Gerätevernetzung: Interview mit Markus Schaffrin, Eco

Windows-basierte PCs als Hauptangriffsziel

Interview mit Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter Mitgliederservices und Sicherheitsexperte im Eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., über die Gefahren, die vernetzte Geräte mit sich bringen

Markus Schaffrin, Eco

„Böse Zunge behaupten, auch ein Kühlschrank soll schon Teil eines Botnetzes gewesen sein“, so Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter Mitgliederservices und Sicherheitsexperte im Eco-Verband.

ITM: Herr Schaffrin, inwiefern haben mittelständische Unternehmen anno 2014 die Themen „Cyberkriminalität“ und „IT-Sicherheit“ auf dem Schirm?
Markus Schaffrin:
Sicherlich ist durch die mediale Berichterstattung rund um die Enthüllungen von Edward  Snowden die Aufmerksamkeit für das Thema „IT-Sicherheit“ gestiegen. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass die Unternehmen mehr in IT-Sicherheit investieren und das Thema „Cyberkriminalität“ im gesamten Ausmaß erfassen können. Noch zu häufig sind keine eigenen IT-Sicherheitsspezialisten im Haus und kein Verständnis für derartige Sicherheitsaspekte vorhanden.

Virenangriffe, Trojanerattacken, Wirtschaftsspionage – Unternehmen, die sich künftig nicht davor schützen, werden nicht länger am Markt bestehen. Für die Umsetzung benötigen sie professionelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Thema „IT-Sicherheit“ von Grund auf verstehen und praktische Lösungen auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand realisieren können. Dank des neuen kooperativen Studiengangs IT-Sicherheit (KITS), den Eco zusammen mit der Hochschule Darmstadt imitiert, erhalten sie nicht nur genau diese Fachkräfte – sie sind aktiv an der Ausbildung beteiligt und können so die Qualifikation genau auf ihre Bedürfnisse abstimmen.

ITM: Die technologischen Entwicklungen schreiten immer weiter voran und bieten gleichzeitig neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Welche Technologien/Bereiche stehen aktuell als Einfallstore im Mittelpunkt?
Schaffrin:
Noch immer bilden Botnetze eine wichtige Grundlage für Cyberkriminnelle. Diese bestehen aus tausenden mit Schadsoftware infizierten Rechnern. Verbreitet wird die Schadsoftware zu 80 Prozent über manipulierte Webseiten. Hierbei handelt es sich um ganz normale Webauftritte, also auch die von deutschen Unternehmen. Und da KMUs ihre Webauftritte oft vernachlässigen, gehören diese Webseiten zu den häufigsten Angriffsflächen.

ITM: Welches Gefahrenpotential birgt hier das „Internet der Dinge“?
Schaffrin:
Böse Zunge behaupten, auch ein Kühlschrank soll schon Teil eines Botnetzes gewesen sein. Fakt ist, dass zukünftig auch andere internetfähige Geräte in den Fokus der Angreifer rücken werden. Noch ist der klassische Windows-basierte PC aber das Hauptangriffsziel, weil es immer noch Millionen von ungeschützten Rechnern weltweit gibt.

ITM: Inwiefern kommen „intelligente, vernetzte Geräte“ bereits im Mittelstand zum Einsatz?
Schaffrin:
Neben der Logistik, der Automobilbranche und der Telemedizin werden ausgereifte Machine-to-Machine-Kommunikationslösungen (M2M) erfolgreich in einem Bereich eher außerhalb des Rampenlichts eingesetzt: der Landtechnik, in der vom Traktor bis zum Mähdrescher schon längst vernetzte Systeme im Einsatz sind.

ITM: Warum sind die mit dem Internet verbundenen Geräte wie Heimnetzwerkrouter, Fernseher oder Kühlschrank so leicht angreifbar?
Schaffrin:
Auf allen Geräten benötigt man eine Software als Betriebssystem, häufig auch als Firmware bezeichnet. Diese Software wird von Menschen geschrieben, die nun mal Fehler in der Programmierung machen können. Das Grundproblem ist, dass bei der Software-Entwicklung zu wenig auf die Sicherheit geachtet wird. Sie muss integraler Bestandteil bei der Programmierung werden und nicht erst später aufgesetzt werden.

