Branchenübergreifend ist die Mehrheit der Mitarbeiter (57 Prozent) beeindruckt vom Engagement und der Fürsorge ihrer Führungskräfte. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Führung ist ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Kontrolle“, meint Dirk Hahn. ((Bildquelle: Hays))
„Wir haben unser internes Wiki drastisch ausgebaut“, berichtet Andreas Nau. ((Bildquelle: Easysoft))
„Wir haben fast immer vor der Politik reagiert“, berichtet Jens Buchloh. ((Bildquelle: Ergovia))
Als es mit Corona losging und Andreas Nau seine 90 Mitarbeiter ins Homeoffice schickte, sorgte sich der Easysoft-Geschäftsführer u.a., ob die Innovationsfähigkeit des Unternehmens auf dem hohen Niveau bleibt. Spontaner Ideenaustausch und schnelles Zusammenhocken auf den Schaukeln oder Kommunikationsinseln des Büros waren schließlich unmöglich geworden. Seine Mitarbeiter haben ihn in den vergangenen zwei Jahren immer wieder überrascht. Erst kürzlich lief das gesamte Entwicklerteam in der Metzinger Niederlassung ein – freitags um 18 Uhr. „Wir kommen, wenn ihr weg seid“, so das Motto. Nach mehr als sechs Stunden Hackathon hatten die Programmierer eine neue Idee ausgetüftelt, um die Software für Personalentwicklung und Ausbildungsorganisation weiter zu optimieren.
Auch dem Service und der Beratung fehlte zunächst der unmittelbare Kontakt. Denn: Viel Wissen wird vermittelt, weil man das Telefongespräch des Kollegen mithört oder eine kurze Frage über den Schreibtisch hinweg stellt. „Wir haben unser internes Wiki drastisch ausgebaut“, erzählt Nau. Vor allem seien wesentlich mehr kurze Tutorials und Videos zu finden, die auch häufiger als früher genutzt werden. Wenn alte Wege nicht mehr funktionieren, müssten neue her. Sie hätten schlicht andere Vorteile und andere Nachteile. „Wenn wir mal wieder Corona-unbelastet zusammensitzen, werden wir mehr Möglichkeiten haben“, so der Geschäftsführer.
Auch Jens Buchloh stellt fest, dass die Arbeit auf Distanz intensivere und offenere Kontaktpflege erfordert. Als Beispiel nennt der Ergovia-Geschäftsführer die jeweilige Reaktion auf Veränderungen der Corona-Lage: „Wir haben fast immer vor der Politik reagiert.“ Diese Entscheidungen trifft der Chef nie allein, sondern informiert die Mitarbeiter während eines Online-Meetings über den Stand der Dinge, dann wird diskutiert und gemeinsam beschlossen. Dadurch herrscht unter den Mitarbeitern das Gefühl: „Wir gehen gemeinsam durch Corona.“ Deren Feedback ist deshalb bestens: „Wir fühlen uns gut aufgehoben, der Chef sorgt sich um uns.“
Branchenübergreifend ist die Mehrheit der Mitarbeiter (57 Prozent) beeindruckt vom Engagement und der Fürsorge ihrer Führungskräfte – ob Homeoffice, Homeschooling oder Hygienekonzept. Drei Fünftel der Beschäftigten haben den Eindruck, dass ihr Unternehmen ein besseres Verständnis für sie entwickelt hat. Das ist das Ergebnis der zweiteiligen Studie „Corona und die Folgen“, die der Personaldienstleister Hays im vergangenen November veröffentlichte. Einerseits wurden 1.000 Beschäftigte befragt, andererseits 755 Führungskräfte. Knapp zwei Drittel der Mitarbeiter honorieren die offene Kommunikation ihres Unternehmens über die aktuelle Lage und Prognose, selbst wenn die Geschäftsführung nur die eigene Unsicherheit mitteilen konnte. Grundsätzlich fühlen die Mitarbeiter durch den Austausch höhere Wertschätzung und Anerkennung.
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Allerdings gibt es auch Kritik am Führungsverhalten, das betrifft einerseits eine engmaschigere Kontrolle und andererseits fehlende Empathie. So beklagen 48 Prozent der Mitarbeiter den gestiegenen Druck, knappe zwei Fünftel registrieren Führung von oben herab und 36 Prozent, dass sie sehr genau kontrolliert werden. Führung sei ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Kontrolle, so Dirk Hahn, CEO der Mannheimer Hays AG. „Die Aussagen zur zunehmenden digitalen Kontrolle und zum in der Realität nur teilweise umgesetzten partizipativen Führungsstil sollten Führungskräfte aufhorchen lassen. Hier zeigen sich wichtige Stellschrauben zur Mitarbeiterbindung, gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels.“