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„Vorbei sind die Zeiten des Systemmonolithen“

IT-MITTELSTAND befragt die Verantwortlichen der großen IT-Anbieter. Diesmal: Christoph Stoica, Geschäftsführer der zentraleuropäischen Landesgesellschaften bei Sage.

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„Die meisten Bedenken sind angesichts der Sicherheitsstandards, die Rechenzentren professioneller Anbieter erfüllen, unbegründet“, sagt Christoph Stoica.

Unter Mittelstand verstehe ich ...
… den Motor der deutschen Wirtschaft. Über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland gehören dazu. Sie stellen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze und erwirtschaften dabei mit Blick auf die Nettowertschöpfung mehr als jeden zweiten Euro. Wir reden hier von rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland.

Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...
… er in aller Regel vom Umsatz und von der Mitarbeiterzahl her kleiner aufgestellt ist. Mittelständler sind mehrheitlich inhabergeführt oder in Familienhand und weisen in dem, was sie tun, einen sehr hohen Spezialisierungsgrad auf. Das heißt, mittelständische Betriebe haben von ihrer Ausrichtung her, anders als Konzerne, häufig einen sehr spitzen Branchenbezug. Sie sind mit Blick auf ihr Portfolio nicht selten Marktführer für ein bestimmtes, hoch spezialisiertes Produkt, vom Firmennamen her aber einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Wir sprechen dann von sogenannten Hidden Champions. 

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...
… einer guten Kenntnis der Geschäftsprozesse sowie der relevanten regulatorischen und gesetzlichen Auflagen der Kunden, um IT-Systeme bereitzustellen, die auf ihre Anforderungen bestmöglich zugeschnitten sind. Zudem benötigen Software-Hersteller ein breites Netzwerk an Partnern und ISVs, die diesen Spezialisierungsgrad ermöglichen. Denn: Große Software-Hersteller können unmöglich für jede Branche und jeden Anwendungsfall das passende System im Portfolio haben. 

Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...
… noch vergleichsweise konservativ unterwegs. Zwar hat inzwischen fast jeder Betrieb für den einen oder anderen Anwendungsfall auch schon Cloud-basierte Tools im Einsatz. Hier hat insbesondere die Corona-Pandemie als starker Beschleuniger gewirkt. Dies beschränkt sich aber nach wie vor auf Applikationen im Office- oder Collaboration-Bereich – Stichwort „Microsoft 365“.

Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus ...
… Einzelsystemen, die meist für spezielle Anwendungsfälle vorgesehen sind – etwa einem Buchhaltungssystem, einem Warenwirtschaftssystem, einem Customer-Relationship-Management-System (CRM) und für den Fall, dass der Betrieb im produzierenden Gewerbe tätig ist, möglicherweise noch verschiedenen Lösungen zur Produktionssteuerung und Produktionsplanung. Kennzeichnend für sämtliche dieser Anwendungen ist, dass sie in der Regel als stationäre Desktoplösungen betrieben werden.

Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist, dass ...
… sie in der Regel sehr kostensensibel ausfallen. Aus diesem Grund sind viele mittelständische Betriebe bei größeren IT-Projekten eher zurückhaltend, da diese, vor allem wenn die Betriebe sehr individuelle Anforderungen haben, ausgesprochen kostenintensiv und zeitaufwendig sein können. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den von Software-Herstellern bereitgestellten Standardfunktionalitäten ist hier in jedem Fall ratsam. Aber auch ein Trend dürfte dem Mittelstand entgegenkommen: Software-Abonnements haben sich in den letzten Jahren zum Standard entwickelt und bieten flexiblere Kostenmodelle. 

Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind, dass ...
… viele Betriebe nach wie vor zahlreiche Insellösungen im Einsatz haben. Das heißt: Das Buchhaltungssystem, das Warenwirtschaftssystem, das CRM-System oder die Produktionssteuerung werden jeweils für sich betrieben und verwaltet. Durch diese fehlende Integration entstehen Datensilos, die einen Gesamtüberblick über die unternehmerischen Prozesse und in der Folge abteilungsübergreifende Planungen erschweren. Auch die Automatisierung von Abläufen wird durch diese Insellösungen erschwert.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich ...
… mehr Systemintegration. Denn es ist in der Tat sinnvoll, wenn etwa durch die Integration von Warenwirtschaft und Produktionssteuerung mehr Transparenz bezüglich der Frage erzeugt würde, ob die Bedarfe an Komponenten und Rohstoffen in der Produktion auf der einen Seite auch durch die Bestände im Rohwarenlager auf der anderen Seite tatsächlich gedeckt sind oder ob gegebenenfalls – bestenfalls automatisiert – Nachbestellungen ausgelöst werden müssen. Ermöglicht wird dies, indem die Daten aus allen Abteilungen eines Unternehmens in einer Datenbank zusammenlaufen und somit auch sämtliche Betriebsprozesse auf Basis eines einheitlichen, konsolidierten Datenbestands analysiert und letzten Endes gesteuert werden können. 

Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...
… vor allem im Bereich der Sicherheitsbedenken, die sich bezüglich des Themas „Cloud“  hartnäckig halten. Der aktuelle Cloud-Monitor, den die Unternehmensberater von KPMG mit Bitkom Research erstellt haben, zeigt, dass sich im Vergleich zur letzten Datenerhebung zum Thema „Cloud-Security“ im Jahr 2019 viele Bedenken sogar verstärkt haben. Hier zeigt sich, dass es auf Herstellerseite noch viel Kommunikationsbedarf gibt. Denn die meisten Bedenken sind angesichts der Sicherheitsstandards, die Rechenzentren professioneller Anbieter erfüllen, unbegründet. Hier wurde ein Security-Level erreicht, welches mittelständische Betriebe aus eigener Kraft nur sehr schwer erreichen können. 

Christoph Stoica
Alter: 45 Jahre
Größtes Hobby: Rennradfahren

Karriere
Beruflicher Werdegang: Stoica verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Geschäft mit Unternehmens-Software. Zuletzt hatte er als Management-Berater mittelständische Cloud-Software-Anbieter bei der Entwicklung und Umsetzung von Wachstumsstrategien unterstützt. Davor war er mehrere Jahre für Micro Focus tätig. Dort verantwortete er u.a. als Vice President Channels & Inside Sales das indirekte Geschäft sowie den digitalen Vertrieb für Europa, den Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika. Weitere Stationen seiner Karriere waren NetIQ sowie Novell.
Derzeitige Position: Geschäftsführer der zentraleuropäischen Landesgesellschaften bei Sage

Bildquelle: Sage

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