ITM: Wie werden die Geräte missbraucht bzw. wozu werden sie von Cyberkriminellen benutzt?
Schaffrin:
Botnetze fungieren als infrastrukturelle Grundlage von Internetkriminalität und sind eine der größten illegalen Einnahmequellen im Internet. Die Geräte, die Teil eines solchen Botnetzes geworden sind, werden für vielfältige Angriffe genutzt. Vom illegalen Spamversand über das Angreifen anderer Rechner (DDoS) bis hin zu Phishing-Attacken ist der Missbrauch sehr hoch.

ITM: Welchen Schaden können IoT-basierte (Internet of Things) Attacken (in einem Unternehmen) anrichten?
Schaffrin:
Im Falle eines produzierenden Gewerbes, bei dem es einem Angreifer gelingt, die Produktion zu unterbrechen oder zu verändern, können die Schäden schnell bis zum wirtschaftlichen Ruin führen.

ITM: Wie ließe sich ein Angriff auf bzw. über vernetzte Geräte nachweisen?
Schaffrin:
Häufig ist dies sehr schwierig bzw. der Angegriffene bekommt überhaupt nicht mit, dass er angegriffen wurde. Gerade KMUs, bei denen die IT-Sicherheit ohnehin nicht oberste Priorität genießt, werden auch keine speziellen Detecion-Intrusion-Systeme oder IT-Forensiker für die spätere Aufklärung im Hause haben. Handelt es sich um Wirtschaftsspionage und es werden z.B. Konstruktionspläne gestohlen bzw. kopiert, erfährt dies das betroffene Unternehmen eventuell erst Monate oder Jahre später. Beispielsweise wenn dann ein Mitbewerber aus Fernost das gleiche Produkt auf den Markt bringt.

ITM: Wie kann der Anwender laufende Manipulationen seiner Geräte selbst erkennen?
Schaffrin:
Das ist schwierig, da die Geräte nicht unbedingt langsamer oder anderweitig auffällig werden. Und welcher Anwender verfügt schon über ein entsprechendes Wissen, um seine Logdateien auszuwerten? Hier ist es ratsamer, proaktiv die eigenen Geräte entsprechend zu schützen:

  • Überprüfen Sie Ihren Computer auf Befall. Benutzen Sie hierzu den EU-Cleaner. Löschen Sie gefundene Schädlinge.
  • Installieren Sie aktuelle Service-Packs und Sicherheitsupdates für Ihr System und aktivieren Sie automatische Updates.
  • Überprüfen Sie die von Ihnen eingesetzten Internetbrowser und die darin eingebundenen Plug-ins regelmäßig auf ihre Aktualität.
  • Installieren Sie einen Virenscanner und aktualisieren Sie ihn regelmäßig.
  • Benutzen Sie eine Firewall wie z.B. die windowseigene Firewall oder einen Router.

Zudem empfehlen wir den Unternehmen, sich bei der Initiative-S anzumelden. Die Initiative-S ist ein Projekt im Rahmen der Task Force „IT-Sicherheit in der Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Unter www.initiative-s.de können Betriebe ihre Firmenwebseite kostenfrei auf Sicherheitslücken überprüfen lassen und werden bei einem Fund umgehend informiert und beraten.

ITM: Welche IT-Sicherheitsmaßnahmen sind zukünftig sinnvoll – von Seiten der Gerätehersteller, aber auch von Seiten der Anwender, die letztlich auf die vernetzten Geräte vertrauen?
Schaffrin:
Auf Seiten der Gerätehersteller: Rechtzeitig und transparent die Anwender informieren, wenn es zu einer Sicherheitslücke gekommen ist. Eine Salamitaktik ist nicht hilfreich und am Ende gelangt ein Fehlverhalten immer an die Öffentlichkeit. Zügig reagieren und Updates veröffentlichen. Offen und ehrlich mit dem Thema umgehen, aber auch schnelle Hilfe anbieten.

ITM: Welchen Beitrag können IT-Sicherheitsanbieter an dieser Stelle leisten?
Schaffrin:
Kunden beraten, auf Gefahren hinweisen, sensibilisieren, Awareness schaffen und im Angriffsfall natürlich helfen und Schaden abwenden.

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