Remote Wartung

Von Menschen, Maschinen und Prozessen

2016 als Ausgründung aus der Fraunhofer-Gesellschaft und der RWTH Aachen hervorgegangen, hat sich Oculavis der Aufgabe verschrieben, die Prozesse in der Wartung und Instandhaltung zu transformieren. Geschäftsführer Martin Plutz steht im Interview Rede und Antwort zu den Ansätzen.

Martin Plutz, Oculavis

Martin Plutz, Oculavis

ITM: Herr Plutz, was bedeutet Industrie 4.0 für Sie persönlich und wann haben Sie das Potenzial erkannt, das diesem Konzept zu Grunde liegt?
Martin Plutz:
Industrie 4.0 ist für mich ein breites Konzept mit vielen Facetten, das im Grunde die digitale Vernetzung von Unternehmen, Menschen, Maschinen und Prozessen meint. Die nahezu beliebige Verwendung von „Industrie 4.0“ in allerlei Kontexten hat allerdings in den letzten Jahren aus meiner Sicht zu einer Bedeutungsinflation dieses Begriffes geführt, weshalb ich persönlich diesen Begriff meide, auch wenn die dahinter stehenden Konzepte relevanter sind denn je.

ITM: Denken Sie, dass I 4.0-Anwendungen den Mittelstand bereits durchdrungen haben?
Plutz:
In vielen Einzelansätzen ist das aus meiner Erfahrung heraus der Fall. Es fehlen jedoch in den Unternehmen oftmals noch ganzheitliche Ansätze und Strategien für „Industrie 4.0“ und die Integration einzelner Bausteine, um eine durchgängige Datenbasis als Voraussetzung für die Vernetzung von Unternehmen, Menschen, Maschinen und Prozessen zu schaffen.

ITM: Wie trägt Ihr Unternehmen dazu bei, I 4.0-Szenarien auch für den Mittelstand greifbar zu machen?
Plutz:
Unsere Augmented-Reality-Plattform fokussiert sich darauf, neue Service- und Wartungsprozesse zu ermöglichen. Mit unserem Remote-Expert-Modul können sich Experten zu jedem Ort der Erde schalten, um eine Maschine aus der Ferne zu warten, bei Inbetriebnahmen zu unterstützen oder jemanden in der Bedienung einer Anlage zu schulen. Unser Workflow Modul für Schritt-für-Schritt Anleitungen mit integrierter Dokumentation und unser Augmented Reality Viewer zur Anzeige von CAD-Geometrien auf realen Bauteilen und Komponenten ermöglicht es, maschinenrelevantes Wissen auch ohne einen persönlich zugeschalteten Experten an den Ort des Geschehens zu bringen. Die Mehrwerte liegen in der Einsparung von Reisekosten, einer gesteigerten Anlagenverfügbarkeit und der Möglichmachung digitaler Geschäftsmodelle insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Die Bundesregierung hat I 4.0 explizit zum Zukunftsprojekt ernannt und sich der Förderung entsprechender Anwendungen verschrieben. Inwieweit bekommen Sie als Start-up davon etwas mit?
Plutz:
Die „Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ stammen ja bereits aus dem Jahr 2013. Seither hat die technologische Entwicklung viele Fortschritte gemacht. Im Rahmen von BMBF Ausschreibungen bekommen wir regelmäßig von den Förderprogrammen des Bundes mit und sind hier auch in dem ein oder anderen Konsortium aktiv, um z.B. neue Technologien wie 5G oder Predictive-Maintenance-Ansätze in unsere Lösung zu integrieren.

ITM: Wie hat Corona Ihr Geschäftsfeld verändert?
Plutz:
Corona hatte für unsere Unternehmensentwicklung positive Auswirkungen. Denn über unsere Lösung können sich Maschinenbediener ja jederzeit mit Kollegen im Büro oder im Homeoffice per Remote Expert Support verbinden, um eng an einer Fragestellung zusammenzuarbeiten, ohne sich persönlich zu nahe zu kommen. Insofern ist das fast schon logisch, dass unsere Lösung noch stärker nachgefragt wird als schon zuvor. Diesem für uns positiven Trend entgegen stehen natürlich die unsichere konjunkturelle Entwicklung, die auch wir mit Sorge betrachten. Allerdings ist unser Kundenportfolio stark in verschiedene Branchen diversifiziert, sodass wir auch für die Zukunft gut aufgestellt sind.

ITM: Welche großen Trends werden Ihrer Einschätzung nach zu Gamechangern in Bezug auf Wartung und Instandhaltung?
Plutz:
Wir sehen insbesondere in Künstlicher Intelligenz ein großes Potenzial, unsere Augmented-Reality-Plattform weiter mit Innovationen anzureichern. Einerseits durch die Anbindung von auf KI basierenden Predictive-Maintenance-Systemen, die automatisiert in unserer Lösung einen Bedarf an Remote Support auslösen oder gewisse Workflows zur proaktiven Wartung einer Maschine aussteuern. Aber auch in unserer Anwendung selbst ergeben sich durch KI-Ansätze im Bereich Computer Vision sehr interessante Ansätze z.B. zum Verpixeln von Gesichtern in einer Remote Support Session oder zum automatischen Erkennen von Ersatzteilen.

Bildquelle: Oculavis

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok