Singapore: Platz 1 im Standort-Ranking
Deutschland ist in der aktuellen Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften vom IMD World Competitiveness Center auf Platz 24 gefallen. 2022 lag das Land noch auf Platz 15, 2014 auf Platz 6. Es liegt damit hinter Staaten wie China und Saudi-Arabien, aber vor Österreich und Großbritannien. Singapur, die Schweiz, Dänemark und Irland belegen die vier Spitzenplätze.
Die Bewertung basiert auf 164 Indikatoren in vier Bereichen: Wirtschaftsleistung, Infrastruktur, Effizienz der Regierung und der Unternehmen. Datenquellen sind unter anderem die Weltbank und der IWF. Eine Umfrage unter über 6600 Führungskräften wurde ebenfalls berücksichtigt.
Hauptgründe für Deutschlands Rückfall sind die Folgen des Ukraine-Kriegs und interne Schwächen, insbesondere eine mangelnde Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland haben Schwierigkeiten, neue Technologien zu integrieren und schneller zu werden. Hohe Steuern werden als großer Wettbewerbsnachteil empfunden. Die Leistung der deutschen Regierung und Verwaltung wurde kritisch bewertet, besonders hinsichtlich der Effizienz, wo Deutschland auf Platz 32 fiel. Trotzdem wurden das hohe Bildungsniveau und die qualifizierten Arbeitskräfte gelobt.
Der Mittelstandsexperte und Wirtschaftswissenschaftler Hermann Simon sieht die Lage weniger dramatisch, übt aber in einem Interview mit dem Wirtschaftsjournalisten Gunnar Sohn deutliche Kritik. Im Zentrum seiner Ausführungen stehen die negativen Auswirkungen von Strafzöllen, die Notwendigkeit von Direktinvestitionen in China und den USA, die Stärken deutscher Hidden Champions sowie deutliche Empfehlungen an die Ampel-Regierung. Besonders hervorzuheben sind Simons Forderungen nach einem Ministerium für Entbürokratisierung und seine Kritik am Normenkontrollrat.
Er würdigt die Hidden Champions als zentrale Stütze der deutschen Wirtschaft. Diese kleinen und mittleren Unternehmen, oft Weltmarktführer in Nischenmärkten, zeichnen sich durch ihre Innovationskraft und hohe Qualität aus. Beispiele wie Klingelnberg, der Weltmarktführer für Maschinen zur Herstellung von Zahnrädern, illustrieren die technologische Spitzenstellung deutscher Unternehmen.
„In dieser wenig sichtbaren Hidden-Champions-Substanz sind wir verdammt gut,“ so Simon. Er ist davon überzeugt, dass diese Unternehmen entscheidend für die langfristige Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft seien.
Quelle: IMD, Gunnar Sohn
Bild: Nirut Phengjaiwong / Pixabay