Auf dem richtigen Weg

Wie die nachhaltige Transformation gelingt

Eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie sollte auch die digitale Infrastruktur ins Visier nehmen. Welche Handlungsfelder als Startpunkt dienen, erklärt Dr. Christopher Jahns, Gründer und CEO von XU, im Kommentar.

Auf dem richtigen Weg

Dr. Christopher Jahns ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit einer der Innovations-, Wettbewerbs- und Jobmotoren der Zukunft ist.

Eine nachhaltigere Geschäftsausrichtung ist keine Moralfrage mehr. Die Ressourcen unseres Planeten sind begrenzt und müssen mit Bedacht eingesetzt werden. Auch das seit Jahresbeginn geltende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) bekräftigt den Druck, nachhaltiger zu wirtschaften: Es regelt erstmals die unternehmerische Verantwortung zur Einhaltung von Menschenrechten in Lieferketten.

Um bei dem Thema Fortschritte zu machen, setzen viele Organisationen auf Digitalisierung, um mehr Transparenz in Lieferketten zu schaffen oder Warenbewegungen ressourcenschonender zu planen. So weit, so gut? Ja, wenn digitale Tools und Künstliche-Intelligenz-Anwendungen etwa in der Logistik genutzt werden, Routen und Warenbewegungen zu optimieren, ist das ein guter erster Schritt.

Steigender Energiebedarf

Doch dabei droht ein Kipppunkt: Obwohl Server immer effizienter werden und die Auslastung von IT-Systemen insbesondere in Cloud-Rechenzentren steigt, führt der stark erhöhte Leistungsbedarf vieler Branchen zu einem steigenden Energiebedarf in deutschen Rechenzentren. Laut Borderstep Institut lag dieser im Jahr 2021 mit rund 17 Terawattstunden höher als der Bedarf ganz Berlins. Würde sich dieser Trend fortsetzen, könnte der Energieverbrauch der Rechenzentren in Deutschland trotz deutlicher Effizienzgewinne bei IT und Infrastrukturkomponenten bis 2030 auf rund 28 Terawattstunden ansteigen. Das gilt es dringend zu vermeiden.

Die folgenden Aspekte können daher bei der Suche nach digitalen Lösungen helfen, die Unternehmen wirklich nachhaltiger machen: Software auf Nachhaltigkeit prüfen: IT-Verantwortliche sollten die genutzte Software hinterfragen. Wie effizient ist der Code, wie hoch die Kompatibilität für unterschiedliche Hardware-Voraussetzungen und wie steht es um die Emissionsbilanz der gesamten Architektur? So können Optimierungspotenziale schnell identifiziert und klare Grundsätze für die Re-Evaluation des Softwareportfolios festgesetzt werden – um Effizienzfortschritte künftig geeignet zu berücksichtigen. Dabei gilt es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen sowie der Einhaltung von Vorschriften und Nachhaltigkeitsansprüchen im Unternehmen zu schaffen.

Dazu kommen klimafreundliche Hosting- und Cloud-Dienste: Der Blick auf digitale Betriebsprozesse, wie Web-Hosting-Modelle und Cloud-Services, lohnt. Welche Energien werden für deren Betrieb genutzt und wie effizient sind sie? Wo stehen die Server? Wieviel Wert legt der Anbieter auf Fairness und Datentransparenz? Durch Drittanbieter anfallende Emissionen und Fragen der Fairness werden oft vergessen, haben aber direkten Einfluss auf die Nachhaltigkeitsbilanz. 

Neues Wissen

Auch sollten Synergieeffekte genutzt werden: Eine auf Nachhaltigkeit vorbereitete IT-Ausrichtung kann womöglich viele verschiedene Unternehmensbereiche bei der Transformation unterstützen – etwa bei der Erfassung und Bewertung von CO2-Emissionen. IT-Verantwortliche sollten daher gemeinsam mit den verschiedenen Abteilungen prüfen, welche bereits im Unternehmen genutzten Lösungen auch in anderen Geschäftsbereichen Emissionen und Ressourceneinsätzen reduzieren können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Das Thema „Nachhaltigkeit“ im digitalen Kontext erfordert viel neues Wissen, um bestehende Strukturen hinterfragen, auf Sustainability zugeschnittene neue Antworten liefern sowie deren Potenziale geeignet miteinander verquicken zu können. Damit sind Digital- und Logistikbranche nicht allein, denn wir alle müssen beim Thema dazulernen und uns neue Kenntnisse aneignen. Am Ende zahlt es sich für Wirtschaft, Planeten und Menschen gleichermaßen aus.

Bildquelle: XU Gruppe

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