Eine DCIM-Lösung bietet u.a. einen Echtzeiteinblick in den Bestand jeder RZ-Ressource, samt Positionsangaben zu Etage und Rack.
Temperaturniveau, Luftfeuchtigkeit oder Serverauslastung – ein Rechenzentrum liefert heutzutage eine ganze Reihe von Daten, die IT-Verantwortliche kontinuierlich überprüfen und analysieren, damit der effiziente und störungsfreie RZ-Betrieb jederzeit gewährleistet ist. Unterstützt werden sie dabei von Softwarelösungen für das Rechenzentrumsmanagement – im Fachjargon Data-Center-Infrastructure-Management (DCIM) genannt –, die möglichst alle relevanten RZ-Werte wie Verbrauch, Kapazität und Performance der Ressourcen messen bzw. analysieren und darüber hinaus als RZ-Planungs- und Monitoring-Tool fungieren können.
Unterstützung bei der RZ-Planung
Dass entsprechende Lösungen auch und gerade im Mittelstand zum Einsatz kommen, weiß Markus Leberecht, Data Center & Cloud Architect bei Intel. Er stellt den zunehmenden DCIM-Einsatz bei kleinen und mittleren Unternehmen fest und sieht für diese bereits bei der RZ-Planung entscheidende Vorteile: „Die Unternehmensgröße ist hier Chance und Risiko zugleich: Die begrenzten Ressourcen verlangen eine umfassende Planung im Vorfeld, denn eine Fehlkalkulation kann schnell schwerwiegende Folgen haben.“ Wie dies in der Praxis aussehen kann, beschreibt Dr. Holger Held, Geschäftsführer von FNT Cloud Solutions, an einem fiktiven RZ-Neu- oder Umbauszenario, bei dem eine DCIM-Lösung als Planungs- und Dokumentationstool eingesetzt wird. „Meist steht im Vorfeld des Bauvorhabens erst einmal eine aufwendige und teure Aufnahme des IT-Bestands an. Die erfassten Daten sind dann die Grundlage für die Realisierung des Vorhabens.“ Nach der Umsetzung durch die Fachfirmen erhält der Bauherr eine Dokumentation der durchgeführten Arbeiten – häufig jedoch nicht kompatibel zu den vorhandenen. Hier setzt eine DCIM-Lösung an, denn „aus den bei der Planung generierten Protokollen entsteht auf Knopfdruck die Dokumentation. Auch nach dem Umbau können Änderungen geplant und fast automatisch in die Dokumentation übernommen werden.“ Desweiteren können Auslastungsprognosen erstellt und Kapazitätsengpässe im Ansatz erkannt werden, was das Risiko von Fehlinvestitionen reduzieren soll.
Doch moderne DCIM-Lösungen leisten weit mehr – vor allem dann, wenn das eigene RZ bereits in Betrieb ist. So ermöglichen sie es, wesentliche Analyse-, Planungs- und Managementaufgaben zu bewältigen und unterstützen bei allen anstehenden Aufgaben im Rechenzentrum. Dadurch können RZ-Leiter z.B. den störungsfreien RZ-Betrieb sicherstellen, Ressourcen- und Energieeffizienz im Rechenzentrum analysieren und überwachen sowie Raumkapazitäten festlegen. Dazu stellen DCIM-Systeme verschiedene Funktionen bereit, die vom Monitoring über das Asset Management sowie Kapazitätsmanagement und den MAC-Workflow alle Planungs- und Dokumentationspflichten eines Rechenzentrums erfüllen. „Integrierte DCIM-Lösungen gehen dabei weit über das reine Monitoring hinaus und können als umfassende Lösungs-Suite für alle im Rechenzentrum anfallenden Prozesse (siehe Checkliste) verstanden werden“, führt Holger Held aus.
Faktor: Energieeffizienz
Vor allem das Thema Energieeffizienz ist ein treibender Faktor, wenn es um den Einsatz entsprechender DCIM-Softwarelösungen geht. So zeigte die Studie „Server and Data Center Predictions” von Forrester Research, dass sich durch den DCIM-Einsatz der Energieverbrauch und der Aufwand für die Kühlung im Rechenzentrum zwischen fünf und 30 Prozent senken lässt. Daher scheint es nicht verwunderlich, dass Wilfried Cleres, Global Portfolio Manager Data Center Management & Automation bei Fujitsu, feststellt: „Bei mittelständischen Unternehmen bemerken wir großes und wachsendes Interesse am Thema Energieeffizienz. Dabei geht es um eine ganzheitliche Betrachtung von IT-Service-Prozessen, IT-Infrastruktur und um Kühlung und Klimaanlagen im Rechenzentrum.“
Konkret können Mittelständler mithilfe eines DCIM-Tools z.B. unausgelastete Server identifizieren. So bietet es einen vollständigen Überblick über Geräte und Ausrüstung bzw. ihrer Standorte und erlaubt eine effiziente Nutzung der verfügbaren Ressourcen und Fähigkeiten. Als Folge können diese ungenutzten (Rechen-)Kapazitäten besser ausgelastet werden, was eine Performancesteigerung nach sich ziehen kann. Auch Kosten können eingespart werden – so lässt sich mit einem durchdachten Servermanagement der Stromverbrauch reduzieren.
Laut den verschiedenen Anbietern können geeignete Systeme darüber hinaus die Zuverlässigkeit des Rechenzentrums steigern. So können RZ-Leiter Störungen frühzeitig erkennen, sodass sie dem Ausfall von Komponenten vorbeugen und schneller darauf reagieren können. Gerade Temperatur und Luftfeuchtigkeitswerte spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, da sie sich auf elektrostatische Aufladungen und Korrosion auswirken und in Extremsituationen schnell ändern können, was Störungen und Ausfälle nach sich ziehen kann. „Eine Echtzeiterfassung ist in diesem Fall eine große Hilfe: So können Mitarbeiter sofort reagieren, wenn ein vordefinierter, kritischer Wert erreicht oder überschritten wird“, sagt Markus Leberecht.
