Technology (OT) in eine Sicherheitsstrategie einbezogen werden. Doch das sei eine Herausforderung, hob Josef Meier, Director Sales Engineering Germany bei Fortinet, hervor. Die Gegebenheiten seien zum Teil sehr unterschiedlich. „Die OT umfasst u.a. sehr alte Geräte, die seit Jahren nicht neu gestartet wurden“, so Meier. Für die Verantwortlichen sei Sicherheit bisher kein Thema gewesen, dort stehe Verfügbarkeit über allem. Es sei wichtig, so die einstimmige Meinung der Experten, die beiden Welten zusammenbringen und zunächst überhaupt eine Kommunikation zwischen IT und OT in Gang zu bringen.
Ein Hilfsmittel, das sowohl bei der Absicherung von OT als auch IT künftig eine wichtige Rolle spielen wird, ist Künstliche Intelligenz (KI). Lösungen auf Basis von Machine Learning (ML) werden etwa die Möglichkeiten bei der Erkennung von Bedrohungen entscheidend erweitern. „KI ist schneller als jeder menschliche Analyst“, sagte Meier. Doch trotz dieser Unterstützung wird die Aussage bestehen bleiben, die Schwefing am Ende des Roundtables hevorhob: „IT-Security bedeutet Arbeit.“
Bildquelle: Fotografie-Schepp