Das NB-IoT-Steckmodul CMi6110 kann auch nachträglich in den Ultraheat-T550/UH50-Wärmezähler verbaut werden.
Die Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung (FFVAV), deren Vorgaben bis Ende 2026 umgesetzt werden müssen, bereitet Energieversorgern Kopfschmerzen. Wie man den Umbruch als Chance nutzen kann, zeigt Enertec Hameln: Der Einsatz der Funktechnologie Narrowband Internet of Things (NB-IoT) für das Smart Metering machte das Unternehmen FFVAV-konform und zum Vorreiter der Branche. Enertec Hameln, eine 100-prozentige Tochter der Interargem GmbH, erzeugt rund 185 Millionen kWh Strom und 230 Millionen kWh Fernwärme für Hameln. Kai Gnuschke, Betriebsleiter Kraftwerk und Leiter Fernwärme: „Unsere Privatkunden sollen in Zukunft ihre Verbrauchsinformationen monatlich erhalten. Dafür müssen wir die Verbräuche elektronisch fernerfassen. Das gelingt nur mit intelligenten Messgeräten.“
Das Unternehmen machte sich also auf die Suche nach Lösungen. Energieversorger stehen dabei unter Zeitdruck: Sobald ein Smart-Meter-Betreiber in ihrer Region eine Gateway-Infrastruktur betreibt, sind Versorger verpflichtet, sie zu dessen Konditionen zu nutzen. Den Verantwortlichen von Enertec Hameln war klar: Ihr Unternehmen sollte autark bleiben und volle Kontrolle über sämtliche Daten behalten. Man musste also zügig eine eigene Infrastruktur aufbauen. Zudem war es dem Unternehmen wichtig, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, betont Gnuschke: „Dafür müssen wir unser Netz effizienter betreiben – das erreichen wir nur mit Energie-Monitoring.“
Im Frühjahr 2022 wurden Enertec-Verantwortliche auf NB-IoT aufmerksam. Diese Technologie ist leistungsfähiger als ein Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) und kann Daten sogar aus tiefliegenden Kellerräumen übertragen. Zudem sind Aufbau, Betrieb und Instandhaltung deutlich weniger aufwändig: NB-IoT nutzt das Netz der großen Mobilfunkanbieter, ist fast überall verfügbar und wird einfach über eine SIM-Karte implementiert.
Spielentscheidend war, dass der Versorger für die Auslesung der Verbrauchsdaten den Ultraschallwärmezähler T550/UH50 des Anbieters von Energie-Management-Lösungen Landis+Gyr mit dem integrierten NB-IoT-Modul CMi6110 von Elvaco einsetzte. Der Zähler loggt sich automatisch mit einer SIM-Karte in das NB-IoT-Netz der Deutschen Telekom ein, überträgt die Daten in eine Cloud und speichert sie auf einem Server. Kai Gnuschke betont, dass sich die neue Lösung schnell in die Abläufe integrieren ließ: „Aus der Cloud können wir die Daten jederzeit in eigene Anwendungen wie unser Abrechnungsprogramm importieren.“
Zunächst machte Enertec Hameln einen Feldversuch mit wenigen Geräten im Stadtgebiet. „Wir hatten keine Ausfälle. Die Lösung erfüllt alle Anforderungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung und der FFVAV. Außerdem ist sie wirtschaftlich: Sobald die Infrastruktur aufgebaut ist, läuft alles vollautomatisch. Wir benötigen also kein zusätzliches Personal, um die FFVAV zu erfüllen“, berichtet Gnuschke.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Heute liest das Unternehmen 360 smarte Zähler über NB-IoT aus. Insgesamt könnten 1.400 Geräte umgerüstet werden – sogar in Miethäusern mit engen Kellern. Denn die Zähler benötigen keinen Strom, sondern können mit Batterien betrieben werden. Der Energieversorger gestaltet auch die Umrüstung nachhaltig. „Wir installieren die neuen Geräte erst, wenn ein Zählerwechsel ansteht. In eineinhalb Jahren werden alle Zähler ausgetauscht sein.“ Möglich wird dieses Vorgehen, weil selbst 13 Jahre alte T550/UH50 – ab Firmware 5.15 – mit NB-IoT-Modulen nachgerüstet werden können.
Die Umstellung amortisiert sich schnell. „Betrachtet man den gesamten Prozess, ist sie sogar wirtschaftlicher als eine jährliche händische Auslesung“, so Gnuschke. Die smarten Zähler liefern tagesaktuelle Werte, beispielsweise zu kWh-Leistung, Temperaturen und Durchfluss. Fehler in der Infrastruktur fallen dadurch früher auf. Enertec Hameln hat nun außerdem detaillierten Einblick in die eigene Netzhydraulik – und kann das Netz noch effizienter machen. „Durch die smarten Zähler können wir beispielsweise ausschließen, dass sich die Spitzenzeiten größerer Verbrauchergruppen überlappen. Das erlaubt uns, mindestens 5 Prozent zusätzliche Netzressourcen zu generieren: Wir müssen unser Netz nicht teuer ausbauen, sondern können sogar weitere Kunden anschließen.“
Enertec Hameln GmbH
Branche: Energie
Gründung: 1913
Hauptsitz: Hameln
Mitarbeiter: 118
Kai Gnuschke
Alter: 49 Jahre
Ausbildung und Werdegang: Dipl.-Ing. (FH) 1999 – FR Siedlungswasserwirtschaft, Dipl.-Ing. (TU) 2001 – FR Abfallwirtschaft, Projektleiter Rohrleitungsbau 2001 bis 2007, Betriebsleiter Infrastrukturbau 2007 bis 2009, Leiter Rohrleitungsbau Duensing 2009 bis 2011, Leiter Rohrleitungsbau GA EAN 2011 bis 2015, Leiter Fernwärme Enertec Hameln seit 2016, Leiter Fernwärme Enertec Kraftwerk seit 2020, Experte DVGW Cert für die FW601 seit 2017
Derzeitige Position: Prokurist, Leiter Technik und Leiter Fernwärme bei der Enertec Hameln GmbH
Kurz und knapp
In unserem Betrieb spielt die Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) ...
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... man 24/7 einen Ansprechpartner erreicht und einen Kundendienst innerhalb kürzester Zeit vor Ort hat.
Bildquelle: Entertec Hameln