Bei sensiblen und persönlichen Daten sollten Unternehmen Vorsicht walten lassen. ((Bildquelle: Getty Images/ iStock/ Getty Images Plus))
Christian Schneider, SVP Product Manager bei Strato, weiß, dass sichere Clouds kein Einzelfall sein sollten. ((Bildquelle: Strato))
ITM: Herr Schneider, woran lässt sich eine sichere Cloud erkennen?
Schneider: Wer wissen möchte, ob es sich um eine sichere Cloud handelt, sollte besonders auf drei Punkte achten: Sicherheitszertifikate, Datenschutzrichtlinien und Verschlüsselung. Auch Standards bei der Compliance sind ein guter erster Richtwert. Anbieter, die den Schutz der Daten ihrer Nutzer ernst nehmen, lassen sich gerne prüfen und sind stolz auf gute Ergebnisse - schließlich mussten zunächst viele Prozesse aufgesetzt werden, die diese Ergebnisse erst ermöglichen. Sicherheitszertifikate wie SOC 2 Typ II oder ISO 27001 sind Namen, die ich an der Stelle besonders hervorheben kann. Es lohnt auch ein Blick in die Abschnitte der Datenschutzrichtlinien zum Ort der Datenspeicherung. Werden hier keine konkreten Länder oder Regionen genannt, sollte Vorsicht zum Tragen kommen. Mitgliedsstaaten der EU unterliegen der DSGVO und haben in der Regel entsprechend hohe Ansprüche an den Datenschutz. Denn sonst drohen hohe Strafen. Erfolgt die Datenspeicherung irgendwo in Übersee, kann man nicht vom gleichen Maß an Datensicherheit ausgehen. Informationen über die Verschlüsselung sollten ebenfalls in den Datenschutzrichtlinien stehen.
ITM: Wo werden die Daten überhaupt gespeichert?
Schneider: Cloud-Speicher funktionieren im Prinzip ähnlich wie klassische Festplatten. Bloß, dass Endnutzer keinen physischen Zugriff auf diese Festplatte haben müssen, sondern über eine idealerweise sichere Verbindung aus der Ferne auf ihre Daten zugreifen. Anbieter von Cloud-Services arbeiten häufig mit mehreren Rechenzentren an verschiedenen Standorten, auch um über Redundanz Datenausfallsicherheit zu gewährleisten. Dabei werden Daten parallel an verschiedenen Orten gespeichert, sodass im Krisenfall ein System für das andere nahtlos einspringen kann. Die Speicherträger selbst sind ganz reguläre Server, die in den Rechenzentren aufgebaut werden. Je mehr Endverbraucher sich also entscheiden, eine große Menge von Daten in der Cloud zu speichern, desto mehr Kapazitäten müssen Hosting-Anbieter an Servern bereithalten, was im Zweifelsfall auch den Bau neuer Rechenzentren bedeuten kann. Wir sehen den Trend, dass immer mehr kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) den Großen nachziehen und die Zeichen der Zeit erkennen: Sie stellen sich schon jetzt zukunftsfähig auf und nutzen die Vorteile der Digitalisierung, indem sie Teile ihrer administrativen Infrastruktur in die Cloud verlegen. Das ist auch gut so, denn klar ist, dass diese Technologie künftig gerade im Unternehmensbereich immer unverzichtbarer werden wird.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITM: Wie können insbesondere KMUs ihre Datenschutzpraktiken verbessern?
Schneider: Alle Unternehmen sollten die Cloud-Anbieter, für die sie sich entscheiden, genauestens prüfen. Im Falle eines Datenlecks oder Server-Ausfalls leiden zwar alle Nutzer, für KMUs können solche Fälle jedoch herbe finanzielle Rückschläge bedeuten. Die Sicherheitsmaßnahmen der Cloud werden bei etablierten Anbietern in regelmäßigen Abständen durch Audits umfangreich überprüft und bei Bedarf aktualisiert, um dem Marktstandard gerecht zu bleiben. Das größte Sicherheitsrisiko geht allerdings meist von den Cloud-Nutzern aus. Phishing und blinde Datenweitergabe an anderen Stellen können trotz aller Sicherheitsstandards dazu führen, dass die Cloud dennoch gehackt wird. Als wichtige Sicherheitsmaßnahme lohnt sich daher in jedem Fall die mehrstufige Authentifizierung, sofern sie angeboten wird. Auch ein klassisches Sicherheitstraining kann ich empfehlen. Selbst diejenigen, die sich im Netz vermeintlich auskennen, können dabei noch einiges lernen.
ITM: Welche (Geschäfts-)Daten sollten besser nicht in der Cloud landen?
Schneider: Teilweise können Kriminelle schon mit wenigen erbeuteten Informationen großen Schaden anrichten. Besondere Vorsicht ist jedoch bei sensiblen oder persönlichen Daten und Unternehmensgeheimnissen geboten. Selbstverständlich ist auch alles kritisch, was mit Kundendaten zu tun hat. Persönliche Versicherungsdaten, Passwörter und Ausweise sollten im Grunde immer gesondert gesichert werden. Seriöse Cloud-Anbieter agieren zwar unter den höchstmöglichen Sicherheitsstandards – ohne dass die Flexibilität leidet. Wem dieser Gedanke allerdings den Schlaf raubt, der sollte seine Daten vielleicht lieber nur offline speichern. Wobei auf der Hand liegt, dass das nicht die Zukunft ist.