Sicherheit im Fokus

Wie Cloud-Anbieter von Krisen profitieren

In Zeiten von Digitalisierung, Homeoffice und Cyberangriffen sind es die globalen Cloud-Anbieter, die ihre Marktposition ausbauen und die Umsätze nach oben treiben.

Sicherheit im Fokus

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied – diese alte Weisheit gilt auch für die digitale Lieferkette.

In den vergangenen Monaten und Jahren haben bestimmte Entwicklungen und Events zu einer Beschleunigung der Digitalisierung und damit gleichzeitig für einen Trend hin zu Cloud-Dienstleistungen gesorgt. Waren es zu Beginn wirtschaftliche Überlegungen oder der Wunsch, Kunden neue Services anzubieten, sind es mittlerweile Flexibilität und Sicherheit, die im Vordergrund stehen. Die Coronapandemie mit neuen Anforderungen an die Funktionalität von Homeoffice oder auch der Russland-Ukraine-Krieg mit dem Bedürfnis nach Sicherheit vor Hackerangriffen sind beides Ereignisse der jüngeren Vergangenheit, die als Katalysator fungieren. Und selbst Unternehmen, die immer noch ein eigenes Rechenzentrum betreiben, sind häufig dennoch abhängig von der Cloud. Denn oftmals werden Bereiche, wie beispielsweise Prozesse im Personalwesen, das ERP-System oder das Kundenportal bzw. der Online-Shop, outgesourct und mithilfe von spezialisierten Dienstleistern effektiver gestaltet. Nur zu oft nutzen diese Dienstleister im Hintergrund Cloud-Anbieter, die diese Services erst ermöglichen. So kommt es nicht von ungefähr, dass der Public-Cloud-Markt laut Gartner jährlich um mehr als 20 Prozent wächst und mittlerweile einen Umsatz von über 400 Mrd. US-Dollar generiert. Während die Anzahl an Cloud-Nutzern also kontinuierlich steigt, stellen die jüngsten Ereignisse vor allem die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Cloud-Providern in den Mittelpunkt.

Cybersicherheit in der Cloud

Betrachten wir die Sicherheit von Cloud-Dienstleistungen, rücken mehrere Ebenen in den Fokus: Geht es um die allgemeine Ausfall- oder Datensicherheit oder im Speziellen um die Cybersicherheit? Wie ist die digitale Lieferkette aufgebaut? Gibt es eine direkte Anbindung an den Cloud-Dienstleister oder sind SaaS-Anbieter oder ähnliche Dienstleister zwischengeschaltet? Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied – diese alte Weisheit gilt auch für die digitale Lieferkette. Die Hyperscaler Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud Platform investieren Unsummen in Ausfall- und Cybersicherheit. Hoch bezahlte Experten, Prämien für Hinweise auf Schwachstellen und modernste Rechenzentren sowie Redundanzen sorgen für ein Sicherheitsumfeld, das man in dieser Form selten findet. Denn eine eigene Infrastruktur in dieser Form zu schaffen, wäre für die meisten Unternehmen nicht rentabel. Doch je mehr Dienstleister zwischengeschaltet sind, umso mehr Angriffspunkte ergeben sich. Warum sollte sich jemand die Mühe machen, einen komplexen Angriff auf AWS und Co. zu starten, wenn der IT-Dienstleister, der alle Services verwaltet, das einfachere Tor zum Ziel ist?

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Bezogen auf die aktuelle Angst vor einem Cyberkrieg muss festgehalten werden, dass in diesem Kontext die Kosten und der Aufwand zweitrangig sind. Dennoch geht es um Effektivität und Geschwindigkeit. Fehlschläge sind zu vermeiden und so werden auch in diesem Fall strategisch einfachere Ziele gewählt. Im letzten Jahr gab es bei den drei zuvor genannten großen Cloud-Anbietern keinen Ausfall, der auf ein Cyber-Event zurückzuführen war. Die Cloud, zumindest bezogen auf die großen Anbieter, ist für Unternehmen ein guter Schutz vor gezielten Angriffen, da der Aufwand für die Angreifer um ein Vielfaches höher ist.

Steigende Abhängigkeiten in der digitalen Lieferkette

Auch wenn Cyberangriffe bei Ausfällen von Clouds eine untergeordnete Rolle spielen, so kommt es durchaus aufgrund anderer Ursachen zu Ausfällen der Dienstleistungen. Das Monitoring-System von Parametrix, Anbieter einer parametrischen Cloud-Ausfallversicherung, verzeichnet im Schnitt alle drei Wochen einen Ausfall von mehr als 30 Minuten bei einem der drei führenden Anbieter AWS, Azure und GCP. Je nach Unternehmen kann ein Ausfall einen beträchtlichen finanziellen Schaden nach sich ziehen. Hierbei ist es entscheidend, dass wichtige Prozesse mit Redundanzen aufrechterhalten werden, Notfallpläne bestehen und die finanziellen Auswirkungen durch eine Versicherung abgemildert werden. Die Haftungsvereinbarung in den bestehenden Verträgen sind meist zugunsten der Anbieter formuliert und eine zugesicherte Verfügbarkeit von 99,8 Prozent berücksichtigt bereits eine „geplante“ Ausfallzeit von jährlich rund 17 Stunden.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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