Katja Gross, Organisatorin der Messe Tools in Berlin, will Ressentiments gegen die Cloud abbauen.
Frau Gross, worum geht es bei der Tools Expo + Konferenz? Und wer genau wird adressiert?
Katja Gross: Die Tools macht das Thema „Digitale Transformation“ in der Arbeitswelt greifbar, sowohl auf der Expo als auch in den Konferenzformaten. Sie ist eine Plattform für alle Entscheidungsträger, die sich einen praktischen Überblick zum Thema webbasiertes Arbeiten verschaffen wollen, strukturiert nach Einsatzbereichen IT & Tech, Operations & Supply Chain, Marketing & Sales, Finance & Controlling, HR & Collaboration. Das Testen und Ausprobieren zum Thema intelligente Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen stehen im Mittelpunkt.
Woher stammt die Nachfrage für eine solche Veranstaltung? Aus welchen Bereichen?
Gross: Ursprünglich kam das Interesse aus der Berliner Start-up-Szene. Junge Unternehmer müssen frühzeitig ihre Administration professionell aufstellen. Sie haben den Vorteil, „auf der grünen Wiese“ zu beginnen und statten sich daher von vornherein ausschließlich mit webbasierten Lösungen aus. Aber auch traditionelle kleine und mittelständische Firmen sehen sich mit einer digitalen Zukunft konfrontiert, die eine Anpassung der Arbeitsweisen fordert. Den größten Bedarf gibt es derzeit vor allem bei Themen wie HR, Collaboration, Marketing und Vertrieb.
Durch die Digitalisierung verändert sich nicht nur unser Alltag. Was können Sie über die Trends im Berufsleben sagen?
Gross: Die Digitale Revolution hat dazu geführt, dass Arbeitnehmer zum größten Teil privat besser digital aufgestellt sind als in ihrem Job. Das fängt bei Endgeräten und Gadgets an und geht bis hin zum Einsatz smarter Apps, die uns helfen, unser Privatleben besser zu organisieren. Das war vor zehn Jahren genau umgekehrt: Die bessere technologische Ausstattung fand man am Arbeitsplatz. Dieser Entwicklung müssen sich Unternehmen stellen, denn nur so kann Erfolg in Zukunft gesichert werden.
Die Leistungen der Arbeitgeber müssen vor allem in wirklich produktive Workflows fließen und nicht in analoger Administration versickern. Die Arbeitsweisen der Zukunft sind webbasiert. Wer heute nicht elementare Weichen stellt, wird wertvolle Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten einbüßen, die ihre Hausaufgaben rechtzeitig gemacht haben.
Wieso fällt es besonders mittelständischen Unternehmen oft schwer, ihre Arbeitsweise vollständig an die Entwicklung der Zeit anzupassen? Müssen sie das überhaupt?
Gross: Unbedingt müssen sie das tun, aus den bereits geschilderten Gründen. Die Veränderung als solches ist jedoch nicht einfach, denn am Ende geht es um Menschen. Ein Change-Prozess ist nicht immer einfach und er verursacht zum Teil Angst. Deshalb ist es wichtig, nicht einfach mit dem Hammer neue Tools einzuführen, sondern gezielt die Digitalisierung auch in der Unternehmenskultur zu verankern. Mein Tipp: mit kleinen Prozessen beginnen, schnell sein, aus Fehlern lernen und nicht wertvolle Zeit vergeuden. Fatal, aber leider zu oft praktiziert, ist diese Vorgehensweise: Den Sicherheitsgurt bis ins Kleinste entwickelt zu haben, um dann mit der Entwicklung des Autos zu beginnen.
Immer wieder gibt es Kontroversen rund um das Thema Cloud – leider zu Recht. Wie stehen Sie zum Thema Datenschutz?
Gross: Dieses Thema ist nicht von der Hand zu weisen und wichtig, aber wird meiner Meinung nach falsch diskutiert. So oft hört man insbesondere aus kleinen und mittelständischen Firmen noch Ressentiments gegen die Cloud, aber wenn man dann mal konkret hinterfragt, wie viele Profis sich firmenintern um die IT- und Datensicherheit kümmern, dann wird das Dilemma schnell klar.
Bei Cloud-Anbietern jedoch basiert das gesamte Geschäftsmodell darauf. Entsprechend nimmt dieses Thema eine elementare Stellung ein, was sich in den Ressourcen, die dafür aufgewendet werden, äußert. Eine Leistung, die kein Mittelständler selbst aufbringen kann. Meiner Meinung nach muss jeder Unternehmer klar definieren, welche tatsächlich geschäftskritische Daten sind und welchen Schutzgrad sie in Abstufung zu weniger schützenswerten Informationen benötigen. Datenschutz wird schnell als Todschlagargument ausgepackt und teilweise erschreckend unkonkret diskutiert. Dabei werden private Daten und businessrelevante Daten in einen Topf geworfen, um das Thema Cloud endlich vom Tisch zu bekommen. Ziel muss es doch aber sein, Entwicklungen zur Verbesserung der Schutzmechanismen beim Thema Cloud voranzutreiben – das ist meiner Meinung der richtige Weg.
Die meisten cloud-basierten Anwendungen stammen immer noch aus den USA. Die tools stellt auch Unternehmen aus Deutschland vor. Hat es einen Vorteil, wenn unsere Daten auf Servern im eigenen Land liegen?
Gross: Ich bin keine IT-Sicherheitsexpertin und kann das daher nicht fachlich fundiert beurteilen. Allerdings war IT noch nie zu 100 Prozent sicher. Einem Hackerangriff kann sowohl ein deutscher Server als auch ein US-Server zum Opfer fallen. Ich denke, für das Bauchgefühl mag das ein Vorteil sein und die Angst lindern, im absoluten Ausnahmefall den US-Behörden Zugang zu wertvollen Informationen gewähren zu müssen. Aber auch wir haben einen Geheimdienst in Deutschland. Viel wichtiger sind daher die geschäftspolitischen Entscheidungen: Was halte ich komplett aus dem Netz raus – auf Servern, die nicht ans Internet angeschlossen sind (Patente, Rezepte, Produktionspläne etc.) und was nicht? Und am Ende ist da immer noch der Unsicherheitsfaktor Nummer Eins – der Mensch.