Christian Otto hat ein Faible für integrierte Finanzarchitekturen.
Die Schonfrist für kleine und mittelständische Unternehmen läuft zwar erst Ende 2025 ab (und die Möglichkeit eines Opt-out besteht sogar bis 2028), doch die EU-Richtlinie „Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)“ sorgt vielerorts schon jetzt für Kopfzerbrechen. Befürchtet werden viel Bürokratie und hohe Kosten. Die Hände in den Schoß zu legen, ist keine Lösung, denn mit der CSRD wird das ESG-Reporting (Environmental, Social, Governance) von der Kür zur Pflicht. Auch Verbraucher erwarten gerade vom Online-Handel mehr „grüne Transparenz“. Mit einem proaktiven Vorgehen können sich Unternehmen hier als Vorreiter positionieren und die Kundenbindung stärken.
Um die Anforderungen der CSRD zu erfüllen, sollte man zuerst die Reporting-Pflichten definieren und sicherstellen, dass die Bedürfnisse des Unternehmens und der Stakeholder berücksichtigt werden. Dabei gilt es, die doppelte Materialität im Auge zu behalten, d.h., sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte abzuwägen. Im nächsten Schritt geht es darum, relevante Datenpunkte zu identifizieren und die Datenqualität zu garantieren. Eine Gap-Analyse hilft festzustellen, welche Daten in welchen Systemen verfügbar sind. Auf dieser Grundlage kann man Datenlücken schließen, etwa durch die Integration von externen Quellen. Schließlich empfiehlt sich das Design einer effizienten IT-Architektur, die es ermöglicht, die benötigten Daten automatisiert zu erheben, zu analysieren und ins Reporting zu integrieren.
Allein schon die Datenlage ist eine große Herausforderung. Für die CSRD muss eine Vielzahl an nichtfinanziellen Informationen aus unterschiedlichen Quellen gesammelt und analysiert werden. Zudem sind einheitliche Standards unumgänglich, um die Daten konsistent zu erheben und zu bewerten sowie sicherzustellen, dass sie qualitativ hochwertig und zuverlässig sind. Insbesondere Scope-3-Emissionen – Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette – sind schwer zu bilanzieren und oft nur über Drittanbieter zugänglich. Hier ist es wichtig, den passenden Anbieter auszuwählen, dessen Datensätze auf das spezifische Geschäftsmodell und die Regionen des Unternehmens abgestimmt sind.
Digitale Lösungen auf der Basis von Artificial Intelligence (AI) und Automatisierung können bei der CSRD eine große Hilfe sein. Hier ein Beispiel: Ein wichtiger Datenpunkt betrifft den European-Sustainability-Reporting-Standard Geschäftsgebaren – Zahlungspraktiken (ESRS G1). Dabei wird erhoben, wie lange ein Unternehmen für das Begleichen einer Rechnung benötigt, um so die finanzielle Performance und Zahlungsdisziplin zu bewerten. Durch eine automatisierte Erfassung und Meldung der Zahlungszeiten sowie Integration ins Reporting kann dieser Berichtspunkt einfach, schnell und zuverlässig dargestellt werden. Positiver Nebeneffekt: Ein optimierter Zahlungsprozess verbessert die Beziehungen zu den Lieferanten und stabilisiert die Lieferketten.
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Fazit: Ein komplexes Projekt wie die CSRD sollten Unternehmen nicht auf die lange Bank schieben. Es ist ratsam, sich frühzeitig mit den Anforderungen und Prozessen vertraut zu machen, digitale Tools zu implementieren und das Thema „Nachhaltigkeit“ in die Geschäftsstrategie zu integrieren. Dies erfordert auch die Einbeziehung und Schulung der Mitarbeiter, damit alle an einem Strang ziehen und die CSRD nicht nur als Pflicht, sondern auch als Chance begreifen.
Bildquelle: Tragens GmbH