No-Code-Lösungen

Verlockende Alternative

Thorsten Winternheimer, Gründer und Geschäftsführer von Necara, erklärt im Interview, warum sich sogenannte Low-Code- und No-Code-Plattformen für viele Mittelständler als ideale ERP-Lösung eignen.

No-Code-Lösungen

„Eine Prozess- oder gar eine Organisationsstruktur lässt sich nur schwer weiterentwickeln, wenn die monolithische Software im Weg steht“, sagt Thorsten Winternheimer.

ITM: Herr Winternheimer, wo liegen für viele Mittelständler die Schwierigkeiten und Hürden, wenn es um den Umgang mit gängigen ERP-Systemen geht?
Thorsten Winternheimer:
Ich glaube, dass einigen Mittelständlern leider noch nicht hundertprozentig klar ist, dass nur eine einwandfreie und vorwärtsgewandte Softwarelandschaft das Unternehmen mittelfristig weiterbringt. Das führt dazu, dass man Altsysteme nicht migriert oder in ERP-Systeme “von der Stange” investiert und erst später bemerkt, wie wenig diese sich an existente Prozesse anpassen lassen. Es ist ein großes Problem, wenn man versucht, solche Software zu den eigenen individuellen Prozessen hinzubiegen. Gängige ERP-Systeme entwickeln sich zudem nur schwer mit den sich stetig verändernden Prozessen in einem Unternehmen mit. Sie behindern oft sogar dessen Change-Management-Prozesse. Eine Prozess- oder gar eine Organisationsstruktur lässt sich nur schwer weiterentwickeln, wenn die monolithische Software im Weg steht und die Anpassung einen unglaublich großen Aufwand erfordert.

ITM: Was für Lösungsmöglichkeiten würden Sie einem mittelständischen Unternehmen empfehlen? Inwieweit gibt es branchenbezogene Unterschiede?
Winternheimer:
Um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, sollte jede Organisation meines Erachtens die Möglichkeit haben, sich ihre Software selbst für die eigenen Prozesse zu erstellen und anzupassen. Gute Programmierer sind aktuell äußerst schwer zu finden. Darum wurden in den letzten Jahren sogenannte Low-Code- und No-Code-Plattformen entwickelt. Diese ermöglichen es Mitarbeitern im Unternehmen, Software ohne Programmierkenntnisse selbständig zu erstellen. Mit professionellen No-Code-Plattformen lassen sich mit Hilfe von Templates auch komplexe ERP-Systeme zusammenstellen, die exakt auf die Prozesse und Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten sind und sich stetig neu anpassen lassen. Grundsätzlich sind solche Systeme branchen- und abteilungs-agnostisch und lassen sich in jede Unternehmensumgebung einpassen.

ITM: Welche Vorteile bieten No-Code-Plattformen? Was sind die Herausforderungen?
Winternheimer:
Professionelle No-Code-Plattformen sind ein unglaublich mächtiges Werkzeug hinsichtlich der digitalen Weiterentwicklung von Unternehmen. Sie geben jeder Abteilung und jedem Mitarbeiter die Möglichkeit, Prozesse unkompliziert in Software zu gießen und zu automatisieren. Sie eliminieren zum Beispiel alle Excel-Listen und die gesamte Schatten-IT eines Unternehmens. Noch ein Vorteil ist, dass man schnell und unkompliziert anfangen kann. Schon nach ein bis zwei Tagen ist häufig die erste lauffähige Software erstellt und einsatzbereit. So kann bereits nach kurzer Zeit wichtiges User-Feedback eingeholt werden. Anpassungen können dann per Drag-and-Drop leicht und auch reproduzierbar durchgeführt werden. Professionelle No-Code-Systeme verfügen zudem über mehrere Testinstanzen und ein eigenes Repository. Das stellt die Lauffähigkeit des generierten Codes automatisch sicher. Wir beobachten jedoch hin und wieder eine anfängliche Skepsis. Das geht oftmals von den IT-Abteilungen aus, wenn Mitarbeiter sich durch die einfache Handhabung der Software leichter ersetzbar fühlen. Meistens wird dann aber schnell deutlich, dass es sich dabei um eine Erweiterung ihrer Möglichkeiten handelt, nicht um eine Einschränkung. Die Arbeit wird schlichtweg effektiver. Grundsätzlich sind No-Code-Plattformen nämlich dazu gedacht, Herausforderungen bei der Software-Erstellung abzubauen, nicht neue zu schaffen.

ITM: Können Sie mir ein Beispiel aus der Praxis nennen?
Winternheimer:
Hunderte sogar. Wir erleben täglich bei unseren Kunden, dass das Erstellen von No-Code-Applikationen den Mitarbeitern unglaublich viel Spaß macht. ERP-Systeme auf Basis von No-Code-Plattformen lassen sich einfach modifizieren und weiterentwickeln. Die Mitarbeiter sehen somit sofort das Ergebnis. Das schafft Zufriedenheit und erzeugt Kreativität für weitere Entwicklungen. So hat es zum Beispiel ein Kunde aus der Automotivebranche geschafft, innerhalb kürzester Zeit sein Geschäftsmodell zu einem Großteil zu digitalisieren. Dieser Kunde stellt für große Player in der Branche sicher, dass Bauteile für das jeweilige Einsatzland die korrekten Zertifizierungen besitzen. Die erste Version der Anwendung hatte zunächst nur die Aufgabe, alle Zertifikate zu sammeln. Aufgrund der Flexibilität unserer No-Code-Plattform saas.do hat er sein System in kurzer Zeit kontinuierlich weiterentwickeln können, sodass nun ein extrem hoher Automatisierungsgrad erreicht wurde.

Bildquelle: Necara

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