Nachgefragt bei Joost Dam, Viafrica

Wiedereinsatz gebrauchter IT

Interview mit Joost Dam, Gründer und Geschäftsführer von Viafrica

Joost Dam, Viafrica

„Momentan ist es wirtschaftlich noch nicht realisierbar, alle unsere Aktivitäten in Afrika mit neuer und energiesparender Hardware auszuführen“, so Joost Dam, Gründer und Geschäftsführer von Viafrica.

ITM: Herr Dam, inwiefern beschäftigt sich der Mittelstand derzeit mit dem Thema „IT-Nachhaltigkeit“?
Joost Dam:
Bei der Beschaffung von IT-Hardware wird noch wenig auf Nachhaltigkeitsaspekte geachtet. Mittelständische Unternehmen sind sich jedoch in zunehmendem Maße bewusst, dass die nachhaltige Entsorgung von IT-Gerätschaften wichtig ist. Wir merken das an den steigenden Anfragen zu PC-Spenden.

ITM: Welcher Aspekt steht hierbei im Fokus und warum: der ökologische, ökonomische oder soziale Aspekt?
Dam:
Alle Aspekte spielen eine Rolle. Aus der ökologischen Perspektive wird zunehmend für wichtig befunden, dass Geräte auf eine verantwortungsvolle und nachverfolgbare Art und Weise verwertet werden. Vom ökonomischen Gesichtspunkt betrachtet, spielen Abschreibungszeitraum und Energieverbrauch eine Rolle, wobei dies für mittelständische Unternehmen aus meiner Sicht nicht die wichtigsten Punkte sind. Der soziale Aspekt wird ebenfalls immer bedeutsamer. Von mittelständischen Unternehmen wird erwartet, dass sie ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden, und dies kann beispielsweise durch den verantwortungsvollen Wiedereinsatz gebrauchter IT verwirklicht werden.

ITM: Welchen Einfluss nimmt der Klimawandel auf den IT-Nachhaltigkeitsgedanken der Anwender?
Dam:
Im Allgemeinen denke ich nicht, dass das durchschnittliche Mittelstandsunternehmen sich hiervon beeinflussen lässt.

ITM: Welche Maßnahmen lassen sich recht zeitnah umsetzen, welche müssen eher langfristig in Angriff genommen werden?
Dam:
Der Mittelstand kann Einsparungen erreichen, indem zunehmend Cloud-Services und die ökologischen und ökonomischen Größenvorteile von Datenzentren anstelle von nicht optimal eingesetzter eigener Infrastruktur genutzt werden. Langfristig könnte dadurch der traditionelle Arbeitsplatz komplett entfallen.

ITM: Was ist für die produzierenden Gewerbe grundsätzlich eher sinnvoll: in energieeffiziente Produktionsanlagen und nachhaltiges Gebäudemanagement oder in die Entwicklung und Vermarktung klimagerechter Produkte zu investieren?
Dam:
Momentan scheinen größere Vorteile auf dem Gebiet nachhaltiger Produkte, deren Wiederverwendung einfacher und lückenloser ist, erzielt werden zu können. Aber dies ist keine „Entweder-Oder“-Entscheidung, sondern eher ein „sowohl als auch“.

ITM: Worauf sollten die Unternehmen beim Kauf neuer IT/Hardware für ihre Produktion achten?
Dam:
Unternehmen kaufen noch immer eher traditionell ein. Mehr Nachdruck sollte auf Zero- oder Thin-Clients liegen, deren Energieverbrauch viel niedriger ist. Zudem können durch Entscheidung für die richtige Software (Open Source vs. lizensierte Software) Vorteile genutzt werden. Ein anderer Aspekt ist die Recycelbarkeit von Hardware. Einige Hersteller sind darin viel weiter als andere, wodurch zum Ende der Lebensdauer viel höhere Erlöse erzielt werden können.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie der Klimawandelproblematik in Ihrem Unternehmen zu? Wie tragen Sie konkret durch Ihre IT-Produkte, -Lösungen und -Dienstleistungen zur Bekämpfung des Klimawandels bei?
Dam:
In Afrika sorgt Viafrica dafür, dass jeglicher elektronischer Abfall aus unseren Projekten ordnungsgemäß recycelt wird. Dies gilt für unsere eigenen Projekte, aber wir bieten diesen Dienst auch anderen Organisationen und Unternehmen vor Ort an. Weiterhin arbeiten wir in zunehmendem Maße mit Hardware, die wenig Energie verbraucht und mit alternativen Energiequellen kombiniert werden kann (Wind- und Sonnenenergie). In Europa trägt unsere Initiative PC-Spenden dazu bei, dass abgeschriebene Unternehmenshardware nicht einfach entsorgt, sondern in anderen Ländern Europas wieder eingesetzt wird. Zudem garantieren wir die umweltgerechte Entsorgung defekter Hardware nach den Maßgaben der europäischen WEEE-Richtlinie und der ISO-Norm 14001.

ITM: Wer oder was sind die Treiber für Ihr Handeln?
Dam:
Wir handeln hauptsächlich aus einem gesunden sozialen Bewusstsein heraus. Zudem erfahren wir glücklicherweise eine wachsende Nachfrage nachhaltiger Produkte.

ITM: Welche Rolle spielt hier das Image?
Dam:
Eine wichtige Rolle. Viafrica kann soziale Projekte nicht ausführen, ohne den gesamten Lebenszyklus der Hardware zu berücksichtigen. Wir finden, dass wir auf ganzer Linie Verantwortung übernehmen müssen. Dieses Image bauen wir aktiv auf und aus und unterscheiden uns nicht zuletzt dadurch von unserer „Konkurrenz“.

ITM: An welchen Stellen hapern Ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten noch und sehen Sie Handlungsbedarf?
Dam:
Momentan ist es wirtschaftlich noch nicht realisierbar, alle unsere Aktivitäten in Afrika mit neuer und energiesparender Hardware auszuführen. Gerne würden wir langfristig keine gebrauchte Hardware mehr nach Afrika verschiffen, sondern diese durch nachhaltige und energiesparende Lösungen ersetzen.

ITM: Wie sieht Ihre IT-Nachhaltigkeitsstrategie aus?
Dam:
Mittelfristig planen wir auch in Afrika den Übergang zu Thin-Clients. Wir beschäftigen uns aktiv damit, indem wir Lösungen dafür entwickeln.

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