„Gerade im Mittelstand ist vielen Betreibern nicht bewusst, in welchem Ausmaß USV-Systeme überhaupt Stromkosten verursachen“, so Frank Repper, Manager bei Eaton Power Quality Deutschland.
Seit der Energiewende ist die Qualität der deutschen Stromversorgung in aller Munde. Gerade aus dem Mittelstand häufen sich laut führender Industrieverbände die Beschwerden über die Zunahme von Stromausfällen. Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) bieten hier wirksamen Schutz. Doch angesichts steigender Strompreise sollen die Systeme heute auch möglichst energiesparend sein.
ITM: Herr Repper, warum sollten sich mittelständische Unternehmen mit USV-Systemen etwa für ihr Rechenzentrum beschäftigen?
Frank Repper: Die Hälfte aller IT-Systemausfälle resultiert aus Problemen mit der Stromversorgung. Diese sind oftmals mit hohen finanziellen Risiken verbunden. Ganz zu schweigen davon, dass ein längerfristiger Ausfall das Kundenvertrauen nachhaltig schädigen kann. So sind die Anforderungen an ein USV-System heute so individuell wie der deutsche Mittelstand an sich. Die wichtigste Frage ist aber sicherlich, wie stark das jeweilige Geschäftsmodell vom Funktionieren der IT-Landschaft abhängig ist.
ITM: Ist der Einfluss der Energiewende spürbar?
Repper: Absolut, denn die Energiewende hat zwei entscheidende Parameter langfristig verändert: die Stromkosten und die Versorgungsqualität. Gerade von steigenden Energiepreisen ist der Mittelstand betroffen, da er im Allgemeinen keine Möglichkeit hat, die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage (EEG) zu kompensieren. Auch hinsichtlich der Stromversorgungsqualität gibt es erste Alarmzeichen von Industrie- und Verbraucherverbänden. Beides hat deutliche Auswirkungen auf die Anforderungen, die moderne USV-Systeme heute erfüllen müssen.
ITM: Welche Anforderungen sind das?
Repper: Im Hinblick auf die unsichere Entwicklung der Stromversorgungsqualität sind Unternehmen gut beraten, im geschäftskritischen Umfeld grundsätzlich USV-Systeme einzusetzen, die eine vollständige Entkopplung der eigenen IT-Infrastruktur vom Versorgungsnetz sicherstellen. Also Doppelwandlersysteme, die nach DIN-Norm 62040-3 gemäß VFI-SS-111 zertifiziert sind und damit den Empfehlungen des BSI-Grundschutzkatalogs entsprechen. Diese Systeme sind zwar in der Anschaffung etwas teurer, schützen jedoch wirkungsvoll vor Spannungsspitzen, Frequenzschwankungen und Leitungsrauschen.
ITM: Und wie ist das Thema Energieverbrauch einzuordnen?
Repper: Der Energieverbrauch ist heute nach der Ausfallsicherheit der entscheidende Parameter im Rechenzentrumsumfeld. Je größer die Kapazität des Data Centers, desto wichtiger wird auch das Thema Energieverbrauch. Gerade im Mittelstand ist vielen Betreibern jedoch nicht bewusst, in welchem Ausmaß USV-Systeme überhaupt Stromkosten verursachen. Dies gilt speziell für ältere Anlagen, denn bis vor einigen Jahren war der Stromverbrauch der USV-Technik noch keine wirklich relevante Größe. Diese Sichtweise hat sich inzwischen drastisch geändert.
ITM: Wie lässt sich die Effizienz eines USV-Systems konkret verbessern?
Repper: Die Effizienz einer USV-Anlage ist stark von der Systemauslastung abhängig. Je höher diese ist, desto energiesparender kann das System arbeiten. Um eine Überdimensionierung der unterbrechungsfreien Stromversorgung zu vermeiden, empfehlen sich modular skalierbare Systeme. Denn so kann die USV-Kapazität mit der gerade benötigten Rechenleistung mitwachsen. Aber auch die Bauweise ist in diesem Zusammenhang ein Kriterium. Transformatorlose Systeme sind in der Lage, ihren Betriebsmodus entsprechend der jeweiligen Lastsituation anzupassen und arbeiten dadurch effizienter. Hier kann sich der Austausch älterer Anlagen bezahlt machen. Wann so etwas sinnvoll ist, wird jedoch von individuellen Faktoren bestimmt – eine kompetente Beratung ist hier empfehlenswert.
ITM: Wer leistet diese kompetente Beratung?
Repper: Aufgrund der technischen Entwicklung ist die USV heute ein Thema für Spezialisten. Es gibt sicherlich viele kompetente Systemhäuser, die auch im USV-Bereich sattelfest sind. Bei größeren zentralen Anlagen hat der Kunde jedoch den meisten Nutzen, wenn er sich Fachplaner, Installateure und Hersteller an einen Tisch holt und dann gemeinsam die optimale Lösung erarbeitet. Dabei ist die IT-Strategie des Unternehmens genauso wichtig, wie die Qualität der Netzversorgung am jeweiligen Standort oder der erforderliche Grad der Hochverfügbarkeit. Essentiell sind auch Fragen der vorbeugenden Wartung, Service-Reaktionszeiten und Ersatzteilverfügbarkeit. Denn ein USV-System kann nur zuverlässig funktionieren, wenn es regelmäßig gewartet wird.