Eine weitere Dimension eröffnet die sogenannte „Predictive Maintenance“, also die vorausschauende Instandhaltung von Anlagen, noch bevor eventuelle Probleme auftreten. Diese Funktion zielt auf ein frühzeitiges Erkennen von Störungen ab. Verändern sich die Werte von Luftfeuchtigkeit oder Temperatur über einen gewissen Zeitraum, so kann mithilfe des Vergleichs von historischen Messwerten sofort reagiert werden. „Nötige Wartungsarbeiten lassen sich besser planen und durchführen, noch bevor kritische Werte erreicht sind“, fügt Leberecht an.
DCIM-Software-Einführung
Entscheidet sich ein Unternehmen für die Einführung einer DCIM-Lösung, gilt es – im Grunde wie bei jeder Software-Einführung – zuerst die passenden Ziele zu definieren. In diesem Zusammenhang sollte laut Holger Held berücksichtigt werden, dass die Einführung einer DCIM-Lösung immer auch einen Eingriff in die bestehende Prozesslandschaft bedeutet. „Keinesfalls ist es mit der Installation oder Implementierung einer Softwarelösung getan. Mindestens genauso wichtig ist es, sich über konkrete Ziele und gewünschte Wirkungen im Klaren zu sein.“ Dabei sollten alle Fachabteilungen rechtzeitig in das Vorhaben eingebunden werden, damit die jeweiligen individuellen Anforderungen berücksichtigt werden können. Helfen kann z. B. eine Kosten-Nutzen-Evaluierung – hierbei werden konkrete Anforderungen an die Lösung definiert und zusätzlich erörtert, inwieweit bestehende Plattformen zu integrieren sind oder welche Ressourcen für das Aufsetzen sowie den Betrieb eingeplant werden müssen. Vor allen Dingen kommt es laut Wilfried Cleres aber auf die Aktualität und Verlässlichkeit der hinterlegten Daten, beispielsweise Raumnutzung im Data Center, Rack-Belegung, Verkabelung und Netzwerk an, die über den Erfolg des DCIM-Projekts entscheiden.
Gerade für mittelständische Unternehmen kann es sich unter Umständen lohnen, mit einem Basis-Monitoring zu beginnen. „Sind die Vorteile des DCIM-Einsatzes im Gegensatz zum herkömmlichen Betrieb evaluiert, lässt sich das Monitoring auf weitere Dimensionen ausdehnen“, meint Markus Lebrecht von Intel. Stellt man hingegen fest, dass DCIM im konkreten Anwendungsszenario keinen Nutzen bringt, gehen mit der Einstellung eines Basisprojekts weniger Ressourcen verloren, was gerade für Mittelständler ein treffender Aspekt sein dürfte.
Ein Blick in die Zukunft
Auch im Bereich DCIM stehen Forschung- und Entwicklungsprozesse nicht still. Die verschiedenen Anbieter sind sich einig, dass die Systeme in Zukunft vor allem intelligenter werden. So wird das Trendthema „Internet der Dinge“ auch im Rechenzentrumsmanagement Einfluss nehmen. Dementsprechend werden DCIM-Lösungen zukünftig nicht nur von Facility-Mitarbeitern genutzt, sondern funktionsübergreifend im Unternehmen eingesetzt, um von Synergien zu profitieren. Doch dafür „müssen DCIM-Tools erst einmal die Grenzen des reinen Monitorings überwinden und sich zu umfassenden Managementwerkzeugen entwickeln, die die gesamte Wertschöpfungskette der IT abdecken“, bemerkt Holger Held von FNT an. Hierzu müsse der Fokus weg von reinen RZ-Assets und deren Monitoring und hin zur gesamten Prozessintegration, dem Einbeziehen des IT-Managements durch intelligente Auswertungen und Analysen aller vorhandenen Plan- und Ist-Daten gelegt werden. Dies setze jedoch ein Datenmodell voraus, welches alle Daten von der Physik bis hin zu den Managed Applications und Services umfasst.
Außerdem werden technologische Innovationen im Rahmen von DCIM-Systemen einfließen – so entwickelte Fujitsu beispielsweise eine neue Temperatursensormatrix. Diese Technologie ermöglicht die Temperaturmessung über Lichtwellenleiter und wurde in eine DCIM-Lösung integriert, wodurch laut Anbieter eine Energieeinsparung von 20 Prozent nachgewiesen wurde.
Ein Trend, dem sich die verschiedenen Hersteller bereits verschrieben haben, ist die mobile Nutzung von DCIM-Lösungen und der Zugriff auf alle Rechenzentrumsdaten in Echtzeit. So geben sie Anwendern heute bereits eigene Apps an die Hand, mit denen sich moderne Systeme vom Smartphone oder Tablet aus steuern und überwachen lassen. „Mit dem Einsatz einer modernen, intelligenten Lösung sendet die dazugehörige App eine entsprechende Mitteilung auf das mobile Endgerät“, erklärt Markus Leberecht. So wird der RZ-Leiter auch dann informiert, wenn er gerade nicht am Arbeitsplatz weilt, und kann unter Umständen per mobilem Device direkten Einfluss z.B. auf Temperaturschwankungen nehmen, indem er die RZ-Klimatisierung entsprechend ansteuert.
Typische Funktionalitäten eines DCIM-Systems
Quelle: FNT
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