Nach seinem Abschluss an der Universität St. Gallen hat Ivan Cossu für namhafte Unternehmen wie Morgan Stanley und Boston Consulting gearbeitet und schon in jungen Jahren Deskbird gegründet.
ITM: Herr Cossu, Sie sagen klipp und klar: HR hat im Mittelstand versagt! Woran machen Sie das fest?
Cossu: Es zeigt sich deutlich, dass Mitarbeiter immer häufiger unzufrieden mit ihrer Arbeit sind. Einer Gallup-Umfrage zufolge hat jeder fünfte Arbeitnehmer innerlich schon gekündigt, mehr als jeder Zweite hat den Glauben an das eigene Unternehmen verloren. Mögliche Gründe: Die Angebote der Arbeitgeber entsprechen oft nicht mehr den Bedürfnissen der Belegschaft nach Flexibilität, einer ausgewogenen Work-Life-Balance und einer sinnvollen Arbeit. Führungskräfte und HR schaffen es nur selten, eine entsprechende Unternehmenskultur zu vermitteln, und wirtschaften an den Bedürfnissen der Mitarbeiter vorbei.
ITM: Wie kann IT zur Stärkung der Retention und damit für die Bindung der Mitarbeiter eingesetzt werden?
Cossu: Hybridarbeit zu ermöglichen, ist essenziell, um Mitarbeiter anzusprechen und zu binden. Dennoch darf das soziale Miteinander nicht verloren gehen. Tools für Kommunikation, Kollaboration oder Projektmanagement helfen, die Belegschaft zu vernetzen. Besonders relevant für die Mitarbeiterbindung sind aber Lösungen für das digitale Arbeitsplatz-Management. Damit teilen Mitarbeiter ihren Arbeitsort mit Kollegen und koordinieren gemeinsame Bürotage. So sehen sich Teammitglieder regelmäßiger, was die Zugehörigkeit stärkt und das Arbeiten im Büro attraktiver macht. Zeigen die Tools zusätzlich an, mit welchem Equipment die Arbeitsplätze ausgestattet sind, können die Mitarbeiter Fokustage an Einzelarbeitsplätzen oder kollaborative Tage in Meeting-Räumen leichter planen. IT-Teams optimieren auf diese Weise die Arbeitsumgebung und bieten der Belegschaft ein effizientes und angenehmes Umfeld, was sich auch positiv auf die „Workplace Efficiency“ auswirkt: Die Produktivität steigt und der Ressourceneinsatz lässt sich leichter planen. Digitale Tools ermöglichen außerdem, das Mitarbeiterengagement festzustellen. Dafür werden anonyme Umfragen durchgeführt und gemeinsame Ziele festgelegt. Dadurch erkennen Unternehmer besser, was die Belegschaft benötigt, und können gezielter auf deren Bedürfnisse eingehen, was wiederum Bindung und Retention fördert.
ITM: Worauf kommt es an, damit die dafür verwendeten digitalen Tools zum Arbeitsmodell des Unternehmens passen?
Cossu: Zunächst sollten sich die Tools nahtlos in bestehende Systeme und Arbeitsabläufe einfügen lassen. Auch eine hohe Benutzerfreundlichkeit ist entscheidend, damit die Mitarbeiter das Tool problemlos und intuitiv bedienen können. Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass die erfassten Daten vertraulich und sicher behandelt werden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITM: Wo sehen Sie aktuell im Zeitalter hybrider Arbeit die wichtigsten Ansatzpunkte dafür zu sorgen, dass die Belegschaft gerne im Unternehmen bleibt?
Cossu: Mitarbeiter müssen unabhängig von ihrem Arbeitsort effizient zusammenarbeiten können. Dies erfordert eine gute technische Infrastruktur samt Kommunikations-Tools, die sowohl Remote- als auch Vor-Ort-Arbeit unterstützen. Erlauben Unternehmen Hybridarbeit, gehen sie auf das Bedürfnis der Mitarbeiter nach Flexibilität ein. Daneben sind aber z.B. auch Eigenverantwortung und Weiterbildungsmöglichkeiten wichtig. Hybrides Arbeiten sollte mittels digitaler Tools koordiniert werden, denn unsere Recherche zeigt, dass Mitarbeiter dadurch bis zu 20 Prozent produktiver und 40 Prozent zufriedener sind. Um zusätzlich eine stärkere Bindung und ein Gefühl der Zugehörigkeit bei den Mitarbeitern zu fördern, eignen sich zudem verschiedene Events. Auch hier spielt die IT eine zentrale Rolle, da sie mithilfe digitaler Lösungen die Koordination und Kommunikation von Terminen erleichtert. Diese Aspekte schaffen die Grundlage für eine Unternehmenskultur und -umgebung, in der gerne gearbeitet wird.
Bildquelle: Deskbird