Vom statischen Dokument zum digitalen Asset

Wie KI Wesen und Zweck von Verträgen verändert

Wie KI-Systeme das moderne Vertragsmanagement verändern könnten, beschreibt Mihály Gündisch, Vice President DACH bei Docusign, im Kommentar.

Vom statischen Dokument zum digitalen Asset

Mihály Gündisch berät mit seinem Team Klienten im deutschsprachigen Raum bei Fragen zur Digitalisierung und Automatisierung im Vertragsmanagement.

Allen Schlagzeilen zum Trotz: Heute stehen wir bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) erst ganz am Anfang. Laut Gartner wird generative KI bis 2025 für 10 Prozent aller produzierten Daten sorgen, heute ist es weniger als 1 Prozent. Unser Digital-Maturity-Report zeigt aber auch, dass heute bereits die Hälfte aller befragten Entscheidungsträger KI-gestützte Lösungen wie ChatGPT nutzen. Sobald sich neben der Technologie auch die Datenschutzbedingungen für Nutzer weiter verbessern, scheint es unvermeidlich, dass verschiedene Geschäftsbereiche radikal umgestaltet werden.

Mit einer hohen Wortanzahl, vielen Standardformulierungen, kritischen Schlüsselbegriffen und spezifischen Daten sind Verträge ein großartiger Anwendungsfall für verfeinerte und gezielt angewandte KI-LLMs (Large Language Models). Sie versprechen, einer Reihe von Stakeholdern dabei zu helfen, Arbeitsabläufe intelligenter zu gestalten und Risiken durch verpasste Details und Chancen zu verringern.

Aktuell sind KI-Tools der Aufgabe, Verträge eigenständig zu schreiben, längst noch nicht gewachsen. Bislang werden sie nur eingesetzt, um lange Verträge zu überprüfen und spezifische Formulierungen zu einem Thema zu finden. An dem Ziel, in Standardverträgen die Sprache zu analysieren und Vorschläge für geänderte oder vorteilhaftere Bedingungen anzubieten, arbeiten derzeit Juristen gemeinsam mit Datenwissenschaftlern und Software-Ingenieuren. Sie entwickeln dafür neue, speziell auf das Vertragsmanagement zugeschnittene Tools.

Teams werden KI zudem nutzen, um robuste Risikobewertungsmodelle zu erstellen, die bei der Verfeinerung neuer Verträge helfen können. Ein weiterer klarer Anwendungsfall für KI ist die Erstellung und Analyse von Daten über den Vertragsprozess. Mit neuen digitalen Plattformen, die den gesamten End-to-End-Workflow bei Vertragsabschlüssen verwalten können, wird KI jeden Schritt beobachten und neue Arten von Daten aus Drittanbietersystemen sammeln. Diese Metriken können analysiert und in Empfehlungen zur Optimierung von Verhandlungen umgewandelt werden.

Digitalisierung der Arbeitsabläufe

Mit der Weiterentwicklung der KI werden sich Wesen und Zweck von Verträgen nach und nach verändern. Nach der grundlegenden Umstellung auf elektronische Unterschriften und digitale Verträge besteht die nächste Verbesserung in der Digitalisierung der Arbeitsabläufe und der Verwaltung von Verträgen. Ziel sollte es sein, zu zukunftssicheren digitalen Anwendungen überzugehen, die auch außerhalb der eigenen Organisation miteinander verbunden sind. Solche digitalen Assets könnten beispielsweise ihren Vertragsinhalt als Reaktion auf vorherige Eingaben ändern oder Änderungen in anderen verbundenen Lösungen signalisieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die nächste Generation elektronischer Verträge wird sich also ständig selbst aktualisieren und digital vernetzt sein – und den Vertrag als rein statisches Dokument langfristig ablösen. Die digitale Vertragsverwaltung bietet zudem den Vorteil, dass die persönliche Authentifizierung entfällt und die intelligente, sichere und ortsunabhängige Verwendung elektronischer Signaturen gefördert wird, was letztlich die Produktivität steigert.

Dies sind nur einige der innovativen Möglichkeiten, die Vertragsmanager von KI erwarten dürfen. Langfristig bewegen wir uns auf eine Welt zu, in der KI-gestützte Technologien es Vereinbarungen ermöglichen, selbständig zu denken, zu handeln, zu kommunizieren und Entscheidungen treffen zu können.

Bildquelle: Docusign

 

 

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