IT-Fortbildungen können eine wichtige Investition in die Zukunft sein. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Was man einmal weiß, kann einem nicht mehr weggenommen werden. Gerade die IT ist so schnelllebig, dass eine stete Weiterbildung fast zwingend notwendig ist, um auf dem Laufenden zu bleiben“, betont Ronny Roscher. ((Bildquelle: T-Systems Multimedia Solutions))
ITM: Herr Roscher, welche Fortbildungen sind besonders gefragt in der IT-Branche?
Ronny Roscher: Grundsätzlich besteht in der IT aktuell erhöhter Bedarf an Fachpersonal, und das nicht nur bedingt durch Corona. Als treibende Kraft sehe ich die Bereiche Industrie 4.0, Digitalisierung, Prozess-Automatisierung und IT-Security. Auch die fortschreitende Globalisierung, Vernetzung mit 5G und IoT sind weitere Themen. Mit Fortbildungen in den genannten Richtungen ist jeder sicherlich gut beraten, aber auch Softskills und Sprachkenntnisse halte ich für grundsätzlich wichtig.
ITM: Sie absolvierten zunächst eine duale Ausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Wie kam es zu dem Wunsch, sich weiterbilden zu wollen und hatten Sie direkt eine bestimmte Fortbildung im Auge?
Roscher: Nach meiner Ausbildung habe ich zehn Jahre lang nur wenig in der Richtung getan. Durch die Fortbildungen sah ich die Möglichkeit, meine Fähigkeiten in den für mich wichtigen Richtungen zu erweitern und mir Optionen für meine berufliche Zukunft zu schaffen beziehungsweise offen zu halten. Natürlich habe ich auch darauf geachtet, dass sich ein Mehrwert für meine aktuelle Tätigkeit ergibt, auch wenn das anfangs eine eher untergeordnete Rolle spielte. Ein Vollzeitstudium hatte ich im Voraus bereits ausgeschlossen, da sich dies mit meiner Lebenssituation nicht vereinbaren ließ. Also habe ich nach Alternativen recherchiert und bin recht zügig auf das Thema Aufstiegsfortbildung gestoßen.
Dort hatte ich ursprünglich die Richtung „Aus- und Weiterbildungspädagoge“ ins Auge gefasst. Ich habe mich aber schließlich, nicht zuletzt durch den Bezug zu meiner jetzigen Tätigkeit als Quality Engineer, für den Operative Professional entschieden. Darüber konnte ich zusätzlich zum Abschluss meine Ausbildereignung (AEVO) erwerben.
ITM: Als ihr Entschluss zur IT-Weiterbildung feststand: Wo haben Sie sich informiert und wie haben Sie einen geeigneten Anbieter in dem Bereich gefunden?
Roscher: Durch die Suche nach der Aufstiegsfortbildung bin ich zum WIS IHK, dem Weiterbildungs-Informations-System der Industrie- und Handelskammern, gekommen. Auf deren Internetseite fand ich auch eine Liste der entsprechenden Weiterbildungsanbieter inklusive Informationen zu Kosten, Dauer und Unterrichtsformen. Somit bin ich schließlich zur manQ e.K. gekommen. Über diese Einrichtung habe ich mich von 2017 bis 2019 zum IT Operative Professional fortgebildet, was der DQR Niveaustufe 6 entspricht und in den Bachelor-Professional-Abschluss mündet. Gerade erwerbe ich über diesen Anbieter zusätzlich meinen technischen Betriebswirt und somit meinem Master Professional-Abschluss auf der DQR Niveaustufe 7.
ITM: Wie waren Ihre Fortbildungen aufgebaut und wie ließen sich diese mit Ihrem Job und Alltag vereinbaren?
Roscher: Von Präsenzseminaren über selbst organisiertes Lernen mit Lehrbriefen zu Hause bis zu E-Learning und Blended Learning ist für jeden Lerntypen etwas dabei. Die Präsenzvariante fiel mangels Angebots in meiner Region und der zeitlichen Gestaltung aus. Das Selbststudium über Lehrbriefe schied ebenfalls aus, da das schlicht nicht meine Art des Lernens ist. Somit blieb damals nur das E-Learning übrig und die Zahl der Anbieter überschaubar. Die Vorlesungen selbst fanden ein- bis zweimal wöchentlich zwischen Montag und Freitag jeweils von 18 bis 21 Uhr als interaktives Zoom-Meeting statt. Dazu fielen auch noch ca. drei bis sechs Stunden pro Woche für Vor- und Nachbereitung an. Zusätzlich gab es zwei freiwillige Präsenztermine zur Prüfungsvorbereitung.
ITM: Eine Fortbildung ist eine Investition in die Zukunft, kostet aber auch Geld. Wie haben Sie Ihre Weiterbildungen finanziert?
Roscher: Die Kosten – beispielsweise ca. 6.000 Euro für den Operative Professional – sind sicherlich ein nicht zu vernachlässigender Faktor und wären ohne Inanspruchnahme von Finanzierungsmöglichkeiten vermutlich nur schwer zu realisieren gewesen. Ich habe staatliche Förderung durch das Aufstiegs-BAföG erhalten, das bei beruflichen Aufstiegsfortbildungen finanzielle Unterstützung bietet. In meinem Fall hat der Weiterbildungsanbieter alle notwendigen Informationen inklusive Rechenbeispiel geliefert: Was wird gefördert, welchen Teil muss ich selbst zahlen und so weiter. Während Geförderte bei Vollzeitfortbildungen Beiträge für Unterhalt und die Maßnahme erhalten, fällt der Unterhaltszuschuss bei Teilzeitfortbildungen weg. Der Maßnahmenbeitrag setzt sich aus einem Zuschuss und einem Darlehen zusammen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Nachdem ich mich informiert hatte, musste ich nur noch die Formblätter für die Beantragung ausfüllen und bei meiner Förderstelle einreichen. Als Eigenanteil blieben nach bestandener Prüfung etwa 35 Prozent übrig. Das ist immer noch viel Geld, wird aber durch die Förderstelle während der Weiterbildung zu 0 Prozent finanziert und muss erst 24 Monate nach Abschluss der Maßnahme – in Raten oder als Einmalzahlung – getilgt werden.
ITM: Was würden Sie anderen Berufstätigen in der IT raten, die sich für Weiterbildung interessieren?
Roscher: Wissen beziehungsweise Bildung ist in meinen Augen eine wertstabile Ressource. Was man einmal weiß, kann einem nicht mehr weggenommen werden. Auf der anderen Seite ist gerade die IT so schnelllebig, dass eine stete Weiterbildung fast zwingend notwendig ist, um auf dem Laufenden zu bleiben. Von daher kann ich nur an alle appellieren, die angebotenen Möglichkeiten und die gegebenenfalls durch die Pandemie vorhandene „Freizeit“ effektiv zu nutzen, um sich weiterzubilden. Die Fördermöglichkeiten sind fast jedem gegeben und die Einstiegshürden, sofern diese überhaupt so genannt werden können, überschaubar.